T-Mobile: Ärzte outen sich als Doping-Helfer - DER SPIEGEL
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T-Mobile Ärzte outen sich als Doping-Helfer

Die Ereignisse im deutschen Doping-Skandal überschlagen sich: Erst verkündete T-Mobile, dass Sportdirektor Rolf Aldag binnen Stunden ein Geständnis ablegen wird. Kurz darauf gestanden die beiden Teamärzte und Ex-Fahrer Udo Bölts Manipulationen in ihrer Zeit beim Team Telekom.
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Hamburg - Die Freiburger Sportmediziner Andreas Schmid und Lothar Heinrich haben erstmals zugegeben, jahrelang Doping-Praktiken im Bonner Radrennstall Telekom unterstützt zu haben. Ihr überraschendes Geständnis gaben die beiden Radsportärzte am Abend in getrennten persönlichen Erklärungen ab.

"Ich räume ein, in den neunziger Jahren das Doping einzelner Radprofis unterstützt zu haben", sagte Schmid der Nachrichtenagentur dpa und korrigierte damit eine eigene schriftliche Erklärung vom Mittwochabend. Darin war von "seit Mitte der neunziger Jahre" die Rede. Mit der Korrektur wollte der Mediziner ausdrücklich klarstellen, "dass das Nachfolgeteam T-Mobile nicht betroffen" sei.

"Ich habe den Radsportlern auf Anforderung Drogensubstanzen, insbesondere Epo, zugänglich gemacht", so Schmid weiter. Er habe Dopingmittel aber "niemals einem Sportler ohne dessen Wissen oder gar gegen seinen Willen" verabreicht. Schmid erwägt, seine Tätigkeit als Sportarzt der Uniklinik Freiburg zu beenden.

Sein Freiburger Kollege Lothar Heinrich räumte in einer kurzen Mitteilung ebenfalls ein, "in meiner Funktion als Sportmediziner an Doping von Radsportlern mitgewirkt zu haben". Er bedauere diese ärztlichen Verfehlungen. Auch der ehemalige Telekom-Profi Udo Bölts gestand am Abend, in der Vergangenheit gedopt zu haben. In den ARD-Tagesthemen entschuldigte er sich bei seinen Fans.

Nach dem Doping-Geständnis von Radprofi Bert Dietz hatte die Uniklinik am Dienstag die Sportmediziner Heinrich und Schmid von ihrem Dienst freigestellt. Nach Angaben des Uni-Rektors Wolfgang Jäger geschieht dies aus arbeitsrechtlichen Gründen bei vollen Bezügen. Anfang des Monats waren beide Mediziner nach den Anschuldigungen des ehemaligen Telekom-Betreuers Jef d'Hont bereits von T-Mobile suspendiert worden. Am Dienstag hatte die Uniklinik ihre noch beim Team T-Mobile tätigen Mediziner mit sofortiger Wirkung zurückgezogen.

Wenige Stunden zuvor hatte T-Mobile-Teamchef Bob Stapleton für einen Paukenschlag gesorgt. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" kündigte Stapleton für morgen ein Doping-Geständnis des langjährigen Telekom-Profis und jetzigen T-Mobile-Sportchefs Rolf Aldag an: "Es hat eben auch bei ihm Momente der Schwäche gegeben, und jetzt müssen wir versuchen, dass wir da raus kommen und mit ihm weiter machen können", hatte Stapleton über Aldag gesagt, der morgen um 11.30 Uhr zu einer Pressekonferenz nach Bonn eingeladen hat. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" habe sich Aldag eigentlich gemeinsam mit seinem langjährigen Zimmernachbarn Erik Zabel outen wollen, doch der ist derzeit für das Team Milram in Spanien im Einsatz.

"Ich kann nachvollziehen, welcher Druck durch die Regeln dieser schon erwähnten Parallelgesellschaft entsteht. Ich glaube, dass Rolf heute sehr engagiert ist und sehr zu dem steht, was wir jetzt tun", hatte Stapleton gesagt.

Aldag gehörte 1997 bei der Tour de France zur Telekom-Mannschaft mit dem siegreichen und mittlerweile ebenfalls unter Doping-Verdacht stehenden Jan Ullrich, für den die Luft nach den jüngsten Geständnissen seiner jahrelangen Weggefährten jetzt immer dünner wird.

Der Anwalt des 1997er Tour-de-France-Siegers Jan Ullrich, Peter-Michael Diestel, sagte im ZDF, man müsse sich von der Vorstellung verabschieden, dass Menschen mit 40 Kilometern pro Stunde auf dem Fahrrad über die Pyrenäen fahren könnten. Das vollständige Interview sollte am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin gesendet werden.

Ähnlich wie Ullrich hatte auch Aldag stets behauptet, nie etwas von systematischem Doping beim Team Telekom gewusst und auch selbst nie verbotene Mittel eingenommen zu haben. Offenbar will der deutsche Radrennstall trotz der neuen Erkenntnisse an Aldag festhalten. "Meine Absicht ist es, mit Rolf weiter zu arbeiten. Er ist immer noch die beste Wahl für den Posten, und er ist immer noch in der Lage, den Job gut zu machen", so Stapleton.

Gleichzeitig hatte der Teamchef seine persönliche Enttäuschung zum Ausdruck gebracht: "Natürlich haben wir beide ein paar persönliche Dinge untereinander zu klären, aber alles, was er für die Sache gemacht hat, hat mich überzeugt und war nahezu perfekt. Er hat keinen Fehler in seiner jetzigen Tätigkeit als Sportdirektor gemacht. Aber klar, er hätte natürlich offener mit seiner Vergangenheit umgehen müssen."

Stapleton hofft, dass T-Mobile das Sponsoren-Engagement bei seinem Team trotz der jüngsten Enthüllungen weiter führt: "Das glaube ich schon, ich denke, dass ihre Unterstützung erhalten bleibt. Aber ich respektiere, wenn es schwierig für sie sein sollte. Ich werde das Team jedenfalls nur mit T-Mobile weiterführen und mir keinen anderen Sponsor suchen", so Stapleton.

T-Mobile-Sponsoringleiter Stephan Althoff hatte heute vor dem Vorstoß seines Teamchefs die Fortsetzung des Sponsoring angekündigt: "Wir haben eine grundsätzliche Verantwortung für den Radsport und einen Vertrag mit dem T-Mobile-Team bis 2010", hatte Althoff gesagt. In den vergangenen Tagen hatte neben Dietz auch der frühere Telekom-Profi Christian Henn Epo-Doping eingestanden und die schweren Vorwürfe d'Honts über systematisches Doping im Team Telekom bestätigt.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hält trotz der jüngsten Entwicklungen zumindest vorerst an der Radsport-Berichterstattung fest. Dies gilt 2007 insbesondere für Tour de France (7. bis 29. Juli), Deutschland-Tour (10. bis 18. August) und Straßen-WM in Stuttgart (26. bis 30. September). ARD-Programmdirektor Günter Struve und ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender wiesen vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages in Berlin eine Boykott-Forderung des Ausschuss-Vorsitzenden Peter Danckert (SPD) zurück.

mig/sid/dpa

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