Strüvers Tour Inside Desaster an Loch zwölf
Ich habe einige Tage mit der neuen Nachricht gezögert, doch jetzt kann ich es nicht mehr länger für mich behalten: Meine Frau Stephanie erwartet unser zweites Kind. Wir sind darüber glücklich und dankbar. Nach der Geburt unserer Tochter Lilly Josepha 1999 haben wir uns immer noch ein "Zweites" gewünscht. Und dieser Wunsch wird schon bald in Erfüllung gehen.
Hinter dieser Neuigkeit fällt das Tagesgeschehen auf der Europäischen Tour natürlich meilenweit zurück. Aber dennoch: Mein Spiel bei der Italian Open auf Sardinien konnte sich drei Tage wirklich sehen lassen. Mit präzisen Putts und einem insgesamt guten Spiel habe ich an den ersten drei Tagen 66, 68 und 64 Schläge hingelegt. Als Führender ging ich mit dem späteren Sieger Gregory Havret aus Frankreich auf die Schlussrunde.
Zu harte Landung nach dem Abschlag
Doch dann passierte etwas, was Ihnen als Amateur bekannt vorkommen mag. Auf der zwölften Bahn, ein Par fünf mit knapp 500 Metern Länge, habe ich so richtig rumgehackt und mir einen Triple-Bogey eingehandelt. Die Umstände waren allerdings ziemlich kurios. Denn zum Abschlagen benutzte ich ein Eisen zwei. Damit fliegt der Ball normalerweise 200 bis 210 Meter. Doch irgendwie muss er einen Sprinkler oder eine Entfernungsmarkierung beim Landen getroffen haben, denn der Ball lag bei 250 Metern in einem Wasserhindernis. In diesem Moment war ich noch ganz ruhig und habe noch nicht gedacht: Oh Gott, jetzt ist alles vorbei mit dem ersten Platz. Sondern eher: Was mache ich nun aus dieser Situation? Wie droppe ich den Ball am besten?
Nicht einmal nach der acht auf der Scorekarte schien mir der Sieg gefährdet, so sicher habe ich mich gefühlt. Ich wollte Gregory weiter unter Druck setzen. Doch dann fielen die an den Vortagen so sicher verwandelten Putts nicht mehr. Auf der 14, einem Par drei, verschob ich meinen Birdie-Versuch, während Gregory sich die zwei aufschrieb. Da war mir dann endgültig klar, dass es nichts wird mit dem vierten Toursieg. Bis zum Schluss habe ich dann um eine gute Platzierung gekämpft. Rang 14 kam dabei heraus.
Ich war fix und fertig
Nachdem ich die Karte unterschrieben hatte, mein Caddie schon längst auf dem Heimweg war und ich allein meine Gedanken sammelte, wurde mir klar, welche Chance ich verpasst hatte. Für mich brach eine Welt zusammen. So nahe an einem Turniersieg - und dann eine schlechte Bahn in der Schlussrunde, die mir den Boden unter den Füßen wegzog. Im Ernst: Am liebsten hätte ich meine Schläger verschenkt. Ich war fix und fertig.
Doch jetzt, nach einigen Tagen des Überlegens und Nachdenkens, ziehe ich die positiven Lehren aus der Italian Open. Drei ausgezeichnete Tage und 15, 16 gute Bahnen in Runde vier. Grund genug für mich, zuversichtlich zu sein für die Zukunft. Und die beginnt schon morgen. Denn trotz meines 66. Platzes in der Order of Merit kann ich doch teilnehmen am Volvo Masters, das am Donnerstag in Jerez/Spanien mit den 60 besten Spielern der zurückliegenden Saison startet. Über die Reserveliste bin ich noch ins Teilnehmerfeld gerutscht. Mein Motto lautet nun: Hinfallen darf jeder, doch nur die Guten stehen wieder auf. Rennfahrer steigen nach einem Crash am nächsten Tag auch wieder ins Cockpit und bringen Höchstleistungen.
So long, Ihr und Euer Sven Strüver
PS: Zwar sitze ich hier im sonnigen Andalusien und freue mich aufs Volvo Masters, doch ich weiß, dass in Deutschland jetzt unwiderruflich die schlechtere Jahreszeit beginnt. Mein Tipp für die Allwetterspieler. Bei Regen ein Handtuch auf den Boden des Bags friemeln. Das Handtuch saugt das Wasser auf, und die Griffe bleiben automatisch länger trocken. Und: Immer mehrere Handschuhe einstecken und sofort wechseln, wenn es glitschig wird. Viel Spaß beim Wintergolf in deutschen Landen.