Stimmen zum Armstrong-Fall "Das ist ein Donnerschlag"
Jean-Marie Leblanc (Tour-Direktor):
"Das ganze verwirrt mich und wir alle sind sehr schockiert. Jetzt muss man aber abwarten, was Lance Armstrong, seine Ärzte und seine Anwälte sagen, bevor man sich eine endgültige Meinung bildet. Wenn es dann sportliche Sanktionen durch den Radsport-Weltverband geben würde, dann könnte sich die Tour-Direktion, in welcher Form auch immer, diesen Sanktionen anschließen. Im Grunde bestätigt dieser für die Tour sehr ernste Fall aber, dass der Antidopingkampf im Radsport sehr viel Zeit braucht."
Olaf Ludwig (Sportl. Leiter T-Mobile): "Es überrascht mich, davon zu hören. Aber so lange nichts sicher ist, ist es sehr schwierig, über diese Sache zu urteilen."
Hein Verbruggen (Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI): "Wir müssen abwarten, ob sich das alles als wahr herausstellt. Nur dann können wir überschauen, ob die UCI rechtliche Schritte einleiten muss und ob das ein weiterer Rückschlag für den Radsport ist. Das alles ist nicht sehr erfreulich, aber im Moment ist das eine Sache zwischen Lance Armstrong und den Franzosen."
Daniel Baal (ehemaliger Präsident des französischen Radsport-Verbandes, UCI-Mitglied): "Der Mythos Armstrong hat keine Daseinsberechtigung mehr. Diese Entdeckungen müssten auch die größten Verehrer Armstrongs verstummen lassen. Denn die Ergebnisse scheinen mir nur schwierig zu bestreiten."
Raymond Poulidor (dreimal Zweiter und fünfmal Dritter der Tour): "Warum führen wir nicht rückwirkend Tests bis 1903 durch? Armstrong hat mehrfach gesagt, dass er nie etwas genommen hat - allerdings gab es zu dem betreffenden Zeitpunkt noch nicht die entsprechenden Proben. Die ganze Sache ist sehr betrüblich. Als einziges kann man wohl feststellen, dass Armstrong es wie alle anderen gemacht hat."
Richard Virenque (siebenmal Gewinner des Bergtikots der Tour und selbst ehemaliger Dopingsünder): "Die Sache erscheint mir ein wenig bizarr: Jahre später solche Entdeckungen. Es ist umso erstaunlicher, da die Epo-Testmethoden seit mehr als drei Jahren rechtsgültig sind. Da ist es erstaunlich, dass man darauf warten muss, bis Armstrong aufgehört hat, um das herauszubekommen."
Eric Boyer (Teammanager Cofidis): "Das ist ein Donnerschlag. Die Journalisten haben ihre Arbeit getan. Aber es ist schade, dass die UCI nicht rückwirkend die Mittel einsetzt, die ihm zur Verfügung stehen. Vielleicht war es damals der Beginn einer großen Täuschung. Da schaut man die Tour de France, sieht Armstrongs Arroganz und sein ganzes Verhalten. Und dann entdeckt man, dass alles nur Schau ist."