Springreiter: Gold verpatzt, Bronze gerettet - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Springreiter Gold verpatzt, Bronze gerettet

Ausgerechnet der Weltranglistenerste Marcus Ehning musste aufgeben, sonst hätte das deutsche Team auch Chancen auf den ersten Platz gehabt. Ein umstrittener Oldie ritt dagegen fehlerfrei.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Aachen - In der Endabrechnung lagen Ludger Beerbaum, Christian Ahlmann, Meredith Michaels-Beerbaum und Marcus Ehning mit 19,16 Fehlerpunkten nur 0,01 Punkte vor der Ukraine. An den neuen Weltmeister Niederlande (11,01) und die zweitplatzierte USA (18,85) kam die deutsche Equipe trotz der Unterstützung durch 45.000 begeisterte Zuschauer nicht mehr heran.

Das favorisierte deutsche Quartett, der Mannschaftssieger von 1994 und 1998, war nach den Prüfungen an den beiden Vortagen auf dem vierten Rang liegend in das Finale gegangen. "Wir waren dem vierten Platz aber sehr viel näher als dem ersten. Wir müssen zufrieden sein", sagte Beerbaum. "Wir sind glücklich mit der Bronzemedaille", meinte auch Bundestrainer Kurt Gravemeier.

Mit einem Nullfehlerritt hatte der 43-jährige Beerbaum im zweiten Umlauf auf seinem zehn Jahre alten Wallach L'Espoir eine gute Basis gelegt. Er bestätigte damit seine umstrittene Nominierung. "Ich bin superhappy und positiv überrascht über die Konstanz, die L'Espoir in den bisherigen drei Runden an den Tag legte. Was er zeigt, ist vom Allerfeinsten", meinte der erfolgreichste Springreiter der vergangenen zwei Jahrzehnte.

Dann zeigte Ahlmann auf Cöster seinen bisher besten Ritt bei der WM. Doch am letzten Hindernis fiel eine Stange. "Es ist einfach scheiße, dass ich hier nicht null gehen kann", schimpfte er nach seinem Missgeschick. Schon an den beiden Vortagen war er nicht fehlerfrei geblieben. Doch die gebürtige Amerikanerin Meredith Michaels-Beerbaum hielt mit ihrem fehlerfreien Ritt auf Shutterfly die deutschen Gold-Hoffnungen weiter am Leben.

Ausgerechnet der Weltranglisten-Führende Ehning aber ließ dann die Titel-Träume platzen. Seine neun Jahre alte Stute patzte vor einem Steilsprung. Der Springreiter aus Borken gab auf. "Meine drei Kollegen vor mir haben zum Glück gut vorgelegt", meinte er.

Die Mannschaft der Niederlande war allerdings zu überlegen. Gerco Schröder mit Berlin, Albert Zoer mit Okidoki, Jeroen Dubbeldam mit Up and Down und Piet Raymakers mit Van Schijndel's Curtis ritten souverän zur ersten WM-Medaille seit 1978. Auch die Vereinigten Staaten waren nicht einzuholen für die Equipe der Gastgeber. Die ehemalige deutsche Meisterin Katharina Offel, die für die Ukraine startet, leistete sich einen Fehlerpunkt wegen Zeitüberschreitung und überließ ihren alten Teamkollegen damit Bronze.

Nach seiner tadellosen Leistung darf Beerbaum weiter vom ersten Einzel-Gold bei einer Weltmeisterschaft träumen. Vor den beiden ersten Umläufen morgen liegt der ehemalige Weltranglisten-Erste auf Rang drei. Er kann sich damit aus eigener Kraft für das Finale der besten Vier am Sonntag qualifizieren. Auch seine Schwägerin Meredith Michaels-Beerbaum darf sich als Sechste noch gute Chancen ausrechnen. Dagegen ist für Ahlmann und Ehning die WM beendet.

kai/dpa

Mehr lesen über