Strüvers Tour in Inside Tigerjagd in Arabien
The Dubai Desert Classic vom 1. bis 4. März im exquisiten Emirates Golf Club kommt einem Schaulaufen der Weltstars gleich. Auf der Driving Range schlage ich Seite an Seite mit Colin Montgomerie oder Lee Westwood meine Übungsbälle. Das macht richtig Spaß. Und alle, auch Mega-Star Tiger Woods aus Amerika, brennen auf den Start am Donnerstag.
Apropos Tiger Woods. Auf der amerikanischen Tour trugen sich in den acht Turnieren dieses Jahres acht verschiedene Sieger ein. Darunter allerdings befand sich zur Verblüffung vieler Golffans und Journalisten nicht einmal der 2000 fast unschlagbare Tiger. Aus meiner Sicht gibt es dafür verschiedene Gründe. Auf der einen Seite glaube ich, dass den vielen guten US-Profis die Demütigung des vergangenes Jahres durch die Woods-Dominanz mächtig an die Nieren gegangen ist und sich alle im Winter ins Training gestürzt haben, um den Abstand zu verringern. Auf der anderen Seite zollt Tiger dem Umstand Tribut, dass er zum Beispiel innerhalb von fünf Wochen an fünf Turnieren in verschiedenen Kontinenten abschlägt. Da nimmt sich der rebellierende Körper zwangsläufig die Ruhepausen, die er benötigt. Tigers derzeitigen Knieprobleme scheinen mir daher auch größer zu sein, als sein Umfeld es glauben möchte.
Tiger denkt nur an die Masters
Aber unter dem Strich spielt Woods aus meiner Sicht nicht schlechter als im vergangenen Jahr, obwohl ihm das gern ein paar nörgelnde Beobachter nachsagen. Er spielt vergleichbar gut. Nur: Seine Putts fallen nicht mehr so häufig wie noch im vergangenen Jahr. Darin liegt für mich ein gravierender Unterschied.
Ich glaube, dass sich Tiger stark auf das Masters in Augusta konzentriert, um mit einem Sieg alle vier Majors in Reihe gewonnen zu haben.
Kontrollen müssen sein
Eine andere Sache, die mich in diesen Tagen sehr beschäftigt, heißt "Doping". In der derzeitigen Diskussion, die sich vornehmlich mit der Einnahme von Blutdruck senkenden Mitteln wie Betablockern beschäftigt, beziehe ich ganz unmissverständlich und eindeutig Stellung: Ich spreche mich für umfassende Doping-Tests während der Turniere ebenso aus wie in den Trainingsphasen. Also zwölf Monate im Jahre.
Es gibt für mich keinerlei Grund, auf die Kontrollen zu verzichten. Es ist unser ureigenstes Interesse, unseren Sport in dieser Hinsicht transparent und nachprüfbar zu machen. Wir Golfer selbst müssen mit der Forderung nach diesen Maßnahmen unseren Teil dazu beitragen, dass den Gerüchten von jedwedem Drogenmissbrauch im Profi-Golf die Grundlage entzogen wird. Das geht nur, wenn wir alle bereit sind, uns dem Test zu jeder Zeit auf jedem Kontinent zu stellen. Es kann eigentlich nicht sein, dass ich mich in den knapp zehn Jahren meiner Profi-Karriere noch nicht einem Doping-Test unterziehen musste.
Ich selbst habe keine Anhaltspunkte für Drogenmissbrauch auf der Tour. Schwierigkeiten sehe ich allerdings, wenn manche Spieler ihre Gewichtsprobleme mit ungeprüften Medikamenten bekämpfen.
Und: Nicht zuletzt schaffen wir mit ständigen Doping-Kontrollen einen Teil der Basis für unsere Teilnahme an den Olympischen Spielen.
So long, Ihr und Euer Sven Strüver
PS: Schön, dass hier in Dubai das Thermometer selten unter 30 Grad fällt. Denn derzeit plagen mich leichte Probleme im Halswirbelbereich, habe vermutlich irgendwo Zug bekommen oder die Klimaanlage zu weit aufgedreht. Da tut die Wüstenwärme gut. Mit Hilfe der PGA-Physiotherapeuten bekomme ich die Schmerzen hoffentlich rechtzeitig zum Start am Donnerstag in den Griff. Denn auch ich gehöre zu den Jungs, die auf Tiger-Jagd gehen. Und dafür musst Du topfit sein.