Sydney: IOC führt Epo-Tests ein - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Sydney IOC führt Epo-Tests ein

Bei den Olympischen Spielen in Sydney werden erstmals offizielle Tests auf Epo-Doping vorgenommen. Experten begrüßten die Entscheidung des IOC.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lausanne/Neuss - Die Entscheidung gab der Präsident der Medizinischen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Prinz Alexandre de Merode, am Dienstagnachmittag bekannt, nachdem eine Expertenrunde 36 Stunden lang im IOC-Stammsitz in Lausanne zwei unterschiedliche Testverfahren aus Australien und Frankreich geprüft hatte.

Das 15-köpfige Gremium mit Mitgliedern der Medizinischen Kommission sowie sieben unabhängigen Wissenschaftlern kam "einstimmig" zu dem Ergebnis, dass beide Verfahren im Zusammenspiel den Gebrauch des Dopingmittels Erythropoietin (Epo) im Blut nachweisen können und deshalb "zugelassen werden sollen".

"Das australische Verfahren allein hätte uns nicht genügt, doch gemeinsam mit dem französischen können wir nun Epo nachweisen", sagte de Merode. Ab dem 2. September sollen bis zum Ende der Spiele insgesamt 300 Tests vorgenommen werden. "Es ist möglich, jeden Athleten zu jeder Zeit zu testen. Vielleicht werden wir auch noch mehr Tests durchführen", so der Belgier, der der Medizinischen Kommission seit 33 Jahren vorsteht.

"Mit dem Ergebnis müssen sich nun zunächst unsere Rechtsexperten beschäftigen. Die endgültige Zustimmung könnte dann auf der Sitzung der IOC-Exekutive am 28. und 29. August in Lausanne erfolgen", sagte Patrick Schamasch, der Direktor der Kommission, zum weiteren Verfahren.

"Gut, endlich", war die erste Reaktion von Professor Klaus Müller vom deutschen Doping-Labor in Kreischa, "es ist auch gut, dass beide Verfahren zur Anwendung kommen. Gut ist auch, dass sie noch vor Sydney eingeführt werden, denn eigentlich sind beide Verfahren ja schon länger bekannt."

Eine Einschränkung macht Müller jedoch: "Ich hätte mir gewünscht, dass in Sydney auch auf Wachstumshormone getestet wird. Hier gibt es je bereits seit Anfang 1999 ein Verfahren der Münchner Arbeitsgruppe Straßburger, das zuverlässig wäre."

Durch die Zufuhr von Epo wird die Anzahl der Sauerstoff transportierenden roten Blutkörperchen erhöht. Dadurch soll bei Ausdauersportlern eine zehn- bis 15-prozentige Leistungssteigerung möglich sein. Epo birgt jedoch auch hohe gesundheitliche Risiken. Durch eine zu große Anzahl roter Blutkörperchen kann es im Blut zu Verklumpungen kommen, die zum Tode führen können.

Die australische Methode auf Basis von Bluttests kann Epo nicht direkt nachweisen, sondern nur Veränderungen im Blut feststellen, die durch den Gebrauch des Dopingmittels hervorgerufen werden. Das direkte französische Verfahren hingegen basiert auf Urintests, mit denen synthetisches Epo vom körpereigenen Hormon unterschieden werden kann. Das Testverfahren in Sydney soll eine Kombination beider sein: Für die A-Probe wird das australische Verfahren angewendet, für die B-Probe das französische.

Das französische Verfahren sollte bereits bei der Tour de France angewendet werden, doch der Radsport-Weltverband (UCI) befand zum damaligen Zeitpunkt, dass noch weitere Tests nötig seien.