Sprinter Zabel: Das Ende der Einsamkeit - DER SPIEGEL
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Sprinter Zabel Das Ende der Einsamkeit

In der Wüste Katars genießt Erik Zabel derzeit die Vorzüge seines neuen Milram-Teams. Endlich hat er eine Mannschaft um sich, die sich nur für die Belange des Sprinters einsetzt. Allerdings muss er diese Vorzüge mit einem italienischen Konkurrenten teilen.
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An den Anblick wird man sich erst gewöhnen müssen: Erik Zabel im Milram-Trikot, das so blau ist wie der Himmel über Katar. In der Wüste Arabiens bereitet sich der deutsche Topsprinter auf seine Straßensaison 2006 vor. Mit neuen Helfern. Nicht mehr sein alter T-Mobile-Weggefährte Rolf Aldag bietet Zabel Windschatten, sondern der eher schmale Oberkörper von Enrico Poitschke. Der 36-Jährige darf in seinem Rennfahrer-Herbst noch einmal ins Rampenlicht fahren, indem er den ein Jahr jüngeren Kapitän aus gefährlichen Situationen heraushält und ihn nach Materialschäden oder Pinkelpausen wieder zurück ins Feld führt.

Eine komplette Mannschaft ist bei dieser Katar-Rundfahrt (30. Januar bis 3. Februar) ganz allein für Zabel im Einsatz. Dazu gehören Tempobolzer, die jede Lücke zufahren können wie der Holländer Maarten den Bakker, Ralf Grabsch und Christian Knees, schnelle Männer für den letzten Kilometer wie Björn Schröder und Sebastian Siedler. Zabel muss sich nicht mehr allein durchschlagen, wie in seinen letzten beiden Jahren bei T-Mobile.

Dass das neue Milram-Team in Katar vor allem aus deutschen Rennfahrern besteht, sei kein Hinweis auf Fraktionsbildung in der von Italienern gemanagten Equipe, betont Jan Schaffrath, langjähriger Teamkollege Zabels bei Telekom und jetzt einer der Sportlichen Leiter bei Milram: "Im Trainingslager in der Toskana ist die Mannschaft zusammengewachsen. Die italienischen Fahrer und Betreuer haben etwas Deutsch gelernt, die Deutschen Italienisch. Wir haben Deutsche und Italiener gemeinsam aufs Zimmer gelegt. Da haben sie sich abends noch mit Hilfe des Wörterbuchs unterhalten. Das ist effektiver als mancher Sprachunterricht."

Nur bei Zabel und Alessandro Petacchi, dem italienischen Sprinterstar im Team, gab es eine Ausnahme. Petacchi wohnte mit seinem Anfahrer Marco Velo zusammen, Zabel mit Poitschke. Nach außen signalisieren Petacchi und Zabel Respekt voreinander und den Willen zur Kooperation. "Erik ist so schlau, ich kann viel von ihm lernen", lässt Petacchi höflich verlauten. "Wir schulden dem Sponsor Kompromissfähigkeit", konstatiert Zabel. "Ich habe lange mit beiden Fahrern geredet. Hätten sie sich nicht auf dieses Modell einlassen können, hätte es den Rennstall so nicht gegeben", stellt Team-Manager Gianluigi Stanga klar.

Das Modell Doppelspitze wird zum ersten Mal beim italienischen Klassiker Tirreno-Adriatico (8. bis 14. März) und wenig später bei Zabels Lieblingsrennen Mailand - San Remo (18. März) getestet. Vier Mal gewann hier der deutsche Ausnahmesprinter - doch in diesem Jahr reist Petacchi als Titelverteidiger an. Für wen deswegen diesmal angefahren werde, entscheide sich nach Tagesform und Rennsituation, sagt Schaffrath und formuliert die Zielvorgaben für Milram 2006: Etappensiege beim Giro d'Italia und Angriff auf das Grüne Trikot der Tour de France, "verbunden mit einem Tageserfolg". Dies deutet darauf hin, dass die Italien-Rundfahrt im Zeichen Petacchis und die "Große Schleife" im Zeichen Zabels stehen dürfte. Petacchi sagt, dass die Mannschaft so zusammen gestellt werde, "dass sich den verschiedenen gemäß anpassen wird".

Andere Trainingsanreize setzen

Für Zabel könnte sich diese Konstellation als Erfolgsformel erweisen. Endlich hat er eine Mannschaft, die ausschließlich auf die Belange von Sprintern ausgerichtet ist. Entsprechend hat sich Zabel in diesem Winter vorbereitet. Der zuletzt zum Allrounder mutierte Zabel investierte im Winter mit den Teilnahmen an den Sechstage-Rennen in München, Dortmund und Bremen (ein Sieg, zwei zweite Plätze) in seine Grundschnelligkeit. "Wir wollten andere Trainingsanreize setzen, um noch ein Quäntchen mehr herauszuholen. Durch die verschiedenen Disziplinen wie Rundenrekord, Ausscheidungsrennen und Punktefahren verbessert man Schnelligkeit und Spritzigkeit", erläutert Schaffrath. Allerdings fehle es seinem Sprintstar nach den Fahrten auf den Winterbahnen noch etwas an Kraft, um sich gegen den Wind in Katar zu stemmen.

Die italienische Trainingsmentalität ist ebenfalls sprinterfreundlich. Italiener lieben es kürzer, aber intensiver, während deutsche Rennfahrer traditionell längere Strecken zurücklegen. Die italienischen Fahrer hätten im Trainingslager in der Toskana immer wieder überraschende Zwischensprints initiiert, erzählt Schaffrath. "Da wird spontan die nächste Wegmarkierung als Ziel ausgemacht und los geht es." Wie es im Trainingsduell Zabel-Petacchi steht, will er allerdings nicht verraten.

Mit der Katar-Rundfahrt steht nun eine Spezialität für Sprinter auf dem Programm. Eröffnet wurde diese Tour vom Großen Preis von Doha am 27. Januar über 108 Kilometer. Der Belgier Tom Boonen gewann diesen Aufgalopp vor dem Phonak-Fahrer Robert Hunter - Zabel wurde Dritter.

An diesem Montag beginnt die eigentliche Rundfahrt. Die 725 Kilometer, die an fünf Tagen in einem Zickzackkurs über die nur 11.437 Quadratkilometer große Halbinsel am Persischen Golf führen, sind so flach wie eine Autobahn in der Norddeutschen Tiefebene. Der Belag ist aber meistens besser. Die Temperaturen liegen bei 24 Grad. Nur der Kantenwind, der meist vom Meer herüber weht, stört.

Als fleißigste Testfahrer im Sprinterparadies präsentierten sich bislang jedoch die blau-weißen Männer von Quick Step. Die Equipe um Boonen dominierte in Doha am Freitag. "Die Jungs haben schwer gearbeitet. Aber es war ein gutes Training. Es hat sich gezeigt, dass die neuen Fahrer harmonieren", sagte der belgische Tagessieger.

Nicht weniger Lob dürfte er nach der Auftaktetappe an diesem Montag vergeben haben, denn nach den 131,5 Kilometern von Doha nach Al Khor Corniche siegte abermals Boonen - diesmal aber vor Zabel und Hunter. Zabel musste auf den letzten Kilometern ohne Helfer auskommen, aber das war offenbar kein Problem für ihn. "Wir haben eine junge Mannschaft. Viele müssen erst noch Pro-Tour-Erfahrung sammeln. Die Trainer und auch ich als Kapitän werden ihnen dabei helfen."

Die nächsten vier Tage können sich Zabel und Milram nun im gut dotierten Rennen unter der Wüstensonne (1.628 Euro Preisgeld gibt es pro Etappensieg, Unterkunft im 7-Sterne-Hotel) mit Quick Step (und Phonak) messen. Danach lässt sich schon auf die Saison vorausschauen; ein Tom Boonen wird in den kommenden Monaten sicher nicht schlechter.

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