Strüvers Tour Inside: Das ungeschriebene Gesetz - DER SPIEGEL
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Strüvers Tour Inside Das ungeschriebene Gesetz

Die wöchentliche Kolumne des Golfprofis Sven Strüver bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Eine Selbstanzeige in Schweden, warum man als Golfer ehrlich sein muss und ein Gelage mit Folgen.
Von Sven Strüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ehrlich währt am längsten? Auf der Tour auf jeden Fall. Dafür gab es jetzt bei der Volvo Scandinavian Masters im schwedischen Barsebäck wieder ein positives Beispiel. Andrew Oldcorn, der mit Schlägen so geizige Schotte, lag nach den beiden ersten Tagen (69/75) noch recht gut im Rennen. Doch in der dritten Runde unterlief ihm ein folgenschweres Missgeschick.

Oldcorn nahm, als sein Ball hinter einer Werbebande landete, straflos Erleichterung in Anspruch und droppte den Ball so, dass er ihn ohne Behinderung durch den Sponsorreiter weiterspielen konnte. Doch anders als überall auf der Tour galt in Schweden die ungewöhnliche Regel, dass die Werbebande in einem solchen Fall weggeräumt wird. Oldcorn hätte also auf den Abbau des Schildes warten müssen. Als er seinen fatalen Irrtum bemerkte, war es zu spät. Per Selbstanzeige ließ sich Oldcorn disqualifizieren. Herbe Sache und besonders ärgerlich, macht sich der auf Rang 15 in der europäischen Ryder-Cup-Wertung platzierte Schotte doch berechtigte Hoffnungen auf eine Teilnahme am Vergleich im September mit den Amerikanern.

Unter uns Spielern gilt ein Ehrenkodex


Selbstanzeigen, die zur Disqualifikation führen, sind auf der Tour nicht selten. Unter uns Spieler gilt ein Ehrenkodex. Ein ungeschriebenes Gesetz. Das verhindert die eingangs erwähnte Schummelei. Ausnahmen bestätigen allerdings auch hier zuweilen die Regel.

Spontan fallen mir noch zwei weitere Beispiele für den fairen Umgang miteinander ein. Vor sechs, sieben Jahren war es, als David Feherty als Spielpartner von Bernhard Langer bei der German Open in Hubbelrath auf der ersten Bahn unbemerkt für jedermann den Ball bei einem Schlag zweimal berührte. Ohne auch nur einen Moment zu zögern, unterrichtete Feherty seinen Zähler Langer von dem Doppelschlag und schrieb sich statt des Pars eine Fünf auf.

Muscheln im Sand


Beispiel zwei: In Malaysia - es muss so vor vier Jahren gewesen sein - wollte Nick Faldo in aussichtsreicher Position in der vierten Runde eine Muschel aus dem Bunker nehmen, weil er sie für losen hinderlichen Naturstoff hielt. Und den darf er entfernen. Normalerweise. Doch nicht so in Malaysia. Denn als er die Muschel aufnehmen wollte und hörte, dass diese Aktion nicht erlaubt sei, fiel ihm der Kinnladen runter. Weil Faldo bereits in der ersten Runde Muscheln aus dem Bunker genommen hatte, zeigte er sich selbst ob seines schon drei Tage zurückliegenden Vergehens an - und wurde nachträglich disqualifiziert.

Niemand ist also gefeit vor solchen Verstößen, die zumeist ohne Argwohn ablaufen. Daher gilt nicht nur für uns Profis, sondern auch für jeden Amateur, sich vor einem Wettspiel mit den "local rules" vertraut zu machen. Sonst geht mancher gut gemeinte Schuss nach hinten los.

Die Ritterburg in Wales


Doch zurück zum aktuellen Geschehen. Ab Donnerstag läuft im Celtic Manor Resort Newport die Wales Open. Das Hotel direkt am Platz sieht von außen aus wie eine Ritterburg aus längst vergangenen Zeiten. Innen wartet Hightech allererster Güte nach aktuellstem Singapur-Vorbild. Die für mich neue Anlage habe ich eingehend unter die Füße genommen. Von meinem Ergebnis lasse ich mich überraschen.

So long, Ihr und Euer Sven Strüver


PS. Dass es auf der Tour zuweilen turbulent bis feucht-fröhlich zugeht, ist ja kein Geheimnis. Doch was bei der Scandinavian Masters abging, verdient besondere Erwähnung. Denn eine Handvoll Spieler und Caddies ließen in Barsebäck so richtig die Post abgehen, warfen sich ins Wirtshausgetümmel - und schlugen dabei wohl mächtig über die Stränge. Einer der Opfer dieses Gelages war offensichtlich der Caddie von Ian Woosnam, Miles Byrne, der schon zwei Wochen zuvor für Schlagzeilen sorgte, als er einen Schläger zuviel in der Tasche seines Chefs hatte, was Woosnam zwei Strafschläge und den zweiten Platz bei den 130. British Open kostete. In Preisgeldern bedeutete das den Unterschied von gut 700.000 Mark, die Woosnam durch Byrnes Fauxpas durch die Lappen gingen. Am Sonntagmorgen stand Woosnam alleine auf der Driving Range ohne Schläger, weil sein Caddie die Tasche weggesperrt hatte. Ein lokaler Caddiemaster musste schließlich das Schloss aufbrechen und wurde zugleich als Taschenträger engagiert. Nach dem zweiten Bock innerhalb von 14 Tagen wurde Byrne vom Waliser (Woosnams Kommentar: "Er hat seine zweite Chance nicht genutzt") auf der Stelle gefeuert. Nur gut, dass die Tour nur einmal im Jahr in Schweden Station macht.