Streit im Team Telekom Zabel erwägt Verzicht auf Tour de France
Lausanne - Nach seinem zweiten Etappensieg auf der Tour de Suisse hat Telekom-Sprinter Erik Zabel am Mittwoch erstmals laut über einen Verzicht auf die in zehn Tagen beginnenden Tour de France nachgedacht. "Vielleicht starte ich dort gar nicht", sagte der 30-Jährige. Zabel drückte damit seinen Unmut darüber aus, dass im Team Telekom offenbar ernsthaft überlegt wird, seinen Edel-Helfer Gian-Matteo Fagnini (Italien) bei der Tour einem weiteren Adjutanten Jan Ullrichs zu opfern.
Ziel der Mannschaftsleitung um Walter Godefroot ist es anscheinend, den Gesamtsieg Ullrichs um jeden Preis zu ermöglichen. Dabei würde auch in Kauf genommen werden, dass Zabel ohne seine "Lokomotive" Fagnini im Kampf um das Grüne Trikot für den besten Sprinter der Tour deutlich an Chancen einbüßt. Fünfmal in Folge hatte Telekoms Sprintstar das Leibchen gewonnen.
Fagnini bewies seine Klasse
Die Unmutsäußerungen Zabels hatten durch das Finale der 9. Etappe der Tour de Suisse weiteres Gewicht erhalten. Denn auf der Zielgeraden in Lausanne hatte Fagnini seinem Sprinter großartige Schützenhilfe geleistet und Zabel zum Sieg vor Saulius Ruskys (Litauen) und Robert McEwen (Australien) geführt.
Das Geschehen auf dem 167 Kilometer langen Teilstück nach Lausanne wurde geprägt vom Wittenberger Bert Grabsch. Der 26-Jährige vom Schweizer Team Phonak hatte sich mit dem Schweizer Rolf Huser zeitig aus dem Staub gemacht und den Ausreißversuch nach einer Schwächeperiode seines Mitstreiters allein fortgesetzt. Als er in Bulle an einer geschlossenen Bahnschranke warten musste, hatte er noch fast zehn Minuten Vorsprung auf das Feld mit allen Favoriten.
Zehn Kilometer vor dem Ziel eingeholt
Zwischendurch hatte sich Grabsch, der in seiner vierten Profisaison fährt, bei wolkenbruchartigem Regen mit Hagelschauern und Gewitter die Punkte der Bergwertung am Col des Mosses gesichert und strebte auf der nun folgenden Abfahrt mit vielen ebenen Passagen dem Ziel entgegen. Im Feld witterten die Sprinter aber noch einmal die Chance auf einen Etappensieg und ihre Helfer krönten die Aufholjagd auf Grabsch zehn Kilometer vor dem Ziel in Lausanne.
Armstrong vor Gesamtsieg
Die abschließende 10. Etappe der Tour de Suisse führt am Donnerstag über 176 Kilometer "Rund um Lausanne". Der Gesamtsieg ist dem in der Einzelwertung mit über einer Minute führenden Lance Armstrong (USA) kaum noch zu nehmen. Der 29-jährige Texaner wird bei der am Montag neu erscheinenden Weltrangliste als Nummer eins geführt und unterstreicht dadurch noch mehr seine Favoritenstellung als Tour-Titelverteidiger.