"Sportstudio"-Legende Norbert Grupe ist tot
Mexiko-Stadt/Hamburg - Grupe erlag einem Krebsleiden. Der 1940 in Berlin geborene Sohn eines Bäckers lebte zuletzt in Los Angeles, wo er vergeblich versucht hatte, sich ich in der Filmbranche durchzusetzen. Eine Ausnahme war 1964 "Morituri" von Bernhard Wicki an der Seite von Marlon Brando und Yul Brunner. Der Berliner Filmemacher Gerd Kroske brachte zum Jahreswechsel 1999/2000 den preisgekrönten Dokumentarfilm "Der Boxprinz" in die Kinos, ein Streifen über das Leben und die Karriere von Norbert Grupe.
Legendär ist bis heute sein Auftritt am 21. Juni 1969 im "Sportstudio" , als der Schwergewichts-Boxer von Rainer Günzler befragt wurde. Das Interview bestand allerdings nur aus den sechs Fragen des Reporters - Grupe sagte kein Wort. Höhepunkt war daher der Schluss-Satz Günzlers, der nach eigener Aussage jederzeit mit einem Wutausbruch oder gar einer Tätlichkeit des Faustkämpfers gerechnet hatte: "Herr Grupe, ich danke ihnen für dieses Gespräch."
Grupe trat in den 50er Jahren mit seinem Vater als Verkörperung der "hässlichen Deutschen" in Wrestling-Shows auf. 1962 wechselte er vom Catchen zum Profiboxen. In 47 Kämpfen verließ er den Ring immerhin 30 Mal als Sieger, auch wenn er keinen Titel dabei errang. Als Motto seiner teilweise bizarren Auftritte nannte er: "Alles ist vergänglich - außer lebenslänglich." Am 19. November 1966 bestritt er in seiner Heimatstadt Berlin einen Titelkampf gegen den italienischen Europameister im Halbschwergewicht, Pierro del Papa. In der elften Runde wurde der Deutsche wegen eines Kopfstoßes disqualifiziert.
Auch im Leben kam der Hüne oft mit den Gesetzen in Konflikt. Das Hamburger Landgericht verurteilte ihn 1985 wegen Körperverletzung und Beihilfe zur Förderung der Prostitution zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis. Insgesamt verbrachte Norbert Grupe fünf Jahre hinter Gittern.