Skispringen Schmitt feiert ein perfektes Wochenende
Sapporo - Für Überflieger Martin Schmitt gibt es offenbar keine Grenzen. Selbst der gefürchtete Okura-Wind auf der japanischen Insel Hokkaido konnte dem 21-Jährigen Weltmeister vom SC Furtwangen nichts anhaben. Trotz widriger Verhältnisse feierte der "König der Lüfte" aus dem Schwarzwald am Wochenende in Sapporo seinen dritten Doppelsieg dieses Winters und jagt nach dem achten Erfolg im 15. Weltcup-Wettbewerb der Saison in den folgenden zwölf Einzelspringen einen "Konstanz-Weltrekord".
Noch nie in der Geschichte des Weltcups konnte ein Springer mehr als zehn Wettkämpfe gewinnen, Schmitt im Vorjahr sowie Finnlands Legende Matti Nykänen und der Österreicher Andreas Goldberger (je 10) halten die Bestmarke. "Martin ist in einer Spitzenform. Ich traue ihm wirklich alles zu", sagte Bundestrainer Reinhard Heß, während Schmitt abwiegelte: "Ich strebe nicht nach Rekorden. Es ist nicht so einfach, immer zu gewinnen."
Am Samstag distanzierte Schmitt (238,8) mit Sprüngen von 125,5 und 118 Metern die Finnen Janne Ahonen (226,7/120,5 + 116) und Risto Jussilainen (223,2/122 + 114 m). Am Sonntag blieb der Schwarzwälder mit überzeugenden 277,2 Punkten (133,5 + 130,5 m) vor dem Finnen Jani Soininen (270,3/128 + 133 m) und dem Japaner Hiroya Saitoh (254,4/123,5 + 127 m). In der Gesamtwertung liegt er mit 1224 Punkten vor Tourneesieger Andreas Widhölzl aus Österreich (882) und Ahonen (786) und schraubte sein Preisgeld-Konto auf 225.000 Mark. Mit den Prämien aus dem DSV-Skipool summiert sich dies auf knapp eine Million Mark. "Warum ich so überlegen bin, weiss ich eigentlich auch nicht. Die anderen können ja auch springen", sagte Schmitt. Offenbar kann nicht einmal er selbst seine Dominanz begreifen.
Heß bezeichnete Schmitt als "derzeit besten Springer der Welt" und lobte seine Konzentrationsfähigkeit. "Es ist Wahnsinn, was Martin herausholen kann, wenn er sich mal ein wenig erholt hat. Er ist dann so stark, dass er auch mit nicht optimalen Sprüngen ganz vorne landen kann", erklärte der Thüringer. ARD-Experte Hans-Georg Aschenbach fand anerkennend: "Bei Martin stimmt einfach alles. Er ist der Perfektionist." Warum dies so ist, erläutert sein Heimtrainer Wolfgang Steiert: "Martin ist technisch so stabil, dass er bei allen Bedingungen zu Recht kommt."
Nach dem unbefriedigenden Mannschafts-Ergebnis am Samstag, als Sven Hannawald (Hinterzarten) nur auf den 15. Platz vor Alexander Herr (Schonach-Rohrhardsberg) gekommen war, sah der Bundestrainer am Sonntag nach dem mehrfach unterbrochenen Wettkampf wieder "Licht am Ende des Tunnels." Hannawald wurde Fünfter, Michael Uhrmann, nach dessen 131-Meter-Satz die Jury den Anlauf verkürzte, kam auf den elften Rang und Hansjörg Jäkle platzierte sich an 19. Stelle. "Endlich ging es einmal wieder weit hinunter. Ich hatte im ersten Durchgang bei 130 Metern wirklich ein gutes Gefühl, obwohl ich keinen Telemark machte. Sapporo gibt mir Selbstvertrauen, darauf werde ich aufbauen", sagte Hannawald, in der Weltcup-Gesamtwertung nun Achter.
Die Deutschen kamen offenbar mit den widrigen Verhältnissen durch böigen Wind und Schneefall gut zurecht und ließen sich auch durch die wegen eines Computer-Fehlers ausgefallenen Qualifikation nicht beirren. Alle 74 Springer wurden zum ersten Durchgang zugelassen, die Jury leistete Schwerarbeit, musste das Finale der besten 30 zwei Mal unterbrechen und den Anlauf um insgesamt sechs Luken verkürzen.