Lisickis Final-Pleite: Nervös, gefrustet, in Tränen
Final-Niederlage Bartoli beendet Lisickis Wimbledon-Traum
London - Sabine Lisickis Traum vom Wimbledon-Sieg ist geplatzt. Die Deutsche verlor im Endspiel des wichtigsten Tennisturniers der Welt 1:6, 4:6 gegen Marion Bartoli. Nach fast zwei Wochen auf höchstem Niveau und dramatischen Siegen unter anderem gegen Serena Williams und Agnieszka Radwanska musste sich Lisicki nun einer stark aufspielenden Gegnerin geschlagen geben. Damit bleibt Steffi Graf der bisher letzte deutsche Tennisprofi, der ein Grand-Slam-Turnier gewinnen konnte: Die heute 44-Jährige hatte 1999 bei den French Open in Paris triumphiert.
Mit Tränen in den Augen nahm Lisicki nach der Niederlage den Silberteller für die unterlegene Spielerin entgegen und sagte: "Ich bin total überwältigt von dieser Situation. Marion ist daran schon gewöhnt gewesen. Sie hat es verdient. Ich bin mir sicher, noch einmal die Chance zu bekommen, ein großes Turnier zu gewinnen."
Bartoli freute sich über ihren Sieg und lobte die Gegnerin: "Ich habe von diesem Moment so lange geträumt. Seit ich sechs Jahre alt bin. Und Sabine: Ich bin sicher, du wirst noch einmal gewinnen."
Sabine Lisicki wirkte von Beginn an sehr nervös und machte viele leichte Fehler. Auch ihr eigentlich bester Schlag kam nicht: der Aufschlag. Mehrmals musste sie im Ballwurf abbrechen, insgesamt unterliefen ihr im ersten Satz zwei Doppelfehler, lediglich 54 Prozent der ersten Aufschläge fanden ihr Ziel (Bartoli: 68 Prozent).
Lisicki bricht nach dem ersten Satz in Tränen aus
Dreimal konnte Bartoli der Deutschen so im ersten Durchgang den Aufschlag abnehmen, die 28-Jährige gab selbst nur ihr erstes Aufschlagspiel ab und gewann nach gerade einmal 30 Minuten den ersten Satz 6:1.
Lisicki, die sich nach jedem gewonnen Punkt selbst Mut zu machen versuchte, hatte bis dahin überhaupt nicht in die Partie gefunden. Die 23-Jährige schloss viele Ballwechsel überhastet ab, während Bartoli ihre harten Grundschläge sicher platzierte. 31 Punkte gewann Bartoli im ersten Satz, Lisicki lediglich 17. Entscheidend war die Statistik der unerzwungenen Fehler: Während die Deutsche 14 Fehler dieser Art unterliefen, leistete sich Bartoli nur vier solcher Ausrutscher.
Als Lisicki nach kurzer Pause ihren Stuhl verließ, um den zweiten Satz zu eröffnen, sah man ihr den Ärger über den Fehlstart an. Ihre Reaktion? Ein Ass. Das erste Aufschlagspiel ging diesmal ohne Mühe an die Deutsche, die dann aber trotz dreier Breakchancen ihrer Gegnerin nicht den Service abnehmen konnte.
Danach bestimmte wieder Bartoli das Geschehen, die weiter nahezu fehlerfrei spielte und jede Unachtsamkeit Lisickis bestrafte. Lisicki schien selbst nicht fassen zu können, wie ängstlich und nervös sie agierte. Einen Doppelfehler beim Stand von 1:3 und 40:30 aus ihrer Sicht quittierte sie erst mit einem gequälten Lachen - und brach dann auf dem Platz in Tränen aus. Das Spiel gab Lisicki zum 1:4 ab. Beim Stand von 1:5 wehrte sie drei Matchbälle ab und kam bis auf 4:5 heran. Doch kurz darauf siegte Bartoli 6:1 und 6:4. Lisickis Traum vom Grand-Slam-Triumph war beendet.