Strüvers Tour Inside Hölle auf Erden
Diese atemberaubende Geschichte werde ich später einmal meiner Tochter erzählen. The Celtic Manor Resort Wales Open, so hieß das PGA-Turnier der vergangenen Woche, versank in sintflutartigen Regenmassen, die sich mit walisischer Selbstverständlichkeit über diesen wunderbaren Platz in Newport ergossen. Nur 36 statt der vorgesehenen 72 Löcher ließ das Unwetter zu. Am Donnerstag ging gar nichts, Freitag und Samstag wenigstens etwas - und am Sonntag lief nur die Nase.
Nach 72 und 70 grundsoliden Schlägen freute ich mich eigentlich sehr über meinen 14. Platz, trauerte aber der Chance hinterher, mich in den beiden nächsten Runden noch verbessern zu können. Denn ich fühle mich derzeit richtig gut in Form. Zwischen dem 8. und 14. Rang lag lediglich ein winziger Schlag - und zumindest den hätte ich noch gern aufgeholt.
Warten, warten, warten
Wir Spieler vertreiben uns die Zeit mit - Warten. Halten telefonisch ständigen Kontakt zur Turnierleitung, um auf eine eventuell kurzfristig anberaumte Startzeit oder deren Änderung reagieren zu können. Einige feilen auf der Driving Range mit ihren Trainern am Schwung, andere sitzen zusammen in der Players' Lounge und trinken Kaffee. Interessant zu beobachten ist, dass die südamerikanischen Tourspieler ganz eng aufeinander hängen. Familienersatz in fernen Ländern.
Unseren geschätzten Tourdirektoren hat das Wetter in Wales die Suppe verhagelt. Die wussten offenbar selbst nicht mehr, wie es weitergehen soll - und wurden unberechenbar. Am ersten Tag ließen sie die Spieler, die sich auf eine Abschlagzeit im Morgengrauen eingestellt hatten, bis 16 Uhr warten - und brachen dann ab. Dann hieß es, wenn 50 Spieler den Cut schaffen, werden am Sonntag 36 Löcher gespielt, um den Sieger zu ermitteln.
Chaos auf der Anlage
Nächste Durchsage: Wenn wir am Samstag nicht mit der zweiten Runde fertig werden, folgen am Sonntag nur noch 18 Löcher und der Rest vom Samstag. Samstagabend brach dann alles in sich zusammen, als 60 Spieler den Cut schafften und daher nur 18 Löcher am Sonntag möglich waren.
Allein beim Schreiben dieser Zeilen wird mir im Nachhinein schwindelig vor lauter Änderungen. Sonntagmorgen folgte um 11 Uhr die endgültige Absage und das kuriose Stechen auf dem Par drei, das Paul McGinley im fünften Durchgang für sich buchte. Nette Geste: Der Gastgeber reduzierte zwar das Preisgeld auf 75 Prozent, überreichte aber jedem der rund 150 Teilnehmer einen Scheck über 1000 Pfund für die erlittenen Unbilden.
Trockenes Turnier in Atlanta
Bei der in dieser Woche laufenden US PGA Championship herrscht sicherlich kein Ausnahmezustand. In Atlanta scheint fast immer die Sonne, wenn der Tiger seinen Vorjahrestitel verteidigen will. Zu den engsten Favoriten zähle ich neben Woods Sergio Garcia, Phil Mickelson, Bernhard Langer und Retief Goosen. Mein Außenseitertipp: Ernie Els, sofern er seine Rückenprobleme bis dahin in den Griff bekommt.
Alle Spitzenspieler legen sich sicher mächtig ins Zeug. Denn die US PGA Championship zählt auch für die europäische Ryder-Cup-Wertung. Und da sind noch lange nicht alle Plätze vergeben, geschweige denn sicher. Gefightet wird um jeden Punkt. Ich bin gespannt, wie es ausgehen wird.
So long, Ihr und Euer Sven Strüver
P.S.: Nach einer Pause geht es für mich am 23. August mit der Scottish PGA Championship in Gleneagles und dann mit der BMW International Open in München-Eichenried weiter. Ich freue mich auf diese beiden Herausforderungen. Denn: Vielleicht erlebe ich in den nächsten Wochen einen dieser Momente auf dem Golfplatz, an denen ich die Uhr anhalten möchte, um diesen Augenblick so lange wie möglich zu genießen.