St. Moritz: Abfahrt in die Pleite - DER SPIEGEL
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St. Moritz Abfahrt in die Pleite

Kein gutes Wochenende für die deutschen Skifahrererinnen. Martina Ertl & Co. rutschen bei den Abfahrten in St. Moritz aus.
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St. Moritz - "Diese zwei Tage waren extrem bitter für unsere Elite", klagte Cheftrainer Wolfgang Maier und gestand seinen Frust über den doppelten Triumph der Österreicherinnen durch Renate Götschl und Brigitte Obermoser offen ein: "Wenn wie am Samstag fünf Ösis unter den ersten Sechs landen, fühlt man sich schon als Depp. So viel besser fahren die auch nicht Ski."

Ein schwarzes Wochenende erlebte vor allem Martina Ertl, die sich auf der WM-Strecke von 2003 mit den Plätzen 48 und 33 begnügen musste. "Ich hätte die Zeit besser nutzen können und stattdessen Riesenslalom und Slalom trainieren sollen", maulte die 27-jährige Lenggrieserin im Ziel. "Jetzt war ich eine Woche auf der Abfahrt, und rausgekommen ist nix."

"An den Weltcup denke ich nicht"

Immerhin behauptete Ertl gerade noch die Spitze im Gesamt-Weltcup, was ihr allerdings ziemlich egal war: "An den Weltcup denke ich nicht, mir wäre lieber, ich wäre hier besser gefahren." Mit 560 Punkten führt sie nach 13 Saisonrennen nur noch knapp vor der Französin Regine Cavagnoud (509) sowie den beiden Österreicherinnen Michaela Dorfmeister (478) und Renate Götschl (439).

Der große Sieger von St. Moritz aber hieß Österreich. Weltmeisterin Renate Götschl gewann am Sonntag die zweite Abfahrt in 1:36,49 Minuten knapp vor der Italienerin Isolde Kostner (1:36,59) und Regine Cavagnoud (1:37,13) und bescherte der Alpenrepublik den 500. Weltcupsieg. "Super, das ist eine schöne Zahl", freute sich Götschl.

Am Samstag landeten gleich fünf Austria-Damen unter den ersten Sechs. Hinter Brigitte Obermoser, die erstmals eine Abfahrt gewann, musste sich Götschl mit Platz zwei zufrieden geben, Dritte wurde überraschend die Kanadierin Emily Brydon mit der hohen Nummer 44. Dahinter kamen Michaela Dorfmeister, Alexandra Meissnitzer und Tanja Schneider ins Ziel.

Statistenrolle für deutsche Damen

Den erfolgsverwöhnten deutschen Damen blieb zweimal nur die Statistenrolle. Petra Haltmayr (Rettenberg), vor zwei Wochen in Lake Louise noch umjubelte Überraschungssiegerin, belegte die Plätze 19 und 15, Sybille Brauner (Aising-Pang) die Ränge 32 und 21. Allein Isabelle Huber (Ruhpolding) durfte zufrieden sein.

Die 19-jährige Nachwuchsfahrerin aus Ruhpolding nutzte am Samstag die Gunst der Stunde, fuhr auf der schneller werdenden Piste mit Nummer 54 auf den zehnten Platz und war im vierten Weltcuprennen ihrer Karriere sogleich beste Deutsche. "Einfach geil, so macht's Spaß", freute sich Huber, deren zwei Jahre ältere Schwester Marina ebenfalls im Weltcup fährt. "Ich habe gewusst, dass ich heute eine große Chance habe. Deshalb war ich am Start brutal nervös. Gott sei Dank haben mich die Trainer noch beruhigt."

"Die führt wie eine Große"

Am Sonntag musste sich der Teenager mit den kastanienrot gefärbten Haaren zwar mit Platz 35 begnügen, dennoch bewies sie in St. Moritz ihr Talent. "Ich habe schon in Lake Louise gedacht, die führt wie eine Große, das kann eine werden", lobte Wolfgang Maier die C-Kader-Läuferin. Auch in Lake Louise war Huber mit Nummer 58 schon auf Platz 16 gefahren, anschließend allerdings wegen einer regelwidrigen Schuhsohle disqualifiziert worden.

"Das war schon eine halbe Stunde später vergessen. So ein Missgeschick kann immer passieren", erzählte die deutsche Jugendmeisterin (Slalom) nach ihrem Überraschungscoup in St. Moritz und grinste über beide Ohren: "Jetzt passt der Schuh auf den Millimeter." Sie hat die Zukunft noch vor sich. Isabelle Huber war die einzige Deutsche, die das schöne Engadin lachend verließ.