Spitzengolfer Kaymer Der Star ist das Team
Kaymer (r.) und Caddie Donald: "Wir müssen viel reden"
Foto: Rob Carr/ AFPWenn am Donnerstag im Congressional Country Club die US Open beginnen (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), gehört Martin Kaymer zum Kreis der Favoriten. Wer sich im Ausland nach herausragenden Eigenschaften der Nummer drei der Golf-Welt erkundigt, begegnet wiederholt einer These: Kaymer hat keine Schwäche. Manche sagen sogar, dies sei seine größte Stärke. Auch wenn das der komplexen Erfolgsformel wohl nicht gerecht wird, so gehört Kaymer mit seinem Gefolge sicherlich zu den unanfälligsten Teams in der Weltspitze. Zudem ist sein Schwung konstant und seine besonnene Art verhindert Emotionskatastrophen.
Einer der wichtigsten Faktoren für Stabilität und Krisensicherheit des Erfolgssystems Kaymer ist jedoch sein Umfeld. Bei der Auswahl seiner engsten Mitarbeiter geht er den selben gewissenhaften Weg wie in der Arbeit am Schwung. Für Kaymer ist es selbstverständlich, Umfeld und Erfolg in einem direkten Verhältnis zu sehen. "Nur wenn der Kopf frei ist", das Team also das ständige Chaos um einen Weltklasse-Sportler abschirmt, "kann ich gutes Golf spielen", sagt er.
Man brauche Leute, die immer für einen da seien. Wer also für Martin Kaymer arbeiten will, muss sich nicht nur in seinem Fachgebiet als kompetent erwiesen haben, wichtiger ist dem 26-Jährigen eine Übereinstimmung der Ziele, zudem das gleiche Verständnis, sowohl für den Sport als auch für das Privatleben. Nicht ohne Grund verbindet Martin Kaymer mit seinen Teammitgliedern eine mehr oder wenige enge Freundschaft.
Die engsten Vertrauten des Weltranglisten-Dritten im Überblick:
Die Familie
"Sie spielt die größte Rolle", sagt Kaymer, in den zahlreichen Danksagungen im Jahr 2010 kam sie immer an erster Stelle. Besonders Bruder Philip, zu dem er ein exzellentes Verhältnis pflegt, hat den jüngeren Martin zu Beginn der Karriere sehr unterstützt. Als sich der Rookie auf der European Tour nach ein paar verpassten Cuts in der Fremde alleine fühlte, rief er zuhause an und den Bruder zu sich. Als Caddie und Gesprächspartner gab dieser dem Neuling etwas Sicherheit. Wenig später klappte es mit den Ergebnissen und Martin Kaymer benutzte das Wort "Wir", wenn er von seinen Erfolgen erzählte.
Sein Vater kümmerte sich zu dieser Zeit noch um das Geschäftliche, schützte seinen Sohn ein wenig vor der Öffentlichkeit. Ein vernünftiger Weg, wie sich herausstellen sollte. 2007 holte Martin Kaymer Johan Elliot als Manager ins Team, schon etwas früher hatte er Caddie Justin Grenfell-Hoyle engagiert. Bruder Philip, selbst ein sehr guter Golfer, konnte sich wieder um sein Jurastudium kümmern. Für eine Profikarriere sei er zu intelligent, sagt Martin Kaymer gern.
Philip bleibt der wichtigste persönliche Beistand in allen Lagen, wie zuletzt als Caddie beim Matchplay in Spanien und in Wentworth. Die gemeinsame Geburtstagsfeier für den Bruder in diesem April zuhause in Mettmann oder - wie unlängst im ZDF beschrieben - der Glückwunsch des Vaters beim Finalturnier des Race to Dubai 2010 ("Ich bin stolz auf Dich") sind Kaymer auch deswegen wichtiger als viele sportliche Erfolge.
Der Manager
Um die Beziehung zwischen Martin Kaymer und seinem schwedischen Manager Johan Elliot zu beschreiben, reicht ein Zitat des Golfers: "Ich könnte mir keinen besseren Manager oder Freund vorstellen. Es ist für mich eine Ehre, bei ihm unter Vertrag zu sein." Punkt. Wer den jugendlichen, einnehmenden Elliot auf Turnieren kennenlernt, kann nachvollziehen, wieso der sonst so zurückhaltende Kaymer plötzlich so große Worte wählt. Auch hier gilt die Devise des Deutschen: Sympathie als Grundvoraussetzung, Freundschaft inklusive.
Lange hatten Kaymer und seine Familie vor Jahren einen Manager gesucht. Nach vielen Monaten fiel die Wahl 2007 bewusst auf Elliot, der mit seiner (damals noch) eher kleinen Agentur die Schweden Robert Karlsson und Henrik Stenson betreute. Inzwischen gehören einige weitere Top-Stars wie Alvaro Quiros und Adam Scott dazu. Das Warten hat sich also für beide gelohnt.
Der Trainer
Abgesehen von der Familie verbindet Martin Kaymer mit seinem Trainer Günter Kessler die längste Zusammenarbeit. Seit 1997 vertraut der Golfer dem Trainer aus Neuss, auch das ein Beleg dafür, welche Art von sportlicher Beziehung Kaymer schätzt: Hat er sich einmal für einen Partner entschieden, wechselt er diesen nicht mehr so schnell. So ist Kaymer, sobald er in Deutschland ist, meist täglich bei Günter Kessler auf der Anlage des GC Hummelbachaue und trainiert. Drei Stunden schlägt er dann Bälle auf der Range, die Hälfte der Zeit feilt er gemeinsam mit Kessler am Schwung, Videos kommen dabei nicht zum Einsatz, der Coach vertraut dem, was er alle paar Wochen vor Ort in Neuss live sieht. Nur manchmal reist er zu Turnieren wie zuletzt zum Matchplay-Event in Spanien. Erfolg hat er mit dieser Methode. Anfang des Jahres wurde er zum fünften Mal in Folge zum PGA-Trainer des Jahres in Deutschland gewählt.
Die Strategin
Die Schwedin Fanny Sunneson ist eine eher unauffällige, aber dennoch sehr entscheidende Partnerin des Golfers. Bereits seit knapp zehn Jahren kennen sich Kaymer und Sunesson, die als Caddie für Nick Faldo gearbeitet hatte und nun bei Henrik Stenson die Tasche trägt. Als Trainerin bei der PGA of Germany erkannte sie früh das Potenzial des jungen Deutschen, der zwar vielleicht nicht mit dem Talent mancher Gleichaltriger gesegnet war, dafür aber den nötigen Biss habe, wie sie damals erkannte.
Die einzige Frau in Kaymers engem sportlichem Umfeld gab dem Deutschen nicht nur den entscheidenden Tipp bei dessen Suche nach seinem ersten Caddie auf der European Tour, sie hatte auch Johan Elliot schon früh von diesem aufstrebenden Golfer erzählt, der sich gerade einen Namen machte. Heute ist sie eine der wichtigsten Gesprächspartner, wenn es um sportliche Strategien und Entscheidungen geht. Ihre Erfahrung soll ihm helfen, entscheidende Momente vorher schon durchspielen zu können.
Auch während der Turniere ist sie mitunter ganz nah dran. Am Abend des Triumphs beim Race to Dubai Ende des vergangenen Jahres war sie im kleinen Kreis der Feiernden dabei. Bei der Players Championship im Mai aß sie vor dem Finaltag gemeinsam mit Kaymer und dessen Caddie zu Abend, am frühen Sonntagmorgen begleitete sie ihn auf der Runde.
Der Physiotherapeut
Physiotherapeut Rolf Klöttschen ist sportlich einer der engsten Bezugspersonen. Wie Kaymer Rheinländer, verstehen sich beide auch persönlich sehr gut. Während der Runde wird schon mal der eine oder andere lockere Spruch ausgetauscht. Bei sechs bis acht Turnieren im Jahr unterstützt Klöttschen die Nummer drei der Welt, ist also knapp 35 Tage im Jahr an Kaymers Seite. Auch der Physiotherapeut sagt: "Man muss sich sehr gut verstehen, sehr gut miteinander auskommen."
Seit 2006 arbeiten beide zusammen, direkt mit Kaymers Einstieg ins Profigeschäft. Und nicht immer hat Klöttschen, der auch für den DGV arbeitet und zudem in der Fußball-Bundesliga tätig war, so angenehme Partner: "Martin ist unglaublich an seiner Fitness interessiert. Er ist wissbegierig, saugt alles in sich auf. Die gleichen Maßstäbe, die er an seinen Schwung setzt, setzt er auch an seinen Körper, vom Training bis zur Ernährung."
Der Caddie
Der Neue im Team trägt einen großen Namen. Christian Donald, der große Bruder des Weltranglisten-Ersten Luke Donald, hat sich diesen Ruf jedoch auch selbst erarbeitet. Kaymer weiß, wen er da aus den 86 Bewerbungen herausgepickt hat. Menschlich verstehe man sich "sehr gut" - ein anderes erstes Einstellungskriterium hätte man bei Kaymer auch nicht erwartet. Die zweite gefragte Eigenschaft: Der Caddie solle "hungrig" nach Erfolg sein. Der Start direkt bei der US Open wird spannend. "Wir müssen viel reden und uns gegenseitig viel fragen", weiß Kaymer.
Die Erfahrung von acht Jahren mit dem Bruder und der Zeit mit Paul Casey sind die fachliche Auszeichnung, die ein Gelingen prognostizierbar machen. Kaymer braucht keinen Caddie, bei dem er mit Monologen die eigene Nervosität abladen kann. Vorgänger Craig Connolly musste sich erst daran gewöhnen. Der 39-jährige Donald, selbst ehemaliger Club Pro, hat sich im Vergleich zu seinem Bruder einmal als eher extrovertiert beschrieben. Doch er wisse, wann er die Klappe halten müsse. Sein Arbeitgeber wird auch das zu schätzen wissen.
Der Medienprofi
Seit dem vergangenen Jahr mit seinen großen Erfolgen kümmert sich die Agentur Ethos in Hamburg mit ihrem Geschäftsführer Dirk Schimmel um die Öffentlichkeitsarbeit Kaymers. Führte vorher fast jeder Weg über Johan Elliot, der seinen Schützling gut abschirmte, versucht Schimmel, dem immer größer werdenden Medienansturm gerecht zu werden und den Publikationen im In- und Ausland ein Stück des Sportler Kaymer präsentieren zu können.