Strüvers Tour Inside: Allüren in Paris - DER SPIEGEL
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Strüvers Tour Inside Allüren in Paris

Die wöchentliche Kolumne des Golfprofis Sven Strüver bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Wenn der Vermarkter die Muskeln spielen lässt, vergebliches Warten auf Tiger Woods und ein Spielerbus im Stau.
Von Sven Strüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Immer wieder ein Stück seiner sowieso schon mächtig in Mitleidenschaft gezogenen Unschuld verliert der Golfsport, wenn er in die Fänge der Mächtigen gerät. So geschehen bei der Trophee Lancome in der vergangenen Woche. Bei diesem traditionellen Turnier in Frankreich fungiert die allgewaltige Vermarkter-Gruppe IMG aus den Vereinigten Staaten von Amerika als Veranstalter. Und die ließ mal schnell die Muskeln spielen, als es darum ging, die bei IMG unter Vertrag stehenden Spieler bei der Trophee Lancome gegen die ursprüngliche Planung auf den letzten Drücker unterzubringen.

Aufgeblähtes Spielerfeld


Denn normalerweise gehen bei dem Turnier nahe Paris 132 Spieler ins Rennen. Doch weil IMG bereits im Vorfeld sieben Einladungen ausgesprochen hatte und zudem die Ryder-Cup-Spieler wegen der Absage (Terror in Amerika) zurück nach Europa drängten, blähte sich das Feld auf 156 Spieler auf. Das ist unüblich und sorgte für erhebliche Zeitverzögerungen im Ablauf. Hintergrund für diese Verbeugung vor der Macht: Neun der zwölf qualifizierten europäischen Ryder-Cup-Teilnehmer managt die IMG.

Stur blieb IMG auch, als wegen der Absage von Tiger Woods (wegen der Attentate) zahlreiche Ticketkäufer ihre Eintrittsbillets zurückgeben wollten. Lapidarer Kommentar: "Machen wir nicht. Behaltet die Karten. Ist nicht unser Problem." Doch als die Proteststürme bei der eigentlich ausverkauften Veranstaltung Orkanstärke annahmen, beugte sich IMG und holte zu einer unwahrscheinlich noblen Geste aus: "Im nächsten Jahr gewähren wir den jetzt um den Tiger-Genuss gebrachten Zuschauern 20 Prozent Ermäßigung." Da bleibt dem rechtschaffenden Beobachter nur ungläubiges Kopfschütteln.

Fünfeinhalb Stunden Wartezeit


Dass der Turnierdirektor sich in Anbetracht der Verspätung wegen des Nebels am dritten Tag zu der Maßnahme hinreißen ließ, zugunsten der Fernsehübertragung und wegen des Drucks von IMG von der eins und der zehn abschlagen zu lassen (sonst macht man das nur an den ersten beiden Tagen) und damit Spieler der frühen Startzeiten fünfeinhalb Stunden warten ließ, setzt dem allürenreichen Gebaren in Paris die Krone auf.

Positiv: Als am Freitag wegen eines Unfalls auf der Straße vom Spielerhotel zum Platz der Spielerbus fast zwei Stunden für die eigentlichen 20 Minuten benötigte, verschoben die Offiziellen die Abschlagzeiten für die verspäteten Spieler um eine halbe Stunde, um ihnen die Chance zum Warmmachen zu geben. Das war wirklich okay und ließ ein ganz wenig den "spirit of the game" durch den verhangenen Himmel blinzeln. Vor wenigen Monaten in Lyon hatte das noch ganz anders ausgesehen. Der Busfahrer hatte sich seinerzeit verfahren und fand den Platz erst nach erheblichen Umwegen. Da hieß es aus dem Mund des Turnierdirektors: "Schuhe an und abschlagen. Ihr könnt froh sein, dass es keine Strafe gibt."

So long, Ihr und Euer Sven Strüver


P.S.: Bei der Linde German Masters in der nächsten Woche in Köln gilt US-Boy John Daly wie schon in München als Favorit. "The Wild Thing" holt aus wie keiner und schlägt den Ball wahnsinnig weit. Und diese Fähigkeit ist im Lärchenhof ein riesengroßer Vorteil. Mal abwarten, ob mein Tipp passt.