Straßenrad-WM Martin erkämpft sich Bronzemedaille
Radprofi Martin: Bronzemedaille bei der WM geholt
Foto: Mark Gunter/ AFPHamburg - Trotz eines technischen Defekts hat sich Tony Martin bei der Straßenrad-WM im australischen Geelong mit einer Energieleistung zur Bronzemedaille gekämpft. Den Rekordsieg des Schweizer Weltmeisters Fabian Cancellara konnte er aber nicht mehr verhindern. Ein Plattfuß bei Kilometer 18 kostete Martin im Einzelzeitfahren wertvolle Sekunden und wohl auch die sichere Silbermedaille, die schließlich der Brite David Millar holte.
"Ich dachte, alles ist aus. Nach einem Platten ist es schwer, die Motivation hochzuhalten, vor allem wenn man um den Sieg mitfahren will", sagte Martin, der nach der zweiten Zwischenzeit nur zehn Sekunden hinter Cancellara gelegen hatte, ehe das Malheur passierte. "Ich wusste nicht, ob ich noch um das Podium oder Platz zehn kämpfe. Ich bin dann nur noch mein eigenes Rennen gefahren", sagte der Deutsche Meister und beklagte den fehlenden Funkverkehr, der bei der WM nicht erlaubt ist.
Trotzdem war Martin unter den gegebenen Umständen mit dem dritten Platz als Trostpreis zufrieden: "Am Ende freue ich mich über die Medaille. Nächstes Jahr werde ich wieder angreifen." Letztlich kam er zehn Sekunden hinter Millar im Ziel an, der Abstand zu Cancellara betrug beachtliche 1:12 Minuten. Auch ohne Defekt hätte er den Paris-Roubaix-Gewinner wohl kaum besiegen können.
So fuhr Cancellara mit einem Lächeln im Gesicht und vier erhobenen Fingern über den Zielstrich. "Ich wollte hier Geschichte schreiben. Jetzt ist die Saison perfekt gelaufen", sagte der Olympiasieger, der nun mit vier Erfolgen alleiniger Rekordhalter ist. Bislang hatte er sich diese Ehre mit dem Australier Michael Rogers teilen müssen. "Ich habe nach diesem Rennen keinen großen Druck mehr. Den WM-Titel kann mir keiner mehr nehmen. Das genieße ich jetzt", sagte Cancellara.
Unter dem Strich steht die dritte Medaille im dritten Rennen für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) zu Buche. Der ehemalige Zeitfahr-Weltmeister Bert Grabsch landete zwar klar hinter Martin und belegte letztlich den elften Platz, aber zuvor hatten Judith Arndt Silber im Einzelzeitfahren der Frauen und Marcel Kittel Bronze bei den U23-Männern geholt. Damit wurde die Ausbeute vom Vorjahr bereits zur Halbzeit der WM übertroffen - die BDR-Fahrer holten damals lediglich zwei Bronzemedaillen. Am Freitag bietet sich für die deutsche Mannschaft die nächste Chance auf Edelmetall, wenn John Degenkolb als Mitfavorit in das U23-Straßenrennen geht. Am Samstag und Sonntag stehen dann die Rennen der Männer und Frauen auf dem Programm.