Strüvers Tour Inside Die Lichter von Miami
Gedankenspiele in 10.000 Metern Höhe. Nach den beiden Turnieren in Dubai und Katar sitze ich nun hoch über den Wolken im Flieger und düse zurück in meine Wahlheimat Florida. Nach fast drei Wochen im Wüstensand freue ich mich riesig, meine Frau Stephanie und meine Tochter Lilly in wenigen Stunden wieder in die Arme nehmen zu können.
Achterbahnfahrt in Doha
Auf dem Flug nach Miami bleibt mir genügend Zeit, um vor allem das jüngste Turnier noch einmal Revue passieren zu lassen. Da ging es für mich munter auf und ab. Schlechte und gute Schläge hielten sich die Waage. Im Vertrauen: Den Cut im Doha Club von Katar habe ich eigentlich nur geschafft, weil mein Caddy Guy Tilston mir in entscheidenden Situationen den haargenau richtigen Tipp gegeben hat, wie ich das Grün anspielen soll oder von welcher Seite der Putt fällt. Ansonsten: Schwamm drüber. Vor allem über den dritten Tag in Katar. Da stellen sich mir noch jetzt die Nackenhaare hoch. So schlecht war ich die vergangenen fünf Jahre nicht mehr.
Aber mein persönliches Fazit nach sechs Turnieren in diesem Jahr fällt durchaus positiv aus. Fünfmal den Cut geschafft, darunter eine Top-Ten-Platzierung. Unterm Strich alles okay. Auch wenn die ein oder andere Runde nicht ganz so verlief, wie ich es mir vorgestellt hatte. Golfer-Leben halt.
Auszeit für drei Wochen
Die kommenden drei PGA-Turniere in Portugal, in Brasilien und in Argentinien lasse ich wie in jedem Jahr zu dieser Zeit aus und nutze den Freiraum, um Energie zu sammeln und Kraft zu tanken. Mein Akku ist nämlich ziemlich leer. Ausgelaugt wie ich fühlen sich auch viele meiner Tour-Kollegen, die sich ebenfalls in den nächsten Wochen zurückhalten, ihren Schwung überarbeiten, um sich auf die im April startende heiße Phase mit Topturnieren Woche für Woche optimal einzustellen. Auf Madeira, in Sao Paulo und Buenos Aires stehen daher Sieger auf dem Treppchen, die niemand auf der Rechnung hat. Vor allem die jungen Wilden auf der Tour nutzen die Abwesenheit der eigentlichen Platzhirsche gern, um die Euros zu ergattern.
So long, Ihr und Euer Sven Strüver
PS. Apropos junge Wilde und Platzhirsche. Dass Routiniers wie Mark McNulty in Südafrika oder jetzt Tony Johnstone in Katar den Siegerscheck einstecken, hat verschiedene Gründe. Ein wichtiger davon: Durch die enorme Weiterentwicklung von Ball- und Schlägermaterial schlagen die Alten den Ball vom Tee mit dem Driver bis zu satte 50 Meter länger als noch in der vergangenen Saison. Ein heißes Thema, dem ich mich in meinem "Tour Inside" nächste Woche intensiv und ausführlich widme. Doch erst mal steht
jetzt die Landung bevor. Ich sehe schon die Lichter von Miami.