Strüvers Tour Inside: Good Luck, Bernie! - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Strüvers Tour Inside Good Luck, Bernie!

Die wöchentliche Kolumne des Golfprofis Sven Strüver bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Die Favoritenliste für das Masters, ein Fernsehabend am Wochenende und Daumendrücken für einen besonderen Freund.
Von Sven Strüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Spätestens wenn ab Donnerstag das erste Major-Turnier in diesem Jahr über die große Golf-Bühne geht, richten sich alle, wirklich alle Augen auf Augusta. The Masters. Allein die beiden Worte lassen die Golfer-Herzen höher schlagen. Das Magnolien-Mekka unseres Sports im Herzen Georgias steht für vier Tage im Mittelpunkt. Rund hundert Spieler gehen auf die vier Runden auf diesem so wunderbar gelegenen, herrlich gestalteten Gelände. Und wer von diesen hundert Profis am Ende die Nase vorn hat, darf sich einer lebenslangen Reputation erfreuen. Das Grüne Jackett, die Ovationen der Zuschauer und die Anerkennung der Mitspieler: Einem Masters-Sieger steht die ganze Welt offen. Bis zu seinem letzten Atemzug.

Ich selbst verbringe die Augusta-Tage zusammen mit meiner Familie in Hamburg und will erst am Sonntag am Fernseher den Ausgang dieses ersten echten sportlichen Golf-Highlights in diesem Jahr verfolgen. Zuvor stelle ich meine Familie ganz und gar in den Vordergrund.

Woods vor Singh und Mickelson


Aber Gedanken habe ich mir schon gemacht, wie es beim Augusta National ausgehen kann. Der Favoritenkreis ist allerdings aus meiner Sicht recht groß. Meine Hitliste musste ich schon um einige großen Namen kürzen. Nach dem Abwägen aller Fürs und Widers steht mein Topfavorit fest. The winner will be: Tiger Woods. Tiger ist ganz heiß darauf, sein viertes Major zu gewinnen. Daran lässt auch sein Umfeld keinen Zweifel. Kurz danach in meiner ganz persönlichen Top-Ten-Liste rangiert Vorjahressieger Vijay Singh, der mit starken Leistungen in jüngster Vergangenheit viel Selbstvertrauen aufgebaut hat. Dann folgen mit Phil Mickelson, José Maria Olazabal, Ernie Els und Padraig Harrington vier verheißungsvolle Außenseiter. Wenn der Weiße Hai Greg Norman richtig bissig ist, kann er ebenfalls ganz oben auf dem Siegertreppchen landen.

Bei einem weiteren Titelaspiranten hing die Teilnahme von der Geburt seines ersten Kindes ab: Lee Westwood. Kommt der Nachwuchs, wie die Ärzte es prophezeiten, an diesem Wochenende, dann würde Lee bei seiner Frau Laura bleiben, hieß es schon vor Monaten, als klar war, dass es zu Interessenskonflikten kommen kann. Gestern hat sich die Nummer vier der Welt entschieden auf die Masters zu verzichten und ist zurück nach England geflogen. Die Liebe geht vor. Diese Einstellung finde ich genau richtig. Bei mir wäre die Entscheidung nicht anders ausgefallen.

Zu guter Letzt: Bernhard Langer, der sich in blendender Verfassung befindet und nach 1985 und 1993 seien dritten Titel anvisiert.

Feinschliff in Orlando


Genug nun mit den Masters-Spekulationen. Meine Wirklichkeit sieht so aus: Am Tag nach dem Masters fliege ich bis kurz vor den Osterfeiertagen wieder über den großen Teich. In Florida hole ich mir bei meinen Trainer, der in Orlando wohnt, den letzten Schliff für die Aufgaben, die in den kommenden Monaten auf uns Spieler warten. Los geht es für mich mit der Tour de Espana in Valencia am 19. April und von dort aus weiter nach Portugal zu den Algarve Portuguese Open. Doch bis dahin bleibt uns noch eine Menge Zeit und natürlich am nächsten Mittwoch das Fachsimpeln über das Masters-Ergebnis. Darauf bin ich mindestens genau so gespannt wie die mittlerweile sehr stattliche Zahl der Tour-Inside-Freunde in aller Welt.

So long, Ihr und Euer Sven Strüver.


PS. Beim Aufzählen meiner Masters-Favoriten habe ich den Mann, dem ich den Sieg am meisten gönne, ganz zum Schluss genannt. Es ist Bernhard Langer. Mein langjähriger Freund und Trainingspartner hat sich vor allem im langen Spiel noch einmal richtig ins Zeug gelegt. Und das im stattlichen Alter von 43 Jahren. Ich drücke Bernhard jedenfalls ganz, ganz fest die Daumen und hoffe, dass ich ihn am nächsten Mittwoch ganz am Anfang meiner Kolumne erwähnen darf. Als Masters-Champion 2001. Good luck, Bernie!