Strüvers Tour Inside: Der Hunger nach mehr - DER SPIEGEL
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Strüvers Tour Inside Der Hunger nach mehr

Die wöchentliche Kolumne des Golfprofis Sven Strüver bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Der zweite Platz von Portugal, der Druck, vorne mit dabei zu sein, und das angenehme Kribbeln im Bauch.
Von Sven Strüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Platz zwei in Portugal: Vor Freude wäre ich fast in den Atlantik gesprungen. Endlich hat es richtig geklappt. Und ich habe meinen Mund beim vorigen Tour Inside nicht zu voll genommen, als ich eine Top-Ten-Platzierung ankündigte. Gesagt, getan. Meine Drives landeten durchschnittlich nach knapp 300 Yards, meine Eisen funktionierten prächtig. Und beim Putten hatte ich vor allem bei der dritten Runde dieses ganz besondere Gefühl. Bei meinen 65 Schlägen am dritten Tag habe ich alle Fairways und 18 Grüns getroffen und bin daher mit 26 Putts ausgekommen.

Sich gegenseitig hochpowern


Für die vierte Runde habe ich mir gewünscht, mit meinem alten Freund Padraig Harrington zu starten, der auch bei minus elf lag und durch seine beiden zweiten Plätze in Malaysia und Dubai mit dem Druck des Vorneweg-spielen-Müssens umzugehen versteht. Padraig wollte in Portugal unbedingt gewinnen. Ebenso wie ich. Wir hätten uns sicher gegenseitig hochgepowert. Als ich von meinen Partnern fürs Finale erfuhr, ahnte ich, dass die beiden einbrechen würden. So kam es dann auch. Stephen Scahill schoss eine 72, Simon Dyson eine 74. Bei mir war es eine 70 mit schwachen 37 Schlägen auf den ersten neun Löchern und drei Birdies auf den letzten sechs. Aus dem Nichts stürmte der spätere Sieger Phillip Price mit einer 64 vom 15. Platz nach vorn und holte sich den Titel. Irre spannend.

Ich spiele gerne vorneweg


Das Ergebnis hat gezeigt, dass auf den letzten 18 Löchern noch alles passieren kann. Bis Platz 20 sah sich jeder Spieler in der Lage, noch ganz nach vorn zu preschen. Ich selbst fühle mich in der Rolle des Favoriten richtig wohl. Ich spiele gern von vorneweg, auch wenn jedermann von mir dann den Sieg erwartet. Doch das macht mir nichts aus. Im Gegenteil. Das lässt das Feuer im mir lodern und verursacht zusätzlich dieses unbeschreibliche Kribbeln im Bauch. Dass ich nicht auf dem ersten Platz einlief, sehe ich jetzt sehr positiv: Der Hunger auf den Sieg hält an. Portugal hat mir gezeigt, dass ich jede Aufgabe meistern kann.

So long, Ihr und Euer Sven Strüver


PS. Nach der geplanten Pause geht's jetzt mit vollen Segeln und einer Menge Selbstvertrauen an die nächsten Turniere. Erst zur Benson and Hedges International Open im The De Vere Belfry Wishaw, England, wo auch der diesjährige Ryder Cup stattfindet. Eine Woche später steht vor heimischem Publikum die Deutsche-Bank-SAP-Open in Heidelberg an. Meine Devise für den heißen Sommer: "Alles ist möglich, Sven Strüver."