Skispringen: Bundestrainer Heß wird abgeschoben - DER SPIEGEL
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Skispringen Bundestrainer Heß wird abgeschoben

Reinhard Heß wird nicht mehr als Bundestrainer der deutschen Skispringer arbeiten. Nach den unbefriedigenden WM-Auftritten in Val di Fieme hatten vor allem Sven Hannawald und Martin Schmitt Veränderungen gefordert. Nun soll Heß eine neue Funktion im Deutschen Skiverband übernehmen.
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Erfurt - "Ich habe diese Entscheidung bereits vergangene Woche getroffen", sagte Heß, der Wert auf die Feststellung legt, dass er selbst die Konsequenzen gezogen habe. Doch das dürfte nur die halbe Wahrheit sein.

Unmittelbar nach dem unbefriedigenden WM-Abschneiden der deutschen "Adler" hatten die WM-Starter Sven Hannawald (Hinterzarten), Martin Schmitt (Furtwangen), Michael Uhrmann (Rastbüchl) und Georg Späth (Oberstdorf) in der DSV-Zentrale ihrem Unmut Luft gemacht.

Vor allem Hannawald hatte sich wegen angeblicher Abnutzungserscheinungen in der jahrelangen Zusammenarbeit massiv für die Abberufung des Bundestrainers eingesetzt. Hannawald hat dabei nach Aussage eines Beteiligten dem DSV die Pistole auf die Brust gesetzt: "Heß oder ich." Sein Heimtrainer Wolfgang Steiert - bisher Co-Trainer bei Heß - sei der richtige Mann.

"Die Formation muss man nicht auf ewig festschreiben"

Am kommenden Mittwoch wird im Deutschen Skiverband (DSV) darüber entschieden, wofür der bisherige Auswahlchef in Zukunft verantwortlich sein wird. "Wir wollen Reinhard, sein Wissen und sein Können nicht verlieren. Der Verband wird ihn auf keinen Fall abschießen", sagte DSV-Sportdirektor und Generalsekretär Thomas Pfüller. Er kündigte neue Strukturen rund um die Springer-Nationalmannschaft an. "Die bisherige Formation muss man nicht auf Ewigkeit festschreiben, wenn neue Wege möglich sind", sagte Pfüller und vermied damit eine klare Aussage.

Zur Position von Reinhard Heß legte sich Pfüller aber fest: "Der Verband hat kein moralisches Recht, einen Trainer abzulösen, der neun Jahre Garant für den Erfolg war, nur weil seine Mannschaft nach massiven gesundheitlichen Problemen im Herbst bei der WM einen Hänger hatte." Heß hatte die Springer-Nationalmannschaft nach der WM 1993 übernommen und seitdem drei Mal olympisches Gold sowie sechs WM-Siege gefeiert.

Unterdessen hat Michael Uhrmann bestritten, an Heß' Ablösung mitgewirkt zu haben. "Ich persönlich weiß, dass ich Reinhard viel zu verdanken habe", sagte der Bayer. Es habe aber Probleme in der Saison gegeben. "Ich bin gespannt, wie die neue Struktur aussehen soll. Ich hoffe nur, dass nichts überstürzt wird", so Uhrmann.

Viele Varianten bei den Wechselspielen im DSV

Wie sich der DSV neu aufstellt, wird derzeit noch intern diskutiert. Möglich wäre, dass Heß als Sprung-Direktor der Verantwortliche für die Trainings-Methodik im gesamten deutschen Skispringen wird. Seinen Job als Bundestrainer könnte Wolfgang Steiert übernehmen, eventuell mit dem bisherigen Kombinierer-Trainer Peter Rohwein als Assistenten.

Dessen Platz bei den Kombinieren könnte der bisherige Perspektivkadertrainer Andreas Bauer einnehmen. Den Perspektivkader würde dann Henry Glaß führen, derzeit Co-Trainer bei Heß. Allerdings ist auch denkbar, dass Reinhard Heß ausscheidet. Ihm soll ein lukratives Angebot der ARD als Skisprung-Experte bei den TV-Übertragungen vorliegen.