Spiel 4: Derek Jeter schockt die Mets - DER SPIEGEL
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Spiel 4 Derek Jeter schockt die Mets

Schon nach dem ersten Schlag im vierten Finalspiel der diesjährigen World Series stand fest, dass es nicht der Abend der New York Mets werden würde. Allerdings erlebten auch die Yankees nach ihrem Sieg eine herbe Überraschung.
Von Tobias Pox
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Der Meisterschaftsexpress der New Yorker "Subway Series" fährt nur noch eingleisig. Nach einem vorentscheidenden 3:2-Auswärtserfolg am Mittwochabend bei den Mets führen die Yankees die Finalserie der Major League Baseball mit 3:1 an und brauchen nur noch einen einzigen Sieg zum dritten Titelerfolg in Folge.

Nachdem die Mets-Anhänger nur 24 Stunden zuvor euphorisch den 4:2-Erfolg ihres Teams gefeiert hatten, wurde am Mittwoch jegliche Partystimmung in dem als Hexenkessel berüchtigten Shea Stadium im Keim erstickt. Gleich nach dem allerersten Pitch durch Mets-Werfer Bobby J. Jones schlug Derek Jeter von den Yankees den Ball zu einem Homerun in den New Yorker Nachhimmel. Die 55.290 Zuschauer waren zum Schweigen gebracht - und die Zeichen für das Spiel gesetzt.

"Hey, wir spielen im Shea Stadium, da willst Du die Fans so schnell wie möglich aus dem Spiel nehmen", erklärte Jeter nach dem Spiel die taktische Bedeutung seines Eröffnungscoups und fügte cool hinzu: "Ich bin dafür bekannt, dass ich immer schon den ersten Pitch verwerten will. Ich bekam einen günstigen Wurf serviert und habe ihn gut getroffen."

Das tat zwei Innings später auch Mike Piazza von den Mets. Allerdings konnte der 32-Jährige mit seinem Double-Homerun lediglich den mittlerweile auf 0:3 angewachsenen Rückstand seines Teams auf 2:3 verkürzen. Es sollte aber der letzte zählbare Erfolg des Abends bleiben, denn die Pitcher beider Mannschaften gaben sich keine weitere Blöße.

Die Hoffnungen der New York Mets auf die erste Meisterschaft seit 1986 sind damit in weite Ferne gerückt, wie deren Centerfielder Jay Payton unumwunden gesteht: "Wir müssen jetzt dreimal in Folge gewinnen, und das gegen die bärenstarken Yankees - eine härtere Aufgabe kann es nicht geben."

Schon am Donnerstag können die Yankees mit einem erneuten Sieg beim Lokalrivalen ihren Titelhattrick perfekt machen. Für die eventuelle Meisterschaftsfeier sollten die "Bronx Bombers" indes ganz spezielle Vorbereitungen treffen und neben kalt gestelltem Champagner vorsorglich auch Regenzeug bereithalten. Denn wegen eines Rohrbruchs überflutete nach Spiel vier die Umkleidekabine der Yankees. Und zwar so stark, dass Reserve-Pitcher Jeff Nelson sich "an den Niagara Fällen" wähnte.

Kurioserweise hatte der für seine unorthodoxen Führungsmethoden bekannte Yankee-Besitzer "Big George" Steinbrenner vor Beginn der Begegnung einmal mehr seinem Ruf alle Ehre gemacht, als er die für die Gastmannschaft vorgesehene Umkleidekabine des Shea Stadiums zu karg möbliert fand und kurzerhand die Möbel aus dem Yankee-Stadium heranschaffen ließ. Ob die Versicherung nun für den Wasserschaden aufkommt, bleibt dahingestellt.

Derweil brachte die im "Big Apple" für Aufsehen sorgende "Subway Series" der Fernsehstation FOX die befürchtet schlechten Einschaltquoten. Insgesamt wollten bisher nur durchschnittlich 12 Prozent die New Yorker "Stadtmeisterschaft" sehen. Damit liegen die Quoten 18 Prozent unter denen des Vorjahres und sind die schlechtesten in der Geschichte der Major League Baseball. Bereits in den ersten beiden Playoff-Runden waren die Einschaltquoten um 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.