Team Germany Segel auf Halbmast
Jeder kann mit seinem Geld machen, was er will. Zum Beispiel Kaugummi kaufen, das Badezimmer tapezieren oder beim America's Cup mitsegeln. Wer ausreichend Geld hat, kann Kaugummifabriken übernehmen, in Golddukaten baden, aber: Den America's Cup kann er nicht kaufen. Das haben in 156 Jahren genügend Reiche versucht, vom britischen Teemogul Sir Thomas Lipton bis zum US-Softwaretycoon Larry Ellison, der in den nächsten Wochen noch die Chance hat, die begehrteste Segeltrophäe der Welt zu gewinnen. Denn der 62-jährige Multimilliardär zog mit seinem Team BMW Oracle Racing bei seinem dritten Anlauf ins Halbfinale der Cup-Herausforderer ein, das ab Montag im spanischen Valencia ausgetragen wird.
Im United Internet Team Germany dagegen hängen die Segel seit heute auf halbmast. Die erste deutsche Kampagne in der langen Geschichte des Segelduells enttäuschte als Vorletzter auf der ganzen Linie. Dabei hatte Teameigner Ralph Dommermuth, der immerhin mehr als eine Milliarde Euro schwer sein soll, reichlich Geld in die schwarz-rot-goldene AC-Premiere gepumpt. Von protzigen 50 Millionen Euro war immer die Rede, aber auch wenn es nur rund 40 Millionen waren, hätte das reichen müssen, um zumindest im Mittelfeld der elf Syndikate mitzusegeln.
Aber der America's Cup ist ein Haifischbecken. Wo viel Geld ist, sind auch immer gleich welche, die möglichst viel davon haben wollen, seien es mäßige Segler oder krumme Geschäftemacher. Als Dommermuth, der eine 30-Meter-Luxusyacht sein Eigen nennt, sich aber nicht als Regattafreak bezeichnen würde, im April 2005 als Retter der Segelnation auf die Bühne trat, vertraute er sein Geld ausgerechnet dem Münchener Uwe Sasse an, der unter der Namen "Fresh Seventeen" mit fragwürdigen Methoden auf Sponsorenfang war. Der damals wegen Insolvenzverschleppung vorbestrafte Tausendsassa wurde nach kurzer Zeit und einem schmutzigen Rosenkrieg im Herbst aus der Kampagne herausgekauft.
Mast- und Schotbruch
Dadurch hatte das erst wenige Stunden vor Meldeschluss gestartete Projekt weitere wichtige Zeit verloren. Zeit jedoch ist das zweite genauso wichtige Gut, das es im America's Cup zu managen gilt. Denn niemand kann sie kaufen. Der Tag hat nur 24 Stunden, in denen ein Boot entworfen, gebaut und getunt werden muss, die Mannschaft ausgewählt, trainiert und verstärkt werden kann. Das geht in drei oder vier Jahren meist besser als in zwei, weshalb jeder seine Erwartungen gering hallten sollte, der mit wenig Zeit in den America's Cup startet.
Dass Deutschlands dänischer Skipper Jesper Bank mit seinem persönlichen Ziel, ins Halbfinale kommen zu wollen, von vornherein den Mund zu voll genommen hatte, mag dem 50-Jährigen verziehen werden. Manch unerhoffte Untiefe hatte seine Mannschaft in der Vorbereitung zu umschiffen. Wenn zum Beispiel der sprichwörtliche Glück bringende Mast- und Schotbruch eintritt, so wie bei Trainingstests der deutschen Cupper, liegt die Suche nach Gründen oft irgendwo unter schwarzen Kohlefasern begraben. Dass Bank danach bis kurz vor Weihnachten voriges Jahr weiter von der Halbfinalteilnahme träumte, kam eher einem Realitätsverlust gleich.
Platz sieben, den die bejubelten Südafrikaner von Shosholoza mit einem halb so großen Etat wie Team Germany im Louis Vuitton Cup einheimsten, hätte am Ende gereicht, um Bank für seinen historischen Auftritt zu danken. Die deutsche Segelgemeinde war längst bescheiden geworden.
Was sie dem nordischen Nachbarn wohl nie verzeihen wird: Bank sortierte kaltblütig viele Teammitglieder aus, die sich dem dänischen Regiment widersetzten. Angefangen vom Taktiker Markus Wieser über den Sportdirektor Andreas John und den Technikdirektor Eberhard Magg sprangen nicht nur Sympathieträger über die Klinge. Es ging jedes Mal auch Know-how und Manpower über Bord, womit wir beim dritten elementaren Erfolgsfaktor im America's Cup wären.
"Niemand kann die Silberkanne allein gewinnen", sagt Jochen Schümann, der "The Auld Mug" vor vier Jahren mit dem Schweizer Syndikat Alinghi aus Neuseeland nach Europa holte. Wenige Disziplinen sind so komplex, wie die unnachahmliche Mischung aus Technologie und Sport. Es nützt auch gar nichts, einen Generalsstab von 50, 100 oder noch mehr Personen zu beschäftigen, wenn die Ressourcen nicht intelligent geführt gemeinsam in die richtige Richtung arbeiten. Das Designteam von Alinghi unter Leitung des Hamburgers Rolf Vrolijk zum Beispiel, um beim Maß aller Dinge zu bleiben, ist teamintern keine geheime Kommandozentrale, sondern offen für alle Segler, die ihr Scherflein dazu beitragen, die Boote schneller zu machen.
Und das sollte ja das Ziel sein, wenn jemand nicht nur dabei sein, sondern irgendwann mal gewinnen will. Das United Internet Team Germany will heute erklären, wie es weitergehen soll. Dabei spielt nur noch eine untergeordnete Rolle, ob Skipper Jesper Bank endlich aufrichtig die Verantwortung für das Desaster übernimmt und abdankt. Viel wichtiger erscheint, ob und was aus den Fehlern gelernt wurde. Vielleicht erklärt Teamchef Michael Scheeren auch, was die Zukunft wirklich bringen soll, wieder nur eine Marketingmaschine, oder hat er tatsächlich ein Erfolgskonzept? Ralph Dommermuth, der einen Dagobert Duck in der Badewanne auf dem Schreibtisch stehen hat, kann mit seinem Geld sowieso machen, was er will.