Studie Mehrheit deutscher Spitzensportler verdient unter Mindestlohn
Deutsche Delegation bei den Olympischen Spielen 2016
Foto: Valdrin Xhemaj/ dpaDer durchschnittliche Stundenlohn von deutschen Spitzenathleten, die von der Deutschen Sporthilfe gefördert werden, liegt bei 7,41 Euro. Das geht aus einer Studie hervor, die die Stiftung Deutsche Sporthilfe am Donnerstag veröffentlicht hat. Damit liegt das Einkommen von Sportlern unter dem gesetzlichen Mindestlohn. Der lag 2018 bei 8,84 Euro und wurde zum Jahreswechsel auf 9,19 Euro erhöht.
Berücksichtigt wurde der Zeitaufwand für Sport, Beruf und Ausbildung. Laut der Umfrage unter 1087 Sportlern liegt dieser im Durchschnitt bei 56 Stunden pro Woche, die sich in 32 Stunden Sport und 24 Stunden beruflicher Tätigkeit oder Ausbildung aufteilen. "Das Investment der Athleten zahlt sich oft nur im Falle eines Olympiasieges aus", sagte Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln, der die Sportler im Auftrag der Deutschen Sporthilfe befragt hatte.
Ziel der Untersuchung sei es, "den Finger in die Wunde zu legen", sagte der Sporthilfe-Vorsitzende Michael Ilgner. Die Teilnehmerzahl repräsentiere zahlenmäßig etwa drei Viertel der deutschen Olympia-Mannschaft bei Sommerspielen. Nicht von der Studie berücksichtigt wurden allerdings Profis aus Ball- und Spielsportarten, Profi-Wintersportler und außergewöhnlich erfolgreiche Sportler. Ein Umstand, der dem Auftraggeber der Studie entgegenkommen dürfte - Stiftungszweck der Deutschen Sporthilfe ist die finanzielle Förderung von Sportlern.
Im Fazit der Studie heißt es: "Der Spitzensport in Deutschland produziert öffentliche Güter: nationale Repräsentation, Stolz, Glücksempfinden und Vorbilder." Die meisten öffentlichen Güter wie Straßenbau, Verteidigung und Bildung würden durch öffentliche Gelder finanziert, während Leistungssportler dafür nicht entlohnt würden. Die Gesellschaft sei sich "über diese Produktionslogik" nicht im Klaren und überschätze "die Einkommen der Spitzensportler massiv."
Deutsche Spitzensportler müssen in ihrer #Karriere auf rund 58.000€ verzichten - die PM zur neuen Studie der @SpoHoKoeln im Auftrag der #Sporthilfe zur Lebenssituation deutscher Spitzenathleten 👉 https://t.co/Gg6vAVh0m7 @mzwiebler
— Sporthilfe (@sporthilfe) January 11, 2019
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Leistungssportler bleiben oft Geringverdiener
Wie die Studie ergab, beläuft sich das jährliche Bruttoeinkommen der Athleten im Schnitt auf 18.680 Euro, im Monat seien es 1.560 Euro. Diese Einnahmen stammen zu rund 25 Prozent aus privaten Quellen wie beruflicher Tätigkeit, Ausbildungsförderung oder Unterstützung von Familie und Bekannten.
Von der Sporthilfe unterstützte Athleten bekamen im vergangenen Jahr 550 Euro pro Monat. Im Jahr 2010 waren es noch 250 Euro. "Unser Ziel sind 1000 Euro", sagte Ilgner. Im Alter von 18 bis 30 Jahren müssten die Sportler im Vergleich zur normalen Bevölkerung auf ein Einkommen von mindestens 58.000 Euro verzichten.
Trotzdem sind die Topathleten in Deutschland den Ergebnissen der Studie zufolge zufrieden mit ihrem Leben - der Durchschnittswert lag bei 7,4 bei einer Skala von 0 (ganz und gar unzufrieden) bis 10 (ganz und gar zufrieden). Die Zufriedenheit mit dem persönlichen Einkommen fiel mit einem Wert von 5,0 jedoch niedriger aus.
Die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestags, Dagmar Freitag, nannte die Studie einen "Weckruf für alle Verantwortlichen im Sport." Des Weiteren sagte sie: "Wir müssen uns weiterhin intensiv für eine bessere finanzielle Ausstattung unserer Spitzensportler einsetzen." Der Sportausschuss habe die Notwendigkeit erkannt und werde eine direkte Förderung für die betroffenen Athleten einleiten.