Strüvers Tour Inside: (M)ein Leben auf der Tour - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Strüvers Tour Inside (M)ein Leben auf der Tour

Ab heute wird der Profi-Golfer Sven Strüver für SPIEGEL ONLINE jeden Mittwoch eine Exklusiv-Kolumne schreiben. Teil 1 berichtet von den Vorbereitungen zum Saisonauftakt in Südafrika.
Von Sven Strüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lampenfieber? Ein bisschen schon. Doch ich brenne auf das erste Turnier in diesem Jahr. Denn endlich geht es wieder los. Der erste Wettbewerb auf der Europäischen Tour steht ab Donnerstag auf dem Programm: Die Alfred Dunhill Championships im Houghton GC Johannesburg, Südafrika. Form gehalten, Form verbessert? Ich bin schon mächtig gespannt, wie wir uns in Südafrika schlagen.

Wir? Ja, Deutschlands Profigolf entwickelt sich. Langsam, aber stetig. Denn zusätzlich zu Bernhard Langer, Alexander Cejka und Thomas Gögele und mir haben jetzt mit Erol Simsek und Tobias Dier zwei weitere deutsche Golfer den Sprung auf die europäische Tour geschafft. Wir kennen uns untereinander sehr gut und sehen uns jetzt in dieser Formation regelmäßiger auf den großen Turnieren der European Tour. Toll, dass sich der Kreis von Freunden, mit denen ich während der Turnierwoche tagsüber trainieren und abends Karten spielen oder Essen gehen kann, so vergrößert hat. Langeweile adieu.

Langeweile adieu


Denn nicht immer kann mich meine Frau Stephanie mit unserer Tochter Lily Josepha begleiten. Die beiden bleiben auch jetzt in Florida, wo wir nahe Boca Raton seit Anfang November wunderschöne, aber für mich auch arbeitsintensive Monate verbracht haben. Für mein großes Ziel, unter die Top 100 der Welt zu kommen und in Europa wieder den Anschluss an die Spitzenspieler herzustellen, habe ich nämlich nach Abschluss der vergangenen Saison ohne größere Pause weitertrainiert. Und ich bin froh, dass ich zum richtigen Moment meinen körperlichen Bestzustand erreicht habe. Meine Übungseinheiten zur Festigung der athletischen Fähigkeiten haben Schweiß gekostet, eine Menge Spaß gemacht und - so hoffe ich - viel gebracht.

Im Golfclub Adios in der Nähe von Boca Raton und im Golfclub Lake Nona bei Orlando ging's mir beim Golfen darum, die Grundlagen noch einmal systematisch zu überprüfen und an Schwächen zu feilen. Mein Gefühl sagt mir, dass ich die Hölzer und Eisen auch bei großen Turnieren auf sehr anspruchsvollen Plätzen so gut einsetzen kann wie beim Training. Auch im Golfen steht und fällt die Konzentration mit der Kondition. Alles in allem gibt mir meine austrainierte Physis viel Zuversicht und Selbstvertrauen. Mental fühle ich mich frisch und ausgeruht. Das harmonische Zusammensein mit meiner Familie in den vergangenen fast drei Monaten hat einen gehörigen Teil dazu beigetragen.

Die European Tour selbst feiert in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag. Die Geschichte der Tour ist ganz eng verbunden mit ihren Gründer John Jacobs, der vor drei Jahrzehnten den Meilenstein für das europäische Profi-Golf setzte. Damals, als noch niemand auch nur einen blassen Schimmer von der atemberaubenden Entwicklung in der Schläger-, Schaft- oder Ball-Fertigung hatte, gab es gerade mal 24 Turniere und dafür ein Gesamtpreisgeld von rund einer Million Mark. Das hat sich drastisch geändert. Im Jahr 2001 gibt es 48 Turniere in 24 Ländern. Der Golf-Zirkus ist zu einem ganz, ganz ernsthaften Business geworden. Ein Geschäft, in dem sich nur die Besten durchsetzen - und das ausgesetzte Preisgeld gewinnen.

Auf den Ryder Cup sind alle heiß


Apropos Preisgeld. Die Summe der eingespielten Euros, Pfunds und Dollars ergibt die Order of Merit, die Rangliste. Und die entscheidet hauptsächlich darüber, wer Europa Ende September beim 34. Ryder Cup in The De Vere Belfry Wishaw, England, vertritt. Und darauf sind eigentlich alle richtig heiß.

Ab morgen geht's in Johannesburg um rund 1,5 Million Mark und Ryder-Cup-Punkte. Der Engländer Nick Faldo ist dabei wie auch der Schwede Mathias Grönberg. Zu den aussichtsreichsten Kandidaten auf eine Platzierung ganz weit vorn im Feld gehören auch immer Mark McNulty (Zimbabwe) oder der Südafrikaner Retief Goosen. Aus Deutschland gehen Thomas Gögele, Tobias Dier, Erol Simsek und ich an den Start. Titelverteidiger Anthony Wall ist auch dabei. Der Engländer schoss vergangenes Jahr eine 68er-Schlussrunde und siegte mit insgesamt zwölf Schlägen unter Par und zwei Schlägen Vorsprung vor Philipp Price und Gary Orr. Das war für ihn vor zwölf Monaten eine tolle Geschichte. Wall hat später gesagt, dass der in eine Parklandschaft eingebettete Houghton Golfclub etwas für Golfer sei, die für gute Schläge belohnt werden.

In der Hoffnung, dass mir davon morgen auch einige gelingen, sage ich für heute so long, Ihr und Euer Sven Strüver