Tennis-Newcomer Tsonga Wie der junge Ali
Hamburg - "Ich habe nicht so viel Talent, aber ich habe die Power und den Willen" sagt der Mann, der von seinen Fans in Melbourne als "Tsonga-Tsunami" bezeichnet wird. Jo-Wilfried Tsonga besiegte heute im Halbfinale den stärker eingeschätzten Spanier Rafael Nadal 6:2, 6:3, 6:3 und steht zum erstem Mal im Endspiel eines Grand-Slam-Turniers.
Dabei stand der Halb-Kongolese Tsonga schon einmal vor dem großen Durchbruch. Er war bereits 2003 zweitbester Junior der Welt und Sieger des Juniorenturniers bei den US Open. Doch der Durchbruch bei den "Großen" ließ auf sich warten. Wegen einer Reihe von Verletzungen kam er kaum in Tritt. Er nutzte diese Zeit, legte die Grundlagen für seine derzeitigen Leistungen, arbeitete viel im Athletikbereich und erntet nun nach langer Leidenszeit den Lohn. Im Hinblick auf das Finale sagte der ausgeschiedene Nadal: "Wenn er wieder so spielt, ist er sehr schwer zu stoppen."
Mit dieser Meinung ist er nicht allein: Viele seiner Fans nennen Tsonga "Ali", in Anspielung an den legendären Boxer, dem er zweifelsohne ähnlich sieht. Die Vergleiche mit dem jungen Muhammad Ali schmeicheln ihm: "Ich sehe ein bisschen so aus wie er früher", so Tsonga, "aber mir wäre es lieber, ich könnte so agieren wie er: fliegen wie ein Schmetterling und stechen wie eine Biene."
Vom schnellen Mundwerk Alis hat Tsonga nicht viel, die TV-Interviews auf dem Center Court ist er nicht gewohnt. In der englischen Sprache fühlt er sich noch nicht ganz heimisch. Aber das kann ja noch werden. Während der Spiele lässt er seinen Emotionen auf dem Platz freien Lauf, auch deshalb ist er schnell zum Publikumsliebling aufgestiegen. Typen wie ihn gibt es im Tenniszirkus nur noch selten.
Auf dem Weg zu diesem Finale hat er auf jeden Fall schon viele verblüfft. Er besiegte den gesetzten Schotten Andy Murray ebenso wie seinen Landsmann Richard Gasquet und klettert durch den Einzug ins Endspiel erstmals auf einen Platz unter die Top 20 der Weltrangliste. Zugetraut hätte ihm dies wohl keiner. Rafael Nadal, der sich nach 117 Minuten geschlagen geben musste, schüttelte während des Matches öfter ungläubig den Kopf. "Heute konnte mich nichts aufhalten", sagte Tsonga später, "das ist unglaublich, ich habe eine Gänsehaut."
Gegen wen der Franzose am Sonntag im Endspiel antreten wird, entscheidet sich morgen im zweiten Halbfinale zwischen Titelverteidiger Roger Ferderer aus der Schweiz und dem Serben Novak Djokovic. Angst hat Tsonga keine: "Ich werde auch im Finale versuchen, mein Bestes zu zeigen", sagte er, "auch Federer und Djokovic haben nur zwei Arme und Beine."
Mit Material von dpa und sid