Strüvers Tour Inside Der zerbrochene Putter
Für einen Profi ist Bildschirm-Präsenz - wie könnte es anders sein - von besonderem Rang. Tolle Werbung für den Spieler, hervorragende Platzierung für die Sponsoren. Fast immer verbindet sich sportlicher Erfolg auf dem Golfplatz mit den Fernsehbildern.
Das stimmt nicht immer. Zu meinem Leidwesen. Denn: Ich habe vor Enttäuschung meinen Putter auf der letzten Spielbahn in Perth/Australien über dem Knie zerbrochen und das Ding ganz einfach in den Abfalleimer geworfen. "Der Putter muss nicht mit nach Amerika", habe ich meinem Manager Thomas Kröber-Reck im fernen Bonn abends am Telefon erklärt, wie stinkig ich über den um einen Schlag verpassten Cut beim Greg-Norman-Turnier war. Ein Putt aus einem Meter Entfernung muss einfach fallen! Vor allem, wenn es dabei ums Weiterkommen geht. Hatte ich nicht vor einer Woche an dieser Stelle von einem Toursieg geschrieben? Sorry, Freunde, aber es lief einfach nichts zusammen.
Zu allem Überfluss musste ich dann am Samstag und Sonntag mit einer Magen-Darmgrippe und 40 Grad Fieber das Bett hüten und hatte echt Mühe, mich am Montag in den Flieger zurück nach Florida zu setzen. In Orlando muss ich jetzt an meinem kurzen Spiel feilen.
Dem feuchten Klima aus dem Weg gehen
Wie ich mich aus meiner Putt-Misere herausarbeiten will? Mehr dazu in meiner nächsten Kolumne. Denn die jetzt folgenden Turniere in Malaysia und Singapur lasse ich aus. Das asiatische Klima mit der hohen Luftfeuchtigkeit und den vielen Gewittern liegt mir nicht sonderlich. Colin Montgomerie dagegen steigt in Malaysia erstmals ins Tour-Geschehen 2001 ein. Der endgültige Startschuss für alle Europäer fällt am 1. März mit den Wettbewerben in Dubai und eine Woche später in Katar. Danach geht's für einige Turniere in Südamerika weiter, bevor dann die Masters in Augusta anstehen. Doch bis dahin verbringen mein neuer Putter und ich noch eine Menge Zeit miteinander.
So long, Ihr und Euer Sven Strüver
P.S.: Das Caddy-Karussell dreht sich. Die beiden Briten Anthony Wall und Van Phillips sowie mehrere andere Tour-Spieler müssen sich nach einem Ersatz umschauen. Auch bei Thomas Gögele ging das Gerücht um, er habe sich nach fünfjähriger Zusammenarbeit von seinem Taschenträger und Assistenten getrennt. Bleibt der Erfolg aus, dann sind die Handschlag-Verträge schnell Golf-Talk von gestern. Aber keine Angst. Von einem Tag auf den anderen findet sich ein neuer Caddy, der schnell in die Bresche springt - und hofft, dass es mit seinem neuen Arbeitgeber wieder aufwärts geht. Denn vom wöchentlichen Fixum, so zwischen 300 und 600 Pfund, muss der Caddy alle Kosten selbst tragen. Flug, Hotel, Essen - und Trinken nicht zu vergessen. Am Erfolg und der guten Platzierung des Pros ist der Caddy prozentual beteiligt. Das ewige Auf und Ab des Caddys: Spieler schlecht - alles schlecht. Spieler gut - alles gut. Es ist fast so wie bei uns.