Surf-Legende Dunkerbeck: Der letzte Sunnyboy - DER SPIEGEL
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Surf-Legende Dunkerbeck Der letzte Sunnyboy

Björn Dunkerbeck ist der berühmteste Windsurfer der Welt. Ab heute steuert er auf Sylt seinen 36. Weltmeistertitel an. Doch der Niederländer hat längst eine viel größere Aufgabe: Er muss seinen Sport retten und sucht gleichzeitig seinen Nachfolger.
Von Andreas Kröner
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn Björn Dunkerbeck sich auf einen Weltcup vorbereitet, sieht das so aus: Ein Sponsoren-Treff auf dem Münchner Oktoberfest, tags darauf ein Fernseh-Interview in Leipzig, danach diverse Termine auf Sylt, wo sich ab heute die besten Surfer der Welt messen. Oder besser gesagt: Die anderen Surfer der Welt und Dunkerbeck. Denn der ist längst eine Legende. Vielleicht die letzte, die seine Sportart hervorgebracht hat.

Der 37 Jahre alte Niederländer ist mit 35 Weltmeistertiteln nicht nur der erfolgreichste Windsurfer aller Zeiten, sondern auch der perfekte Vermarkter seines Sports: ein Modellathlet, 1,92 Meter groß, braungebrannt, blonde Haare, Sonnenbrille und immer freundlich. Niemand verkörpert die Surf-Romantik besser als der Frauenschwarm. Für die Werbung sind solche Typen Gold wert, und es wundert nicht, dass die Deutschen Dunkerbeck vor allem aus der Nutella-Werbung Mitte der 90er Jahre kennen. Heute freut sich Weltcup-Sponsor Colgate über sein weißes Lächeln, und sein persönlicher Sponsor Red Bull filmt ihn beim Erkunden neuer Surfreviere. Dunkerbeck selbst tut alles, um im Blickpunkt zu bleiben: Auch für zweifelhafte Auftritte wie bei Stefan Raabs Wok-WM ist er sich nicht zu schade. "Das gehört dazu und hilft dem Event", sagt der Surfkönig, "Promotion fürs Windsurfen ist ohnehin eine Lebensaufgabe für mich." Und im Zweifelsfall wichtiger als Training für den Weltcup.

Dabei ist Dunkerbecks sportlicher Ehrgeiz ungebrochen. Seinen 35 WM-Titeln will er in Sylt einen weiteren folgen lassen. Die Saison ist zwar nicht so gut gelaufen wie im Vorjahr, aber in seiner Paradedisziplin Slalom rechnet er sich Chancen aus. Dunkerbecks größes Ziel ist jedoch ein anderes: Der Geschwindigkeitsweltrekord. Die für Surfer magische Grenze von 50 Knoten, umgerechnet 92,6 Stundenkilometer, will er knacken und damit schneller sein als alles, was zuvor per Segel auf dem Wasser unterwegs war. "Diesen Rekord will ich unbedingt, dafür gebe ich alles", sagt Dunkerbeck. Den bisherigen Spitzenwert erzielte der Windsurfer Finan Maynard aus Irland mit 48,7 Knoten.

Neben Titeln und Weltrekorden will Dunkerbeck vor allem neue Surfgebiete erkunden. Vor Namibia und Sumatra war er schon, weitere Reviere sollen folgen. "Das Erlebnis, an einem Ort zu sein, an dem noch nie ein Mensch war, ist toll. Da fühlt man sich ein bisschen wie Robinson Crusoe", erzählt er fasziniert. An Begegnungen mit den Ureinwohnern der Meere hat er sich längst gewöhnt. "Auf den Kanaren treffe ich fast jeden Tag den selben Hammerhai", sagt Dunkerbeck. "Aber das ist nicht gefährlich. Solange man nicht direkt auf einen Hai fällt, passiert nichts. Das ist ungefährlich."

Schillernde Persönlichkeiten wie der Niederländer, der "Globus, Strand und Salzwasser" als seine Lebensmittelpunkte bezeichnet, sind selten in der einstigen Trendsportart Windsurfen. Als Dunkerbeck neun Jahre alt war, zogen er und seine ebenfalls surfbegeisterten Eltern von Dänemark nach Gran Canaria. Vater Eugen, ein Holländer, eröffnete eine Surfschule und der kleine Björn verbrachte mehr Zeit auf dem Surfbrett als in der Schule, die er mit der mittleren Reife abschloss. Mit 14 fuhr er seinen ersten Weltcup, mit 16 wurde er Profi, mit 18 schlug er zum ersten Mal Surf-Legende Robby Naish und wurde bester Allround-Surfer der Welt.

Dunkerbeck ist ein Glücksfall für seinen kriselnden Sport. Neben Surf-Opa Robby Naish, 43, der dem Windsurfen Mitte der Siebziger zum Durchbruch verhalf, ist er der einzige Star, den die Disziplin bisher hervorgebracht hat. Doch nur über neue Berühmtheiten kann eine Sportart an Popularität gewinnen. "Es wäre zu wünschen, dass ein paar große Namen nachkommen, die ein paar Jahre an der Spitze durchhalten", sagt Dunkerbeck. Doch die Leistungsdichte ist größer geworden, was der Öffentlichkeitswirkung kurioserweise entgegenwirkt. Denn in jeder Einzeldisziplin dominieren jetzt Experten. Allrounder, die in allen drei Sparten vorne mitfahren, sind nicht in Sicht.

In Deutschland sank die Zahl der verkauften Surfbretter von 100.000 pro Jahr in den achziger Jahren auf 20.000 um die Jahrtausendwende. In den letzten Jahren werde zwar wieder etwas mehr Bretter verkauft, doch die Konkurrenz macht der "Mutter aller Funsportarten" (Dunkerbeck) schwer zu kämpfen. "Vor zwanzig Jahren gab es nur Windsurfen. Heute machen zehn, fünfzehn andere Funsportarten dem Windsurfen Konkurrenz und buhlen um die gleiche Zielgruppe", weiß der Niederländer. Wellenreiten oder Kitesurfen aber auch Mountainbiken und Inlineskaten gelten längst als populärer als das althergebrachte Windsurfen, das telegenere Beach-Volleyball ist als Event mit Sonne, Sommer und Strand längst vorbeigezogen.

Dunkerbeck versucht alles, damit Windsurfen nicht allmählich zu einem Randereignis verkommt. Er ist von Werbetermin zum Wettbewerb und zurück soviel durch die Welt gereist, dass er mittlerweile sechs Sprachen spricht: Dänisch, Holländisch, Spanisch, Englisch, Norwegisch und Deutsch. "Auch Französisch klappt schon ganz gut", fügt Dunkerbeck lächelnd hinzu, "Sprachen zu lernen fällt mir sehr leicht." Seinen Hauptwohnsitz hat er in der Steueroase Andorra, oft ist er mit der Familie auch auf Gran Canaria. "Zu den Weltcups in der Nähe fährt meine Frau mit den Kindern mit, weite Touren mache ich alleine", sagt der zweifache Vater, der sich nie länger als ein paar Wochen an einem Ort aufhält. Seit seine beiden Kinder Alba (3) und Liam (2) auf der Welt sind, sei er ruhiger geworden, sagt er. Sesshafter werden will die Familie erst, wenn die Kinder in die Schule kommen; wo genau, ist noch nicht entschieden. Ein Strand, das steht fest, sollte in der Nähe sein.