Stabhochspringer Holzdeppe: Der Abschied vom Wunderkind - DER SPIEGEL
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Leichtathletik Holzdeppe: Hoch hinaus

Foto: Christophe Karaba/ dpa

Medaillenhoffnung Holzdeppe Hoch hinaus nach schwachen Jahren

Stabhochspringer Raphael Holzdeppe war 2008 die große Nachwuchshoffnung der deutschen Leichtathletik - dann kam der Einbruch. Erst im vergangenen Jahr fand er mit neuer Taktik zu alter Stärke. Bei der WM in Moskau gilt er nun als Medaillenkandidat.
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Als er den bis dahin größten Erfolg seiner Karriere gefeiert hatte, sagte der Stabhochspringer Raphael Holzdeppe: "Ich hör auf." Mit 22 Jahren, als Olympiadritter von London. Kurz zuvor hatte sein Mannschaftskollege Björn Otto, Silbermedaillengewinner und zwölf Jahre älter als Holzdeppe, gesagt, dass er noch nicht genau wisse, ob er seine Karriere fortsetzen werde.

Ihm, dem heute 35-Jährigen, mochte man das zugestehen. Aber Holzdeppe? Diesem wohl größten Talent unter den deutschen Stabhochspringern?

Kurz genoss Holzdeppe die Verwunderung, dann gab er Entwarnung: Nur ein Witz, die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 seien sein Ziel, zuvor noch die Weltmeisterschaft in Russland. Das war beinahe auf den Tag genau vor einem Jahr, an diesem Montag (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) springen Holzdeppe, Otto und der dritte Deutsche, Malte Mohr, im Finale von Moskau um WM-Medaillen. Die Chancen stehen gut.

Hochspringer in Bestenliste auf Plätzen zwei bis vier

Schon die Olympischen Spiele hatten eine Ahnung hinterlassen, dass in der deutschen Leichtathletik etwas reift nach all den enttäuschenden Jahren, etwas Frisches und zugleich Beständiges. Diese Saison, an deren Höhepunkt nun die Wettkämpfe von Moskau stehen, lässt sich als eine erste Bestätigung dieser Verheißung verstehen - auch dank der Hochspringer. Holzdeppe, Otto und Mohr belegen in der Weltjahresbestenliste die Plätze zwei bis vier, nur der Franzose Renaud Lavillenie, einziger Sechs-Meter-Springer dieses Jahres, steht noch immer einsam an der Spitze.

Doch auch er bekam in diesem Jahr bereits zu spüren, dass Platz eins für ihn nicht mehr obligatorisch ist: In Rom wurde er Zweiter, hinter Raphael Holzdeppe, der mit 5,91 Metern persönliche Bestleistung sprang. "Das war ein überragendes Gefühl", sagt Holzdeppe. "Ich bin nun die Nummer eins in Deutschland, die Nummer zwei der Welt." Holzdeppe weiß um seine eigenen Fähigkeiten und auch um seine Chancen: "Klar will ich gut abschneiden, jeder träumt davon, Weltmeister zu werden. Aber wenn es so läuft wie bisher, ist wirklich alles drin", sagt er.

Doch Holzdeppe weiß auch, dass Erfolge in seiner Sportart von unzähligen Faktoren abhängen, und nur wenn sie zusammenspielen, kann aus einem guten ein sehr guter Sprung werden. "Der perfekte Sprung ist unmöglich", sagte Björn Otto vor kurzem dem SPIEGEL.

Das erfuhr Holzdeppe schmerzlich am eigenen Körper. 2008, mit gerade mal 18 Jahren reiste er für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) zum ersten Mal zu Olympischen Spielen. In Peking wurde der Juniorenweltmeister und -weltrekordler Achter, er galt fortan als Hoffnungsträger der gebeutelten deutschen Leichtathletik. Doch schon im Jahr darauf gelang es Holzdeppe nicht, sich für die WM in Berlin zu qualifizieren, später nannte er Verletzungen, Abitur, zu hohe Erwartungen und falsches Training als Ursachen.

"Jetzt zeigen sich die Ergebnisse"

Es dauerte bis zur Wintersaison 2012, ehe Holzdeppe an so vielen Stellschrauben gedreht hatte, dass seine Sprünge wieder konstant für die Weltspitze reichten. "Ich habe damals meinen Trainer gewechselt, bin umgezogen. Die ganzen Umstellungen haben etwas Zeit gebraucht", sagt er. "Aber jetzt zeigen sich die Ergebnisse."

Im Stabhochsprung, dieser technisch höchst anspruchsvollen Disziplin, sei die richtige Trainingsphilosophie enorm wichtig. "Ich bin im Anlauf sehr schnell, hatte dabei und beim Absprung aber immer einen extrem tiefen Schwerpunkt. Deshalb hatte ich Probleme, einen guten Absprungpunkt zu finden." Mit seinem neuen Trainer Chauncey Johnson habe er genau daran getüftelt.

Es ist jedoch nicht nur die Technik, die Holzdeppe verändert hat. Er ist erwachsener geworden und konzentrierter, bei allem Flachs, den er sich noch immer nicht nehmen lässt. "Der Kopf ist entscheidend im Stabhochsprung", sagt Holzdeppe, "man muss lernen, mit dem Druck und der Angst umzugehen. Ansonsten wird es gefährlich, dann sollte man gar nicht erst an den Start gehen."

Noch bedeutsamer sei für ihn aber die Loslösung von seinem Wunderkind-Image gewesen. "Ich wollte zeigen, dass ich genau das nicht bin, und das hat eben gedauert", sagt Holzdeppe. "Aber vielleicht bin ich jetzt angekommen."