Sieg bei US Open Kerber gewinnt die Hitzeschlacht von New York
Angelique Kerber
Foto: Peter Morgan / APAusgangslage: Es klingt wie eine Floskel - aber sie trifft zu: Angelique Kerber ist in der Form ihres Lebens. Zuletzt erreichte sie die Finals von Wimbledon, Rio de Janeiro und Cincinnati. Nun stand die Deutsche, die am Montag Serena Williams an der Spitze der Weltrangliste ablösen wird, auch im Endspiel der US Open. Im gesamten Turnierverlauf gab Kerber keinen Satz ab, ihr Selbstvertrauen ist riesig. Dennoch war die 28-Jährige gewarnt: Gegen ihre Gegnerin, Karolína Plísková, kassierte Kerber vor zwei Wochen in Cincinnati eine deutliche Niederlage. Eine klare Favoritin war nicht auszumachen. Das belegt auch die Bilanz der beiden. Siebenmal trafen Kerber und Plísková schon aufeinander, viermal gewann Kerber, dreimal ihre tschechische Kontrahentin.
Weg ins Finale: Der hatte es in sich. Kerber schlug mit Roberta Vinci (Vorjahresfinalistin), Petra Kvitova (zweifache Wimbledon-Siegerin) und Caroline Wozinacki (ehemalige Weltranglistenerste) gleich mehrere Stars der WTA-Tour. Historisch war aber auch die Leistung von Plísková: Der 24-Jährigen gelang es als erst vierter Spielerin überhaupt, beide Williams-Schwestern beim selben Turnier zu besiegen.
Ergebnis: Angelique Kerber gewinnt die US Open und holt damit ihren zweiten Grand-Slam-Titel. Hier geht es zur Meldung.
Erster Satz: Plísková begann erstaunlich nervös. Die Tschechin ermöglichte Kerber mit vielen leichten Vorhand-Fehlern ein frühes Break zum 1:0. Im Anschluss wehrte Kerber gleich drei Breakbälle ab und verwandelte nach 40 Minuten beim Stand von 5:3 den ersten Satzball der Partie.
Makel des Spiels: Eine Schwäche im Spiel von Kerber auszumachen, fällt einem schwer. Und dennoch gibt es sie: Ihr zweiter Aufschlag lud Plísková immer wieder zu ihren gefürchteten Angriffen von der Grundlinie ein. Doch das gleicht Kerber momentan durch ihre Fitness und ihre exzellente Beinarbeit aus.
Zweiter Satz: Plötzlich schwächelte auch Kerber. Plísková zeigte erstmals Emotionen und nahm Kerber beim Stand von 3:3 den Aufschlag ab. Dank ihres starken ersten Aufschlags gelang es der Tschechin, nach Sätzen auszugleichen. Kerber wirkte zunehmend genervt und suchte immer wieder Augenkontakt mit ihrem Trainer Torben Beltz.
Dritter Satz: War an Dramatik kaum zu überbieten. Kerber haderte mit ihrem Spiel, wirkte plötzlich müde und lag scheinbar aussichtslos zurück. Doch dann drehte die Deutsche auf. Vier Spielgewinne in Folge brachten ihr die 5:3-Führung. In Plískovás Spiel schlichen sich wieder vermehrt Fehler ein, sodass Kerber plötzlich drei Matchbälle hatte. Gleich ihren ersten konnte sie nutzen.
Faktor des Spiels: Die Hitze. Es war der heißeste Tag bei den US Open 2016. Die Temperaturen erreichten weit über 30 Grad und bereiteten vor allem Plísková Probleme. Zu Beginn des zweiten Satzes stützte sich die Finalistin auf ihren Oberschenkeln ab, um Kraft zu sparen. Immer wieder versuchte sie, die Ballwechsel abzukürzen und brachte sich damit selbst aus dem Rhythmus. Am Ende setzte sich auch die Fitness ihrer Gegnerin durch.
Schlüsselmoment des Spiels: Ereignete sich beim Stand von 3:3 und 40:40. Kerber geriet in die Defensive, befreite sich und vollendete den schönsten Punkt des Spiels mit einem "Alles-oder-Nichts-Schlag" die Linie entlang. Anschließend ballte sie ihre Faust und war auf dem Weg zum zweiten Major-Titel des Jahres nicht mehr zu stoppen.
Angelique Kerber
Foto: Al Bello / AFPFakt des Spiels: Im Grunde stand die Siegerin nach dem ersten Satz schon fest. Kerber hatte 2016 44 Mal den ersten Satz gewonnen und anschließend nie verloren. Schön, dass sie diese Serie im US-Open-Finale ausbauen konnte.
Ausblick: Kerber befindet sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Mit 28 Jahren ist sie im besten Tennis-Alter und noch längst nicht am Ende. Ihr Vorsprung auf Serena Williams in der Weltrangliste beträgt 1680 Punkte, die Deutsche hat beste Chancen, das Jahr an der Spitzenposition zu beenden.