Spanien-Rundfahrt Ullrich rutscht ab
Tarragona - Ein vom Glück verlassener Jan Ullrich wartet bei der 55. Spanien-Rundfahrt weiter auf seinen ersten Tagessieg. Auch in seiner Parade-Disziplin, dem Zeitfahren, musste der diesjährige Tour-Zweite am Sonntag auf der 9. Etappe über 37,6 km in Tarragona nach einer Reifenpanne fünf Konkurrenten an sich vorbei lassen und verlor 1:01 Minuten auf den Tagessieger Abraham Olano.
Der 30-jährige Spanier (45:02 Minuten), ein Jahr vor Ullrich Weltmeister im Zeitfahren, war am Sonntag unantastbar. Olano nahm damit dem völlig enttäuschenden Alex Zülle (47:06 Minuten), der nur 15. wurde, das Goldene Trikot des Spitzenreiters ab. Der Schweizer hatte es seit dem Vuelta-Auftakt vor acht Tagen getragen. Der 26-jährige Telekom-Kapitän belegt weiter Rang vier im Gesamtklassement mit jetzt 1:05 Minuten Rückstand auf Olano, der auf dwen kommenden Pyrenäen-Etappen Farbe bekennen muss.
Aber auch ohne den Defekt nach 16 km, als sein Vorderreifen platzte, hätte Ullrich (46:02) gegen den überragenden Olano am Sonntag wahrscheinlich keine Chance gehabt. "Die Panne kostete mich etwa 30 Sekunden. Danach kam ich schwer wieder in den Rhythmus", sagte der Weltranglisten-Erste Ullrich, der entgegen seiner sonstigen Gewohnheit mit einem aerodynamischen Zeitfahrhelm gestartet war.
Telekom-Teamchef Walter Godefroot nahm das Ergebnis von Tarragona nicht tragisch. "Wenn man für die Panne 30 bis 45 Sekunden abzieht, hat Jan auf Olano nicht viel verloren. Ich rechne damit, dass der Spanier auf den schweren Bergetappen der nächsten Tage Minuten verlieren wird. Auf Zülle müssen wir viel mehr achten. Der hatte heute wahrscheinlich nur einen schwachen Tag und ist in den Bergen wieder stärker. Am Ende der nächsten Woche werden wir entscheiden, ob es für Jan noch Sinn hat, aufs Gesamtklassement zu fahren oder ob er auf einen Etappensieg ausgehen soll. Er hat auf jeden Fall vor, die Vuelta zu beenden und wird nicht vorzeitig nach Sydney fliegen", erklärte er.
Das Zeitfahren von Tarragona an der Mittelmeerküste war schon ein erster Test für das olympische Zeitfahren am 30. September, in dem Ullrich die Goldmedaille anpeilt. Zu seinen Hauptkonkurrenten dort dürfte wieder Toursieger Lanvce Armstrong (USA) zählen, der auf die Vuelta verzichtete.
Enttäuschend wie die Vorstellung von Zülle war am Sonntag auch der Auftritt des immer noch leicht angeschlagenen Andreas Klöden (Cottbus/Berlin), der 2:49 Minuten auf Olano verlor und sich längst von vagen Hoffnungen auf den Gesamtsieg verabschiedet hat.
Für Altmeister Reimund Dietzen, 1987 und 1988 zwei Mal Zweiter der Vuelta und seit 1989 nach einem schweren Sturz nicht mehr aktiv, ist nach dem Zeitfahren noch keine Vorentscheidung für den Vuelta-Gesamtsieg gefallen. "Die Etappen in der kommenden Woche in den Pyrenäen oder der Anstieg zum Angliru sind noch ganz harte Brocken. Da kann das Gesamtklassement noch völlig durcheinander gewirbelt werden", sagte der 41-Jährige.
Auf der 8. Etappe am Samstag über 168,5 km von Vinaros nach Port Aventura holte sich Giovanni Lombardi das Graue Trikot des Sprintbesten. Der Italiener aus dem Telekom-Team wurde am Grünen Tisch zum dritten Mal zum Etappenzweiten gemacht, weil sein Landsmann Bagio Conte, in Port Aventura eigentlich Zweiter hinter dem Tagessieger Alessando Petacchi (Italien), regelwidrig gesprintet war. Lombardi übernahm das Trikot nach dem Ausstieg des Weltmeisters Oscar Freire (Freitag), der sich in Ruhe auf das olympische Straßenrennen am 27. September vorbereiten will.