Ski alpin Tränen im Zielraum
Copper Mountain - Als Carole Montillet beim Riesenslalom der Damen in Copper Mountain, Colorado, ins Ziel kam, schnallte sie sich nicht wie gewöhnlich die Skier ab, um sich dann lächelnd vor die nächste Kamera zu stellen. Obwohl sie am Ende des Rennens mit dem sechsten Platz die Beste im französischen Team war, konnte sich Montillet nicht freuen. Im Gegenteil: Tränenüberströmt fiel sie im Zielraum der österreichischen Kollegin Michaela Dorfmeister in die Arme, um sich trösten zu lassen.
Der Schatten von Régine Cavagnoud schwebt auch dreieinhalb Wochen nach ihrem Tod über dem alpinen Skizirkus. Die meisten Fahrerinnen waren mit Trauerflor angetreten. Zwischen den beiden Läufen wurde ein kleiner Film auf der riesigen Videoleinwand eingespielt, zu Ehren der bei einem Trainingsunfall tödlich verunglückten Super-G-Weltmeisterin aus Frankreich. Vor zwei Jahren noch feierte Cavagnoud auf dem Copper Mountain einen ihrer acht Weltcupsiege.
"Ein schwieriger Tag"
"Dies ist ein schwieriger Tag für unser Team", sagte Montillet, über zehn Jahre lang Zimmernachbarin Cavagnouds, und ihre Mannschaftskollegin Christel Pascal-Saioni fügte hinzu: "Ich denke ständig an Régine, egal ob ich ein Rennen fahre, trainiere oder sonst etwas mache." Das französische Team wird in Amerika von einem Sportpsychologen betreut, der auch noch in den nächsten Wochen dabei sein wird. Besonders die Rückkehr nach Frankreich, wenn der Skizirkus in Val d'Isere Station macht, wird für die Französinnen voller Emotionen sein.
"Wir haben in den letzten Tagen schwere Zeiten durchgestanden", berichtete Trainer Jean-Philippe Vuillet. "Das Rennen heute war ein Wendepunkt für uns, und ich bin beeindruckt, mit welcher Moral und Entschlossenheit wir diese Hürde genommen haben."
Nicht nur die Französinnen trauern
Doch nicht nur das französische Skiteam kämpfte gegen die Schwermut. Auch der Siegerin Andrine Flemmen war nicht nur nach Feiern zu Mute. "Es ist sehr schwer in ihre Fußstapfen zu treten. Régine stand vor zwei
Jahren hier oben auf dem Podest. Es ist deshalb nicht einfach, sich über diesen Titel so richtig zu freuen", so die Norwegerin. Dabei hätte die 26-Jährige nach dem zweiten Weltcup-Erfolg ihrer Karriere
gute Gründe zum Jubeln gehabt. Vor genau einem Jahr hatte sie sich in Aspen das Kreuzband gerissen. "Irgendwie ist es schön, irgendwie aber nicht so leicht, damit umzugehen", gab sie nach dem gelungenen
Comeback zu.
Tief bewegt war auch die am Mittwoch hinter Allison Forsyth (Kanada) drittplatzierte Riesenslalom-Weltmeisterin Sonja Nef (Schweiz): "Es hat weh getan, den Namen von Régine nicht in der
Teilnehmerliste zu finden. Sie fehlt uns sehr." Martina Ertl ging es ähnlich. "Es ist so
unfassbar. Wenn wir im Team darüber sprechen, können wir oft nicht glauben, dass es wirklich passiert ist", sagte die Kombinations-Weltmeisterin.