Sportrechtehandel: Teure Kanalarbeiten - DER SPIEGEL
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Sportrechtehandel Teure Kanalarbeiten

Fußball-Rechte im TV sind eine teure Angelegenheit, noch immer schreibt der Bezahlsender Sky mit seinem Sportangebot rote Zahlen. Warum ein eigener Bundesliga-Sender für die Deutsche Fußball-Liga aber nicht die Lösung sein kann, erklärt das Magazin "SPONSORS" im letzten Teil der Sportrechte-Serie.
Von Lukas Stelmaszyk
Kamera am Spielfeldrand: 40.000 Stunden Archivmaterial digitalisiert
Kamera am Spielfeldrand: 40.000 Stunden Archivmaterial digitalisiert

Kamera am Spielfeldrand: 40.000 Stunden Archivmaterial digitalisiert

Foto: A3750 Andreas Gebert/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lesen Sie im ersten Teil, warum der Fußball als Fernsehsportart alles andere dominiert und im zweiten Teil, warum es Randsportarten so schwer haben, TV-Zeiten zu bekommen.

Vielen Randsportarten ist es in der jüngeren Vergangenheit nicht sonderlich gut gelungen, sich für das Fernsehen interessant zu machen. So hat sich das ZDF von einer umfangreichen Live-Berichterstattung vom Turnen und Triathlon bereits nach einem Jahr wieder verabschiedet. Nach den sportlichen Erfolgen bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking hatte der öffentlich-rechtliche Sender auf diese Sportarten gesetzt - ohne Erfolg. "Einen Aufschwung bei den Zuschauern hat es nicht gegeben", sagt ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. Dass neben dem Fußball gewisse Sportarten aber laut ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky eben doch ein "wichtiger Treiber" sind und es demnach sinnvoll ist, selektiv in Sportrechte zu investieren, belegt die detaillierte Betrachtung der Reichweite und des Marktanteils von Sportinhalten im Verhältnis zum Gesamtprogramm.

Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen Sat.1 und RTL. Der Kölner Privatsender steigert mit seinen vornehmlich am Wochenende übertragenen Sportformaten Boxen (Samstagabend) und Formel 1 (meist Sonntagmittag) seinen Marktanteil massiv von 13,1 auf 22,4 Prozent. Bei Sat.1, wo der Sport im Jahr 2009 mit den Fußball-Highlights Champions und Europa League ausschließlich unter der Woche im Programm war, ist im Vergleich zum Gesamtprogramm vor allen Dingen die Reichweite stark gestiegen.

Ungleicher Kampf um Rechte

Einen schweren Stand hat derzeit die Constantin-Medien-Tochter Sport1. Für das Geschäftsjahr 2010 wird für den Gesamtkonzern weiterhin Verlust erwartet. Neben den notwendigen Sparmaßnahmen leidet der Spartensender insbesondere unter der Konkurrenz von Eurosport. Die paneuropäische Sendergruppe erwirbt rund 25 Prozent der Rechte für ihre insgesamt 59 Märkte über die EBU. Eine kolportierte Summe von 350 Millionen Euro soll von Eurosport pro Jahr in den Kauf von Sportrechten investiert werden.

Von diesen Ausgaben profitiert auch die deutsche Sparte erheblich. Auch wenn der Vergleich ein wenig hinkt: Sport1 hat dem Vernehmen nach nicht einmal zehn Prozent dieser Summe für den Rechteeinkauf zur Verfügung. Dennoch erzielt der Sender mit der MotoGP, der Handball-Bundesliga oder jüngst mit der Eishockey-WM Marktanteile über den senderüblichen Werten von rund einem Prozent.

Insgesamt ist klar: Die Öffentlich-Rechtlichen sind aufgrund ihrer immensen finanziellen Mittel auch beim Einkauf von TV-Sportrechten das Maß aller Dinge. Das Jahr 2010 mit den Übertragungen der Olympischen Winterspiele aus Vancouver und der Fußball-WM aus Südafrika hat dies eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Sportarten der zweiten und dritten Ebene werden dagegen zu großen Teilen in der Bedeutungslosigkeit versinken oder ganz von der Bildfläche verschwinden.

Forderung nach DFL-TV seit 1996

Ein ähnliches Schicksal wird der Fußball-Bundesliga erspart bleiben. Doch was, wenn Rupert Murdoch Sky kein Geld mehr zuschießen würde und der Bezahlsender zumindest als Programmanbieter nicht mehr existenzfähig wäre? Eine mögliche Lösung: ein eigener Bundesliga-Sender. Dieser Vorschlag ist nicht gerade neu. Uli Hoeneß und Michael Meier machten ihn bereits 1996. Seither wird die Forderung immer dann aus dem Hinterstübchen gekramt, wenn es bei den TV-Einnahmen nicht so läuft wie gewünscht.

Die Meinungen, ob ein solches Szenario erfolgversprechend wäre, gehen extrem auseinander. Theoretisch und technisch sind die Grundlagen vorhanden. Die DFL hat einen Fernsehsender beantragt, der rund um die Uhr bespielt werden könnte. Derzeit werden rund 40.000 Stunden Archivmaterial digitalisiert. Programminhalte für die Zeit zwischen den Spielen ist also vorhanden. Im Anschluss müsste die DFL die einzelnen Anbieter angehen, von den Kabelnetzbetreibern bis hin zu Sky und der Telekom. Die DFL würde dann keine Rechte mehr verkaufen, sondern nur noch ihren Sender als Produkt anbieten.

So weit die Theorie. Doch es stellen sich viele Fragen: Besteht überhaupt ein Interesse bei den Kabelnetzbetreibern wie zum Beispiel Kabel Deutschland, die sich im Falle von Unitymedia und Arena im Jahr 2005 klar gegen ein solches Konstrukt entschieden hatten? Wie viel zahlt der Einzelne, wenn er die Rechte nicht mehr exklusiv hat? Wie viele Interessenten gibt es für einen solchen Kanal? Wer geht bei der Produktion in Vorleistung? Die Clubs, die ständig am Rande der Insolvenz agieren? Und was kostet ein DFL-Sender? Allein die Kosten für Infrastruktur, Vermarktung, Technik und Produktion werden für drei Jahre auf 400 Millionen Euro geschätzt.

Doch damit nicht genug: Auch die von Sky aufgebrachten Lizenzkosten von 250 Millionen Euro jährlich würden zunächst einmal wegfallen. Rechnet man auch die aktuellen Erlöse durch die Vergabe der IPTV- und Mobil-Rechte an die Telekom in Höhe von 20 Millionen Euro im Jahr hinzu, ergibt sich auf drei Jahre gerechnet eine Gesamtinvestition von 1,21 Milliarden Euro - 403,3 Millionen Euro pro Spielzeit.

Murdoch zieht Reißleine in China

Schwierige Ausgangsbedingungen. Fakt ist aber auch, dass kaum jemand daran glaubt, dass Sky als reiner Bezahlsender, der fast komplett auf Abo-Gebühren angewiesen ist, in Deutschland jemals Erfolg haben wird.

In China hat Rupert Murdoch jüngst nach jahrelangen Schwierigkeiten sein Engagement drastisch reduziert. Die Situation ist mit der in Deutschland nur schwer zu vergleichen. In China störten Murdoch die unzähligen Beschränkungen durch die chinesische Regierung. Doch Murdochs Schritt zeigt, dass der amerikanisch-australische Medienmogul nicht gewillt ist, unendlich lange in Projekte zu investieren, die keine Aussicht auf Erfolg haben.

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