Skispringen Abkehr vom Spindelmännchen
Kuopio - Weil es im letzten Winter neben den sportlichen Leistungen der Skispringer auch stets das Geflüster über magersüchtige Athleten gab, hat der Internationale Skiverband (Fis) beschlossen, mit einem neuen Regelkatalog gegen die selbstzerstörerische Entwicklung der letzten Jahre anzugehen. Athleten, die bis an die Grenze zur Magersucht ihr Gewicht reduzierten, um die entscheidenden Meter herauszuholen, sollen nun nicht mehr die Vorflieger sein. Den Leichtgewichten geht es an den Kragen, ebenso werden Ski und Anzüge modifiziert. "Wir sind von der Entwicklung und den Athleten in den letzten Jahren überrascht worden. Über das Reglement wollen wir einen neuen Athletentyp steuern", erklärte Fis-Sprung-Direktor Walter Hofer die Absichten der Funktionäre.
Mit Hilfe veränderter Ski und Sprunganzüge soll der Trend hin zu immer leichteren Springern gestoppt und sogar umgekehrt werden. Statt einem Minimum an Gewicht ist nun wieder Athletik gefragt. "In den letzten Jahren hatte es einen Wandel von der Sprungkraft zur technischen Ausbildung und zu aerodynamischen Fähigkeiten gegeben. Die Springer waren mehr im Windkanal als im Kraftraum", sagte Hofer.
Durch die Beschränkung der maximal möglichen Skibreite auf die ersten 30 und letzten 15 Zentimeter der Sprunglatten wird die tragende Fläche reduziert. Die Vorschriften für die Anzüge, durch die "Übergrößen" verboten werden, kosten ebenfalls Weite. An insgesamt sechs Stellen werden die Kombis geprüft, wobei zwischen Körper- und Anzugmaß nur acht bis zehn Zentimeter Differenz bestehen dürfen.
Unklarheiten über die genaue Messmethode hatten beim Sommer-Grand-Prix im August in Hinterzarten noch zu Verwirrung und Disqualifikationen geführt. "Das ist der Anzug, den die Athleten wollten. Die können dann nicht sagen, die Fis hat uns was vorgeschrieben", betonte Hofer. Auch für den Weltcup-Auftakt am Freitag und Samstag (jeweils 17 Uhr) in Finnland will der Österreicher ein strenges Maß anlegen: "Wir werden in Kuopio sehr restriktiv mit den Materialbestimmungen umgehen." Genau das befürchtet auch Hannawald: "Ich möchte nicht den Teufel an die Wand malen, aber der erste Weltcup wird dem einen oder anderen den Kopf kosten."
Das Bündel an Maßnahmen soll dank eines geringeren Segeleffektes deutlich kürzere Weiten bringen. "Bisher habe ich davon relativ wenig gemerkt", so Weltcupsieger Martin Schmitt. Der 22-Jährige glaubt nicht, die Gewichtsproblematik durch modifizierte Ski und Anzüge in den Griff zu bekommen, schon gar nicht im Nachwuchsbereich. "Ich bekomme ja so einiges im Jugendbereich mit. Vor zwei, drei Jahren war es extrem. Man darf das nicht verharmlosen. Nicht, dass irgendwann das böse Erwachen kommt."
Von Marc Zeilhofer, dpa