Strüvers Tour Inside: Der Mann mit dem Eisenblick - DER SPIEGEL
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Strüvers Tour Inside Der Mann mit dem Eisenblick

Die wöchentliche Kolumne des Golfprofis Sven Strüver bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Der British-Open-Champion David Duval, Auszeiten zwischen den Turnieren und eine Misskalkulation bei Titleist.
Von Sven Strüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zunächst die nicht mehr neueste, aber für mich wichtigste Nachricht der vergangenen Woche: Der British-Open-Sieger des Jahres 2001 heißt David Duval. Mit einer konzentrierten Schlussrunde auf dem Royal Lytham and St. Annes Golfclub sicherte sich der Amerikaner seinen ersten Major-Titel. Eine tolle Leistung, die allen Respekt verdient.

Duval hatte noch im vergangenen Jahr sein persönliches Desaster auf der 17. Bahn in St. Andrews erlebt, als er sich erst nach drei Schlägen aus den Fängen des gefürchteten Topfbunkers befreite und damit endgültig alle Chancen auf den Titel verspielte. Doch das ist Schnee von gestern, denn diesmal lief alles gut für den Sonnenbrillenfreak, der ohne seine unverzichtbaren Kontaktlinsen den Unterschied zwischen seinem Driver von dem Holz drei ertasten müsste. Aus meiner Sicht gibt es verschiedene Zutaten für das Duvalsche Erfolgsrezept. Und die möchte ich mir auf der Zunge zergehen lassen.

Immer ein sauberer Schlag zum Grün


Stichwort: Präzision. Seine gegenüber den absoluten Weitenjägern wie beispielsweise Tiger Woods weniger ausgeprägten Möglichkeiten als Super-Longhitter macht Duval mit konstanter Präzision wett. Schläge vom Tee ins Rough gehören für Duval zu den Raritäten. Somit kann er fast immer das Grün mit einem sauberen Schlag vom Fairway attackieren. Ein Riesenvorteil. Für mich gehört Duval auch durch sein kurzes Spiel und seine mutigen Putts zu den komplettesten Spielern auf der Welt.

Stichwort: Emotion. Duval kontrolliert seine Emotionen. Ein guter Putt lässt ihn zwar durchaus einmal lächeln, doch ein schlechter Schlag ist ihm in seiner Gestik und Mimik nicht anzusehen. Da gibt es einfach keine Regung, an der Duvals Gefühlswelt abzulesen ist. Das macht ihn von außen für seine Mitspieler unangreifbar.

Vorreiter der Fitness-Welle


Stichwort: Fitness. Früher kam Duval wie ein normaler Amerikaner daher. Leichtes Bäuchlein, voller Hals. Hamburger und Coke. Doch diese Zeiten sind längst passé. Der heutige Asket Duval gehört zu den Vorreitern der Fitness-Welle auf der amerikanischen Tour. Kein Gramm zu viel auf den Hüften. Schmal und drahtig kommt Duval daher. Der Mann ist ausdauernd, kraftvoll und in der Lage, sich über vier Tage auch beim wichtigsten Turnier in einem mentalen wie auch körperlichen Topzustand zu halten.

Stichwort: Abwechslung. Duval nimmt sich seine Auszeiten. Wenn es ihm in den Sinn kommt, geht er irgendwo in der Welt einem seiner liebsten Hobbys nach. Dem Skifahren. Dieser Sport gibt ihm die Chance, sich abzulenken, auf andere Gedanken zu kommen und dann wieder frisch und neu motiviert an die Aufgaben der Tour zu gehen. Mein Fazit: Duval zählt nicht erst seit seinem British-Open-Sieg zum kleinen Kreis der absoluten Top-Spieler.

Nikes Coup mit Duval


Übrigens: Das Scharmützel mit seinem damaligen Ausrüster Titleist Anfang des Jahres hat ihm nicht geschadet. Denn damals verpflichtete Titleist den amerikanischen Superstar Phil Mickelson für eine neue Rekordsumme, obwohl zuvor Duval vertraglich zugesichert wurde, der bestbezahlte Titleist-Spieler zu sein. Duval stellte neue Forderungen, Titleist sagte nein - und Duval unterschrieb einen Super-Kontrakt bei Woods-Sponsor Nike, der sich jetzt diebisch über Duvals Verpflichtung freut.

Apropos Freude: Ich spiele in dieser Woche bei den TNT Dutch Open im Nordwijkse Golfclub und freue mich nach der einwöchigen Pause wieder aufs Golfen. 1997 habe ich die Dutch Open gewonnen. Das ist auch in diesem Jahr mein Ziel.

So long, Ihr und Euer Sven Strüver


PS. Endlich rollt auch der große Ball wieder. Die Fußball-Bundesliga startet in die neue Saison. Mein Herz schlägt bekanntlich für Werder Bremen. Also los, Jungs: In Freiburg holen wir den ersten Sieg.