Ski Alpin Deutsche Damen im Höhenflug
Altenmarkt - Bei der vierten Abfahrt der Saison im österreichischen Altenmarkt/Zauchensee platzierten sich in Regina Häusl (Bad Reichenhall) als Zweite und der zuletzt bereits überzeugenden Martina Ertl (Lenggries) als Dritte gleich zwei Läuferinnen des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) auf dem begehrten "Stockerl". Doch nach vier zweiten Plätzen in Abfahrt und Super-G zuvor mussten die Frauen von Cheftrainer Wolfgang Maier zum fünften Mal einer anderen den Vortritt lassen. Diesmal fuhr die Schweizerin Corinne Rey-Bellet bei ihrem dritten Weltcup-Erfolg in 1:34,47 Minuten die Winzigkeit von 15 hundertstel Sekunden schneller als Häusl (1:34,62).
"Wir wussten beide, dass wir das technisch drauf haben", erklärte Häusl, die bereits in St. Moritz als Zweite dicht vor ihrem zweiten Weltcup-Sieg stand. Sybille Brauner (Aising-Pang) in 1:35,51 Minuten rundete als Neunte das beeindruckende Mannschaftsergebnis des Deutschen Ski-Verbandes ab. Petra Haltmayr (Rettenberg/1:35,99) wurde 20.
Vor dem Rennen auf der Piste mit dem wenig klangvollen Namen "Kälberloch" hatte es allerdings nicht nach weiteren Erfolgen ausgesehen. Das Team hatte den Ausfall ihrer bis dato Besten - Hilde Gerg - zu verkraften. Nach ihrer Kapselband-Verletzung im rechten Sprunggelenk, die sie sich am Mittwoch beim Volleyball zugezogen hatte, musste das Trainer-Team schweren Herzens auf die Lenggrieserin verzichten, mit drei zweiten Rängen bis dato die mit Abstand beste in Abfahrt und Super-G.
Doch der "Rest" sprang beeindrucken in die Bresche. Vor allem Ertl fährt im neuen Jahr wie verwandelt und dokumentierte ihre hervorragende Form mit dem besten Abfahrtsergebnis ihrer Karriere. "Anscheinend kann ich, wenn alles passt, auch eine Abfahrt gewinnen", stellte sie nach einer Zeit von 1:35,11 Minuten beinahe erschrocken fest. Seit die 26-Jährige mit dem Österreicher Toni Trenkwalder zwischen den Jahren Technik wie Psyche wieder auf Weltformat getrimmt hat, läuft es wie geschmiert. Bereits vor einer Woche beim Heimauftritt in Berchtesgaden landete die ehrgeizige Lenggrieserin im Riesenslalom erstmals in diesem Winter als Dritte auf dem Podest. Nun durfte sie abermals nach dem Zieldurchlauf befreit die Faust in den Himmel recken.
Auch Häusl jubelte nach einem ernüchternden letzten Wochenende wieder, doch entschied sie sich bei der Analyse dann für nachdenkliche Worte: "In Deutschland herrscht keine Leistungsgesellschaft, sondern eine Erfolgsgesellschaft", erklärte die 26-Jährige in Anspielung auf die Kritik nach einem durchwachsenen Herbst. Auch Ertl konstatierte, dass "die Trainer bei nur vier Mädels am Start gewaltig unter Druck stehen". Schließlich seien mit wenigen Starterinnen auch die Aussichten auf Erfolg dünner gesät.
Bereits im Abschlusstraining am Freitag hatten Maiers Schützlinge ihre gute Form unter Beweis gestellt. Ertl als Zweite, Häusl als Dritte und Brauner, die auf Rang Fünf lag, deuteten an, dass die Speed-Disziplinen trotz der Renaissance von Ertl im technischen Bereich weiter das liebste Kind bleiben.