Tennis Schwache Schenkel stoppen Becker
Graz - Er wollte sich einen Traum erfüllen, doch ausgerechnet die sensible Oberschenkel-Muskulatur sorgte bei Boris Becker gegen sein früheres Idol Björn Borg für ein böses Erwachen. Im Duell der Tennis-Veteranen musste der dreifache Wimbledonsieger gegen den fünfmaligen Sieger aus Schweden nach seiner zweijährigen Turnierabstinenz gleich im ersten Spiel auf der Seniorentour beim Stand von 6:3, 2:3 aus seiner Sicht wegen einer Oberschenkel-Blessur aufgeben. Bereits während seiner aktiven Zeit hatte Becker häufig mit Oberschenkel-Problemen zu kämpfen. Auf der Senioren-Tour will Becker nach eigener Aussage zehn bis zwölf Turniere bestreiten.
"Ein Schritt, den ich nicht hätte machen dürfen"
Vor immerhin 4000 Zuschauern im österreichischen Graz präsentierte sich der 33-jährige Wahl-Münchner am Donnerstagabend bei seinem ersten Match auf der "Delta Tour Of Champions" bis zu seiner Verletzung in ansprechender Verfassung. Doch die Show endete mit einer Ernüchterung. "Ich bin enttäuscht, dass ich nicht zu Ende spielen konnte. Es war unmöglich weiterzumachen", erklärte Becker im Anschluss. "Ich habe bei der Vorhand einen Schritt gemacht, den ich nicht hätte machen sollen." Dennoch habe er sich bis zu seinem Aus gut gefühlt. "Wir haben richtig gutes Tennis gespielt, phasenweise", sagte er.
Am 7. Juli 1999 hatte Becker nach dem Einzel gegen den Australier Patrick Rafter in Wimbledon seine Profi-Karriere offiziell beendet. Bei rund 33 Grad erschien der beste deutsche Tennisspieler aller Zeiten gegen den 45-jährigen Borg nun in neuer, eigener Kleider-Kollektion zunächst im weißen, dann im schwarzen Dress - und zeigte bisweilen auch alte Stärken. "Das Aus war natürlich sehr unglücklich für ihn", pflichtete auch Borg bei. "Ich habe zu Beginn des zweiten Satzes gemerkt, dass er Probleme hat. Vorher hat er sehr gut gespielt."
Borg - fit und reaktionsschnell
Der Schwede brachte auf dem von ihm ungeliebten Hartplatz was Fitness und Reaktionsvermögen anbelangt eine erstaunlicher Form mit auf den Platz und musste im ersten Durchgang nur ein Break zum 1:3 hinnehmen. Ein ums andere Mal flogen dem Deutschen die gefürchteten Grundschläge um die Ohren, wenn auch Borg dem Tempo seines aus einer anderen Tennis-Generation stammenden Kontrahenten nicht dauerhaft standhalten konnte.
Auch im zweiten Durchgang war Becker auf dem Dach des Einkaufszentrums von Graz nicht gewillt, vorzeitig zu gehen. Er nahm noch eine Auszeit beim Stand von 1:2, um den lädierten Oberschenkel untersuchen zu lassen. Kurz darauf war aber Schluss. Nun muss der Veranstalter um die Fortsetzung der Becker-Spiele fürchten. Am Freitag sollte eigentlich die Partie gegen Yannick Noah anstehen. Für Samstag ist ein Duell mit dem Australier Pat Cash geplant. "Ich habe Angst um den Turnierverlauf", unkte Becker. Eine Untersuchung beim Prominentenarzt Dr. Müller-Wohlfahrt soll die Entscheidung bringen. Nach dem ersten Befund (Oberschenkel-Verhärtung) wird Becker nur am Freitag gegen Yannick Noah aussetzen müssen. Beim "Mann mit den Wunderhänden" wurde Becker drei Stunden behandelt, bevor er nach Graz zurückflog. Am Samstag will nun Becker gegen Pat Cash wieder auf dem Platz stehen.
Becker: "Ich werde mich warm spielen und dann entscheiden, ob es geht. Wenn es irgendwie geht, möchte ich spielen."