Springstein-Prozess "Gewinnen! Gewinnen! Gewinnen!"
Magdeburg - Peter-Michael Diestel und Johann Schwenn erreichten, dass der Rechtsbeistand von Hauptbelastungszeugin Anne-Kathrin Elbe überraschend in den Zeugenstand gerufen wurde. Joachim Strauss musste vor dem Amtsgericht Magdeburg in seiner Funktion als Leichtathletik-Abteilungsleiter und Justiziar von Bayer 04 Leverkusen aussagen. Für diesen Verein startet die ehemalige Magdeburger Sprinterin seit der Saison 2004.
Gegen Springstein wird seit August 2004 ermittelt. Ausschlaggebend dafür war Elbes Aussage gegenüber Thomas Kremer, Bundestrainer beim Deutschen Leichtathletik-Verband, von ihrem damaligen Magdeburger Heimcoach Springstein im Frühjahr 2003 Pillen mit einem verbotenen Wirkstoff erhalten zu haben. Es soll sich hierbei um zwei Tabletten mit der Substanz Testosteron-Undecanoat handeln. Diese Pillen will Elbe nicht eingenommen haben.
Springstein ist angeklagt, Arzneimittel zu Dopingzwecken im Sport an Personen unter 18 Jahren abgegeben zu haben, wie es in der Anklageschrift steht. Elbe war im Jahr 2003 deutsche B-Jugendmeisterin im 100-Meter-Lauf geworden.
Außerdem muss sich Springstein in diesem Prozess zu fünf Injektionen äußern, die er seiner ehemaligen Athletin Eileen Müller zur Therapie einer Sehnenverletzung verabreicht haben soll. Injektionen dürfen in Deutschland nur Menschen verabreichen, die einen Heilberuf erlernt haben. Zudem sollen bei einer Hausdurchsuchung bei Springstein im September 2004 verschiedene Wachstumspräparate sowie Vergabezyklen für Dopingmittel gefunden worden sein. Der Trainer behauptet, diese Mittel zum Eigenbedarf besessen zu haben.
Springstein schweigt
Springstein verweigerte am ersten Prozesstag jede Aussage. Stattdessen ließ er seine Anwälte sprechen. Doch die kamen erst einmal zwanzig Minuten zu spät zur Verhandlung, angeblich wegen der Unkenntnis der geänderten Magdeburger Verkehrsführung.
Im Verhandlungssaal führten Diestel und Schwenn dann aber das große Wort. Diestel, der letzte Innenminister der DDR, sprach von einer typischen Sportintrige und einem Ost-West-Konflikt, da ja Leverkusen im Westen liege. "Elbes Wechsel nach Leverkusen ist auffällig. Es geht darum, die Motive dafür zu klären, denn sie sind auch die Motive für die Strafanzeige", sagte Schwenn. Allerdings betonte Abteilungsleiter Strauss, dass Elbe bei Bayer 04 lediglich 400 Euro im Monat als Aufwandsentschädigung bekomme.
Schwenn warf Strauss vor, die Aussage mit Elbe eingeübt zu haben. In seiner Vernehmung musste der hauptberufliche Bayer-Justiziar zugeben, dass er der jungen Sprinterin am Sonntag die Protokolle von zwei Vernehmungen durch Polizei und Staatsanwaltschaft zur "Erinnerungsauffrischung" gezeigt habe, was Springsteins Verteidigung als unerlaubt einstufte.
Diestel und Schwenn behaupteten schon vor dem Prozess, dass es hier nur darum gehe, Springsteins Magdeburger Sprintschule und damit auch seine Existenz zu zerstören. In der Aussage von Elbe gebe es "irrsinnig viele Widersprüche", sagte Diestel. Auf die Frage, was er von diesem Prozess erwarte, antwortete der Jurist: "Gewinnen! Gewinnen! Gewinnen." Der 47-jährige Springstein war 2002 deutscher Leichtathletik-Trainer des Jahres, bei einer Verurteilung droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe. Der Prozess wird am 16. Januar fortgesetzt, das Ende ist für den 31. März terminiert.