Ski Alpin Ertl wird zur "Martina Nationale"
Aspen - Fünftes Rennen, zum dritten Mal auf dem Siegertreppchen, nur knapp am zweiten Saisonsieg vorbei: Martina Ertl ist im vorolympischen Winters weiterhin in einer bestechenden Verfassung. Einen Tag nach ihrem ausgezeichneten vierten Rang im ersten Super-G der WM-Saison glänzte die 27-Jährige im Slalom von Aspen im US-Bundesstaat Colorado mit Rang zwei. Geschlagen wurde die Lenggrieserin dabei erneut nur von der Kroatin Janica Kostelic - beim ersten Slalom eine Woche zuvor hatten die beiden ebenfalls Rang eins und zwei belegt.
Erste, Siebte, Zweite, Vierte, Zweite: "Besser hätte die Saison kaum beginnen können", sagte Martina Ertl überglücklich im Zielraum des Nobel-Skiortes in den Rocky Mountains. Lohn der guten Tat: Neben umgerechnet rund 80.000 Mark Preisgeld und Prämien liegt die deutsche "Vorläuferin" im Gesamtweltcup souverän in Führung - mit 346 Punkten vor Kostelic (239) und Michaela Dorfmeister aus Österreich (186). "Aber", so warnte sie, "es ist jetzt noch viel zu früh, um an den Gesamtweltcup zu denken."
Beeindruckend ist allerdings das Selbstvertrauen, mit dem die Polizeiobermeisterin derzeit zu Tal fährt. Im zweiten Durchgang im Slalom von Aspen fuhr Ertl (1:24,12) enorm aggressiv, zugleich aber kontrolliert noch vom sechsten Rang auf das Siegerpodest - nur die überragende Kostelic (1:23,19) blieb außer Reichweite. Rang drei belegte Kristina Koznick aus den USA (1:24,12). Weltcup-Punkte sammelte auch Monika Bergmann (Lam), die allerdings im zweiten Lauf noch vom 14. auf den 18. Rang zurückfiel (1:25,67).
So eindrucksvoll Ertls gelungener Saisonstart, so bemerkenswert ist auch die erneute Gala-Vorstellung von Kostelic. Vor elf Monaten prophezeiten ihr die Ärzte nach einem Sturz mit "Totalschaden" im rechten Knie noch das Ende der gerade erst mit Elan begonnenen Karriere, doch die ehrgeizige Kroatin beweist das Gegenteil: Sieg vor einer Woche auf der Olympiapiste in Park City vor Ertl, das gleiche Spiel nun ähnlich überlegen in Aspen. "Ich kann das gar nicht glauben", sagte die 18-Jährige.
Von Peter Staub, sid