Strüvers Tour Inside Bammel vor der Ochsentour
Existenzangst? Bangen um den Status quo? Befürchtungen, nicht mehr zu den Besten zu zählen? Was Sie in Ihrem täglichen beruflichen Alltag erleben, gilt für uns Golf-Profis ebenso. Gerade in diesen Tagen geht es für viele von uns um die Berechtigung, auch im nächsten Jahre wieder auf der Europäischen Tour starten zu dürfen.
Automatisch ändert sich nichts, wenn es nach Abschluss der Saison zum mindestens 115. Rang in der Order of Merit (Geldrangliste) reicht oder die Verlängerung der Tour-Karte durch Siege in jüngerer Vergangenheit gewährleistet ist. Tobias Dier hat sich beispielsweise durch seinen Sieg bei der North West of Ireland im August die Startberechtigung für die kommende Saison auf der European Tour sichern können. Aber irgendwann laufen diese so genannten Exemptions (Startberechtigungen) aus aus. Für mich im Jahr 2003; die habe ich mir gesichert, nachdem ich 1998 das European Masters in der Schweiz gewonnen habe.
Es zählt jeder Euro
Wer keine dieser Startberechtigungen hat, zählt jeden Euro Preisgeld, den er nach den Turnieren auf sein Bankkonto überweisen kann. Verpasst man einen Rang unter den besten 115, dann beginnt die Ochsentour: ein beinharter Wettbewerb gegen die vielen, hungrigen und hoch talentierten Newcomer wie auch die alten, erfahrenen Hasen in der Qualifying School. Erol Simsek liegt derzeit mit 111.758,27 erspielten Euro auf dem 136. Platz der Geldrangliste, Thomas Gögele kann sich als 150. (80.086,20 Euro) nur noch mit absoluten Topplatzierungen helfen. Den begehrten 115. Rang belegt derzeit der Franzose Christian Cavaer mit 155.217,30 Euro Preisgeld.
Erfolgreiche Spieler wie die Deutschen Wolfgang Huget und Kariem Baraka zählen schon jetzt zu den Golfern, die durch ihre Platzierung unter den besten 45 der Challenge Tour, auch 2. Liga genannt, gute Chancen sehen, den Aufstieg in die 1. Liga zu schaffen. Marcel Siem und Tino Schuster überspringen dank ihrer Ränge unter den besten 100 der Challenge Tour die erste Quali-Hürde (Stage 1) und müssen sich jetzt in der zweiten Stage beweisen. Anschließend folgt die Final Stage und dort schaffen nur die 30 besten den Sprung auf die große Tour. Und Tausende wollen. Ein eisenharter Verdrängungswettbewerb mit Hauen und Stechen. Da sind Nerven aus Stahl verlangt.
Käse in Amerika
Für mich ist es daher schon ein Luxus, wenn ich ohne diese existenziellen Fragen nach Florida fliegen kann, um mich dort für die US-amerikanische Tour zu qualifizieren, was ich letzte Woche versucht habe. Doch war nach einer schlechten Runde (76) in Brooksville der Käse schnell gegessen. Mit insgesamt 288 Schlägen habe ich den Cut, der bei 281 Schlägen lag, glatt verpasst. US-Tour? In diesem Jahr nichts für mich. Dafür will ich ab morgen bei den Italian Open auf Sardinien so weit wie möglich kommen, um mich via Preisgeld automatisch für die besten 60 Spieler der Order of Merit zu qualifizieren, die am Tour-Finale vom 8. Bis 11. November im spanischen Montecastillo teilnehmen dürfen.
So long, Ihr und Euer Sven Strüver
PS. Auf dem Weg nach Sardinien war plötzlich mein Flug in Rom beendet. Ohne Begründung blieb der Flieger einfach auf dem Rollfeld stehen. Und niemand wollte das Gepäck aus der Maschine holen. Was tun? Selbst anpacken. Wir haben einfach eine Flanke über die Absperrung auf dem Flughafen gemacht und haben unsere Koffer - und natürlich mein Bag mit den Schlägern - eigenhändig aus dem Rumpf der Boeing gezogen. Einen Carabinieri habe ich weit und breit nicht gesehen. So viel zum Thema Sicherheit auf europäischen Flughäfen.