Strüvers Tour Inside Der Alptraum des Golfers
Das Laufband rotierte mit stupidem Surren. Ein verwaister Metallkoffer war das einzige Gepäckstück, das schon Lichtjahre auf dem schwarzen Gummi seine einsame Bahn zog. Die anderen Fluggäste hatten sich schon längst aus dem Staub gemacht. Sven allein am Band. Verzweifelt warf ich einen Blick zur Sperrgutabfertigung. "Closed" stand dort auf einem kleinen weißen Schild. Von dort war also keine Hilfe zu erwarten. Lähmende Minuten später: Die leblose Alukiste auf dem Band blieb endgültig ohne Gesellschaft. Als endlich ein uniformierter Wachmann auftauchte, kam auf meine bange Frage nach meinem sehnlichst herbei gewünschten Golfgepäck nur die niederschmetternde Antwort: "Sorry, Sir, but I cannot help you."
Training mit Leihschlägern
Des Golfers Alptraum als Realitätschaos: Ohne meine Schläger stand ich auf dem Miami-Airport, kochte vor Wut und wäre um ein Haar wie ein HB-Männchen in die Luft gegangen. Meine mir so vertrauten Mizunos waren beim Transfer von Hamburg nach Florida irgendwo ins Airport-Nirwana abgedriftet. Dabei wollte ich doch sechs intensivste Übungstage im Amerika verbringen, um mir den letzten Feinschliff für die Wettbewerbe ab Donnerstag in Valencia und eine Woche später in Portugal an der Algarve zu holen. Pustekuchen.
Vom Schock einigermaßen erholt dachte ich: "Sven, besser die Schläger fehlen beim Training als bei einem Turnier" - und habe ganz einfach das Beste aus der vertrackten Situation gemacht. Um keine Zeit zu verlieren, lieh ich mir vor Ort einen Putter und ein paar Wedges und stürzte mich ins Kurze Spiel.
Happy End nach dem Super-Gau
Nach zwei Tagen brachten mir die Jungs von der Fluggesellschaft meine so schmerzlich vermisste Golftasche mit dem kompletten Equipment. Zum Glück fehlte nichts. Ich war total erleichtert. Denn ich erinnere mich noch mit Grauen an vergangenes Jahr, als meine Schläger zur Lancome Trophy in Paris nicht pünktlich eintrafen und ich mit geliehenen Eisen und Hölzern prompt den Cut verhämmerte.
Doch dann ging es richtig los mit dem Training. Zwei Tage länger bin ich in Übersee geblieben und habe das Versäumte umso intensiver nachgeholt. Jetzt bin ich richtig heiß auf Spanien und Portugal. Um mein Ziel, in diesem Jahr ein Turnier zu gewinnen, zu erreichen, muss man Negatives in den letzten Winkel des Hinterstübchens verbannen. Mein Ärger über die verschwundenen Schläger ist längst wieder verraucht. Nur das Bild vor meinem geistigen Auge mit dem einsamen Metallkoffer erinnert mich manchmal noch an diesen Super-Gau, der dann doch mit einem Happy End endete.
So long, Ihr und Euer Sven Strüver
PS: Tour-Neuling Erol Simsek, der ebenso wie ich von Thomas Kröber-Reck
gemanagt wird, spielt bisher eine tolle Saison. Sein 31. Platz in Marokko
zeigt wieder, was der Junge drauf hat. Aber auch Tobias Dier macht seine
Sache derzeit toll. Mit Erol teilte er sich Rang 31. Die Burschen halten
sich wirklich wacker. Gute Perspektiven also für das deutsche Golf.