Sydney 2000 Poschmann, du alter Wetterfrosch
Alles hat ein Ende, auch Olympia. Und vielleicht ist es sogar gut so, weil ich mir sonst eine neue Freundin suchen müsste. Männer, die ständig vor der Glotze hängen, sagt sie, seien nicht attraktiv. Insofern kommt mir die olympische Pause sehr gelegen. Und was sind schon vier Jahre? Eine Ewigkeit, ich weiß, vor allem, wenn man bedenkt, dass ein Mensch in seinem Leben nur rund zwanzig Olympische Spiele zu sehen bekommt (die ersten und letzten nicht einmal bei vollem Bewusstsein). Seit ich lebe, gab es schon acht Olympiaden. Oh, je. Ich werde alt.
Sydney aber wird mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben. Gern werde ich an den lustigen Schwimmer aus Äquatorialguinea denken, der als langsamster Schwimmer in die olympische Geschichte eingegangen ist. Es war ein PR-Gag, ich weiß, aber trotzdem. Er hat mir Hoffnung gemacht, zum ersten Mal, dass auch ich eine Chance hätte bei Olympia. Er und ich hätten uns einen harten Kampf um den letzten Platz geliefert, und dann wäre ich doch noch Vorletzter geworden. Es ist der "Big Brother-Effekt", der die Olympischen Spiele erreicht hat: Wer sich doof genug anstellt, wird berühmt.
Das sind doch tolle Perspektiven für die nächsten Olympischen Spiele! Eine wunderbare Vorstellung! Leute, die noch nie auf einem Pferd geritten sind, nehmen am Springreiten teil. (Tolle Stürze!) Oder beim Hürdenlauf, beim Turmspringen oder Reckturnen. Die nächsten Spiele könnten sehr unterhaltsam werden, dank des Weltrekordlers aus Äquatorialguinea.
Ach, und wie hab ich geflennt, als sich Cathy Freeman die Goldmedaille über 400-Meter holte. Für mich war sie die sympathischste Athletin. Nach dem Sieg lief sie die Ehrenrunde, neben ihr eine Horde Fotografen und dann stürzt einer von ihnen. Was macht Cathy Freeman? Sie bleibt stehen, beugt sich hinunter und hilft ihm auf die Beine. Ist das nicht großartig! Oder Isabell Werth, die mit ihrem Gaul Gigolo nur Zweite geworden ist, damit die Holländerin Anky van Grunsven auch mal Gold holt. Das sind wahre Sportsfreundinnen!
Jetzt sind die Spiele zu Ende, das Feuer erloschen, die Fahne eingeholt. Und die Deutschen? Die liegen in der Medaillenbilanz auf Platz fünf. Wäre es nach den Kommentatoren von ARD und ZDF gegangen, hätten sie natürlich mehr Medaillen holen müssen als die USA und Russland zusammen. Aber Olympia hat gezeigt, dass die Kommentatoren auch nicht zuverlässiger sind als die Wetterfrösche. Poschmann und Co. sind keine Götter! Gott sei Dank. Und vielleicht werden einige von ihnen in vier Jahren nette Volksmusiksendungen moderieren. Vor allem Johannes B. Kerner hätte das Zeug dazu, sagt meine Freundin, so einschläfernd, wie der sei.
Zum Schluss noch ein kleiner Tipp für die nächste Eröffnungsfeier. Liebes IOC, es wirkt ein bisschen lächerlich, wenn ein Sportler einen Eid darauf spricht, dass auf Doping verzichtet wird und dann täglich Sportler positiv getestet werden. Außerdem: Hast du schon mal an die arme Sportlerin gedacht, die diesen Eid vortragen musste? Die wird doch von den anderen gemobbt. Soll doch der Samaranch den Eid sprechen, dem würde ich sogar glauben, dass er nicht gedopt ist. Mehr aber auch nicht.