Strüvers Tour Inside: Knurrender Magen in Jerez - DER SPIEGEL
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Strüvers Tour Inside Knurrender Magen in Jerez

Die wöchentliche Kolumne des Golfprofis Sven Strüver bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Ärger beim Saisonfinale, fragwürdige Entscheidungen der PGA-Offiziellen und eine ungeliebte Rolle.
Von Sven Strüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mein Rückblick aufs Tourfinale im andalusischen Jerez fällt rein sportlich sehr positiv aus. Das Volvo Masters fand in Padraig Harrington einen würdigen Sieger. War schon klasse, wie sich der Ire auf dem Schlussloch durchsetzte und seine Frau ihm dafür einen dicken Schmatz auf die Wange gab. Happy End für den "ewigen Zweiten". So viel zum guten Teil der Veranstaltung. Denn leider hielten die Bedingungen für uns Spieler dem eigentlichen Ansinnen der PGA, einen würdigen Saisonabschluss zu feiern, nicht stand.

Kein Frühstück, keine warme Mahlzeit


Meine Hauptkritik am Veranstalter PGA: Der Großteil von uns Golfern ist aus meiner Sicht nur noch Mittel zum Zweck. Nur den Besten von uns rollen die PGA-Offiziellen den roten Teppich aus. Der Rest steht im Regen da, ist bestenfalls Staffage für die allmächtigen Organisatoren und deren Hofschranzen. Beispiel: Drei Tage musste ich mich in Jerez darüber beschweren, dass es in der Players Lounge weder ein Frühstück gab (ich musste immer recht früh auf die Runde), noch nach den 18 Löchern irgendetwas Warmes aus der Küche zu ergattern war.

Fast geschockt war ich, als ich zufällig in den Pressebereich stolperte, und dort die PGA-Angestellten beim leckeren Schmausen sah. Ich konnte nur kopfschüttelnd den Ort des üblen Geschehens verlassen. Fazit: Wir Spieler werden einfach nicht gleichmäßig gut behandelt. Ich fühlte mich in der Rolle "Mittel zum Zweck" nicht wohl. Da lob' ich mir unsere deutschen Turniere. Vor allem München, aber auch Heidelberg und Köln: Veranstaltungen, bei denen sich alle Beteiligten wohlfühlen. Und nicht nur eine Hand voll Auserlesener.

Zu allem Überfluss stellte sich die PGA in Jerez nicht gerade schlau an, als sie den Mäher am Samstag zweimal über die Grüns laufen ließ. Dadurch waren diese spiegelglatt, dass schon ein leichter Windzug den Ball weggetrieben hätte. Für die wilden Böen war es also erst recht kein Problem, mit den Bällen ihren Schabernack zu treiben. Die daher nicht zu umgehende Reduzierung auf 54 Löcher war also eher ein hausgemachtes Problem als die Macht der Naturgewalten.

Daumen drücken für die Youngster


Genug der Kritik. Positives Denken ist angesagt. Denn ab heute gilt es für fünf deutsche Golfprofis, beim Challenge-Finale auf den Plätzen in San Roque und Sotogrande (ebenfalls in Andalusien) die Spielberechtigung für die European Tour zu ergattern. Ich drücke Wolfgang Huget, Erol Simsek, Kariem Baraka, Marcel Siem und Tino Schuster ganz fest die Daumen. Sie müssen sich in einem knochenharten Wettbewerb über sechs Runden durchsetzen. 168 Spieler gehen an den Start und die erfolgreichsten 35 werden in den Kreis der für alle Turniere spielberechtigten Tour-Profis aufgenommen. Eine Nervenschlacht! Allein den Cut zu schaffen ist schon ein Riesenerfolg, denn der berechtigt anhand der vergebenen Kategorie zur Teilnahme an zehn bis 15 von insgesamt knapp 50 Turnieren. Das allein wäre für die ehrgeizigen Youngster schon ein Riesenschritt.

So long, Ihr und Euer Sven Strüver


PS.: Bei Sonne und Wind nahe Gibraltar ist das gesamte Repertoire gefordert. Physis und Psyche. Ganz wichtig: Nervenstärke. Eine Voraussetzung für Erfolg, die einem entweder angeboren ist - oder die man sich hart erarbeiten muss. Um wertvolle Erfahrungen fürs Lebens eines Professionals sind die Jungs auf jeden Fall am Ende dieser Hammerwoche reicher.