"Tatort" aus Dortmund: Basejumper - mutig oder irre? - DER SPIEGEL
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Der "Tatort"-Faktencheck Basejumper - mutig oder irre?

Er sucht den Adrenalinkick und bezahlt mit seinem Leben: Im Dortmunder "Tatort" stirbt ein Basejumper - weil sein Fallschirm manipuliert war. Einige wichtige Fakten zur gefährlichen Sprungtechnik.
Von Maria Kurth
"Tatort"-Oberkommissarin Nora Dalay: Fasziniert vom Höhenrausch
"Tatort"-Oberkommissarin Nora Dalay: Fasziniert vom Höhenrausch

"Tatort"-Oberkommissarin Nora Dalay: Fasziniert vom Höhenrausch

Foto: ARD
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein Schwerverletzter wird vor der Notaufnahme abgelegt. Niemand weiß, wie er dort hingekommen ist. Schnell wird klar, dass der Mann passionierter Basejumper war. Seine ebenfalls vom Höhenrausch infizierte Clique gerät ins Visier der Ermittler.

Dabei erliegt Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) in dem Extremsport-"Tatort" aus Dortmund dem Reiz des Verbotenen. Sie stürzt sich mit Jules Lanke (Albrecht Schluch) ins Abenteuer - und verdrängt, dass es sich bei dem Basejumper um einen Hauptverdächtigen handelt.

"Ich springe nicht, um zu sterben, sondern um zu leben", sagt Lenke und fasziniert Dalay mit seiner unerschrockenen Art. Ihr Kollege Daniel Kossik (Stefan Konarske) macht keinen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber den Aktionen der Basejumper. Er findet Blut des Opfers in Lenkes Wagen, zudem spürt Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) den vergrabenen Fallschirm an einem Hochofenwerk auf. Der Schirm war manipuliert.

Fallschirmspringer-"Tatort" aus Dortmund
2 Min

"Das kontrolliert man doch vor dem Sprung, oder?", fragt Faber zu Recht. Ein löchriger Fallschirm, eine durchtrennte Schlaufe - all das bleibt von einem erfahrenen Fallschirmspringer und Basejumper unbemerkt? Die wichtigen Fragen im Fakten-Check.

Was ist Basejumping und wie gefährlich ist es wirklich?

Basejumping gilt als die gefährlichere Variante des Fallschirmspringens. Der Unterschied: Basejumper springen nicht aus dem Flugzeug, sondern von einem festen Objekt. Es gibt keinen Reserveschirm, da die Höhen niedriger sind. Wenn sich der Schirm nicht öffnet, würde der Reserveschirm sowieso zu spät kommen. Die Gefahr unerwarteter Störfaktoren ist größer und sorgt für den besonderen Kick.

"In der Statistik ist das Risiko beim Basejumping um das 20fache höher als beim Fallschirmspringen", sagt Jürgen Mühling, der zu den bekanntesten Objektspringern Deutschlands zählt. Wie gefährlich der Sprung auf einer Skala von eins bis zehn sei, hänge vor allem vom Erlebniswunsch des Springers ab. Oft ist das kalkulierte Risiko zu wenig, der Wunsch, Grenzen zu sprengen, zu groß.

"Base" ist ein Akronym und steht für:

B = buildings (Gebäude)
A = antenna (Sendemast)
S = span (Brücke)
E = earth (Erdboden, Felsen)

Ist Basejumping in Deutschland legal?

Ja - wenn die Genehmigung vorliegt. Der Eigentümer des Objekts und der Landefläche muss sein Einverständnis geben. "Es gibt dafür in Deutschland wenig Zustimmung, weil in diesem Fall das Haftungsrecht beziehungsweise die Haftungsangst greifen. Viele Menschen sagen sich: Was habe ich davon, wenn du von meinem Objekt springst?", sagt Mühling: "Deshalb gibt es auch eine illegale Komponente." Mühling hat vorgesorgt und sich einfach sein eigenes Windrad gekauft.

Kann ein manipulierter Schirm überhaupt unbemerkt bleiben?

Schwer vorstellbar, weil Basejumper in der Regel erfahrene Fallschirmspringer sind. Auch das Opfer im Dortmunder "Tatort" hatte bereits viele Sprünge absolviert. Und doch stirbt es, weil sein Fallschirm manipuliert wurde. Doch es gibt einen Faktor im "Tatort", der diese tödliche Unfallursache glaubwürdig erscheinen lässt: "Es kommt immer auf die Manipulation als solche an. Wenn man nachts springt, kann eine Manipulation unbemerkt bleiben. Sie bleibt sozusagen im Dunkeln verborgen", sagt Mühling.