Statistik 2000 Mehr Dopingfälle durch Cannabis
Köln - Von insgesamt 8255 Dopingproben waren im vergangenen Jahr 55 und damit 0,66 Prozent positiv. Mit dreizehn überführten Aktiven war der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) Spitzenreiter in der Statistik der Fachverbände. Dies geht aus der Doping-Statistik 2000 hervor, die am Dienstag in Köln vorgestellt wurde. Die Steigerung der Doping-Fälle sei auf die Aufnahme von Cannabis auf die Liste der verbotenen Substanzen zurückzuführen, sagte der Vorsitzende der Anti-Doping-Kommission (ADK) des deutschen Sports, Ulrich Haas. Insgesamt 16 Dopingfälle des vergangenen Jahres gingen auf Haschisch oder Marihuana zurück.
Als Risiko Nummer eins erweisen sich aber Nahrungsergänzungsmittel. Bei Tests des Landwirtschaftsministeriums Baden-Württemberg erwiesen sich von 139 mit hormonellen Bestandteilen angereicherten Mitteln 16 als hormon-positiv.
Ex-Hochspringer Ralf Sonn als Aktivensprecher nannte Kreatin
und Nahrungsergänzungsmittel "ein Restrisiko, das auch die Experten
nicht einschränken können, weil die Sportler die Mittel weiter
konsumieren". Sonn forderte Qualitätsaussagen der Industrie.
Professor Dr. Wilhelm Schänzer, Leiter des Biochemischen Instituts
der Deutschen Sporthochschule Köln, meinte: "Die Athleten sollten
im Positivfall gegen die Industrie klagen, wie in Belgien geschehen."
Bodybuilder ohne Dopingproblem?
Insgesamt haben 31 olympische und 14 nichtolympische Verbände
Tests bei der ADK in Auftrag gegeben. Radfahrer (790 Sportler),
Fußballer (673), Leichtathleten (259) und Basketballer (184) wurden
am häufigsten zur Urin-Probe gebeten. Der Deutsche Bodybuilder- und Fitnessverband ließ nur noch 20 Kontrollen (1999: 51) vornehmen. "Für die Bodybuilder gibt es das Dopingproblem wohl nicht mehr", konnte sich Schänzer eine süffisante Bemerkung nicht verkneifen.
"Fall Lobinger" mysteriös
Sonderbar ist für seinen Kollegen Klaus Müller, der das Labor in
Kreischa leitet, das mysteriöse Analyseergebnis im "Fall Lobinger".
Das Pariser Institut hatte zunächst in der A-Probe des Fürther
Stabhochspringers Tim Lobinger einen unerlaubten Nandrolon-
Metabolitwert von 2,9 Nanogramm pro Milliliter Urin (Limit 2,0)
festgestellt, in der B-Probe aber einen Wert unterhalb der erlaubten
Grenze. "Von weitem kann ich nicht beurteilen, wie so etwas kommen
kann. Doch für eines unserer beiden Labors wäre so ein Ergebnis ein
Desaster", so Müller.
Schänzer verwies zudem auf eine neue wissenschaftliche Untersuchung, die die Vermutung widerlegt, dass bei hoher Belastung der Körper selbst (endogen) vermehrt das anabole Steroid Nandrolon erzeugen kann. "Schwangere Frauen sind die einzigen, die endogen Nandrolon-Werte produzieren, die über dem
Grenzwert liegen", so Schänzer. Er empfiehlt deshalb den Athleten,
bei der Einnahme dieser Zusatznahrung zur Sicherheit einen Arzt um
Rat zu bitten.