Ski-WM: Ertl sensationell Weltmeisterin - DER SPIEGEL
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Ski-WM Ertl sensationell Weltmeisterin

Vor fünf Wochen war sie noch verletzt, jetzt holt Martina Ertl die Goldmedaille in der Kombination.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

St. Anton - "Es ist ein Märchen, ich bin wirklich den Tränen nahe. So etwas wünscht man sich als Kind: Einmal Weltmeister werden. Es ist der schönste Tag seit langem", rang die 27-Jährige nach ihrem ersten WM-Titel um Fassung. Nachher flossen dann doch die Tränen der Freude.

Als erster Gratulant eilte Cheftrainer Wolfgang Maier quer durch den Zielraum und fiel seiner Athletin strahlend um den Hals. Für den Deutschen Ski-Verband (DSV) war es der erste Weltmeisterschafts-Goldmedaille seit 1993. Damals wurde Katja Seizinger im Super-G Erste, Miriam Vogt gewann in Morioka die Kombination.

Nach Platz drei in der Abfahrt profitierte die Olympia-Zweite von Nagano im entscheidenden zweiten Slalom-Durchgang von der Nervenschwäche der Konkurrentinnen. Die führende Renate Götschl (Österreich), die derzeit auch im Gesamt-Weltcup vorne liegt und schon im WM-Super-G-Rennen gescheitert war, schied ebenso wie die Zweite Caroline Lalive (USA) aus.

Die große Favoritin Janica Kostelic schied aus

Im ersten Durchgang hatte bereits die große Favoritin Janica Kostelic aus Kroatien nach einem Fahrfehler alle Hoffnungen begraben müssen. Die 19-Jährige Kroatin, die sieben Weltcup-Slaloms in Folge gewonnen hatte, schied Mitte des ersten Slaloms-Durchganges aus, nachdem sie in der Abfahrt eine passable Leistung gezeigt hatte. "Ich weiß nicht, was passiert ist. Aber besser es passiert hier als im Spezialslalom", tröstete sich Kostelic, die zuletzt 1998 im kanadischen Mammoth Moutain bei einem Slalom ausgeschieden war.

Zweite hinter Martina Ertl (2:55,65 Minuten) wurde mit über zweieinhalb Sekunden Rückstand ebenso überraschend die erst 17-jährige Österreicherin Christine Sponring (2:58,23) vor Karin Putzer aus Italien (2:58,69). Die Rettenbergerin Petra Haltmayr landete in 2:59,79 Minuten auf einem ausgezeichneten fünften Platz.

"Der Trainer war sehr skeptisch"

Der Sieg kam für Ertl völlig unerwartet. Vor fünf Wochen hatte sich die Lenggrieserin bei einem Sturz im Weltcup-Riesenslalom von Semmering einen Anriss des Innenbandes zugezogen. Lange Zeit war ihre WM-Teilnahme nicht sicher. "Der Trainer war sehr skeptisch, vor allem, ob ich die Abfahrt fahren soll", meinte Ertl, die dann doch starten durfte - allerdings nur mit einer Schiene.

Nachdem die Grenzschutz-Beamtin in der Abfahrt den Rückstand auf die kanadische Abfahrtsspezialistin Kirsten Clark mit 1,51 Sekunden in Grenzen halten konnte, gab sie die Devise aus: "Attackieren." Der schwierige Hang kam ihr entgegen. Dort konnte Ertl ihre technischen Fertigkeiten ausspielen und schob sich schon im ersten Durchgang auf den Bronze-Platz. Am Ende stand der WM-Triumph von St. Anton.