Testosteron-Gel Radprofi Sinkewitz gesteht Doping
Hamburg - "Ich will für mein Fehlverhalten einstehen und die sich für mich daraus ergebenden Folgen tragen", heißt es in einer von Sinkewitz' Anwalt Michael Lehner veröffentlichten Stellungnahme: "Ich will nicht taktieren, sondern zur Wahrheit zurückfinden."
Sinkewitz beschreibt in seiner Erklärung auch Details des Dopingbetruges: "Ich hatte mir Testogel besorgt, das von der Firma Jenapharm als Mittel zum Ausgleich von Testosterondefiziten angeboten wird. Das Gel wird auf die Haut aufgetragen und so vom Körper aufgenommen."
Die Anwendung des Gels Anfang Juni im Trainingslager in den Pyrenäen beschreibt Sinkewitz als große "Dummheit". Ohne nachzudenken habe er sich am Abend vor der Dopingkontrolle heimlich das sogenannte Testogel auf den Oberarm aufgetragen. "Dies tat ich instinktiv und ohne an die möglichen Folgen zu denken", so Sinkewitz.
Nun wolle er sich der Herausforderung stellen und sich im Kampf gegen Doping engagieren. Sein Eingeständnis solle dazu ein erster Schritt zur Wiedergutmachung sein. "Ich werde dem Bund Deutscher Radfahrer und der dort initiierten Unabhängigen Kommission zur Verfügung stehen. Ich hoffe und möchte dafür alles tun, damit tatsächlich ein neuer Radsport ohne Doping mit all seiner sportlichen Faszination sich verwirklichen kann", erklärte Sinkewitz.
Zuvor hatte er auf die Öffnung der B-Probe verzichtet. Lehner habe dem BDR mitgeteilt, dass sein Mandant auf die Öffnung verzichte, hieß es in der Pressemitteilung. T-Mobile hat den Fahrer daraufhin entlassen, wie es auf der Internetseite des T-Mobile-Teams heißt.
Sinkewitz, für den die Tour nach einem schweren Sturz bereits nach der 8. Etappe beendet war, war bei einer Trainingskontrolle am 8. Juni positiv getestet worden. In der A-Probe soll der Testosteron-Epitestosteron-Wert bei 24:1 gelegen haben. Erlaubt ist ein Wert von 4:1. Sinkewitz droht mindestens eine zweijährige Sperre.
"Wir haben mit der Entlassung die Konsequenzen gezogen", sagte Sportdirektor Rolf Aldag auf der Internetseite des T-Mobile-Teams. "Aber auch wenn es für uns ein Schock ist: Es zeigt sich, dass unser eigenes und das Kontrollsystem der Nada wirksam und Trainingskontrollen wichtig sind."
Bereits während der Tour hatte sich Telekom-Kommunikationsdirektor Christian Frommert eindeutig zu dem Thema geäußert: "Klar ist, sollte er die B-Probe nicht öffnen lassen, hat das ebenso die Entlassung zur Folge wie eine positive B-Probe." Aldag hatte die Hoffnung geäußert, Sinkewitz werde offensiv Stellung beziehen: "Ich würde es begrüßen, wenn Patrik bei der Wahrheit bleibt und erklärt, wie es zu der positiven A-Probe gekommen ist."
Der Mineralwasser-Produzent Förstina hat seinen Sponsorenvertrag mit Sinkewitz gekündigt. Wie das Unternehmen heute mitteilte, ist die dreijährige Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung beendet worden. Mögliche Schadensersatzforderungen würden juristisch überprüft, erklärte das Unternehmen.
Zudem muss Sinkewitz die Ermittlungen der Bonner Staatsanwaltschaft im Auge behalten. Sie hatte Mitte Juni ein Ermittlungsverfahren gegen ihn nach einer anonymen Anzeige wegen des Verdachts des Betruges zum Nachteil seiner Vertragspartner eingeleitet. Derzeit versucht die Behörde zu klären, wer als Vertragspartner in Frage kommt.
Bereits gestern war bekannt geworden, dass der spanische Radprofi Iban Mayo als dritter Fahrer nach dem Kasachen Alexander Winokurow und dem Italiener Cristian Moreni bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt positiv getestet worden ist. Nach Informationen der Zeitung "L'Équipe" ist Mayo positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet worden. Mayo droht wie Sinkewitz eine lange Sperre. Er hatte am Sonntag als Gesamt-16. die Tour de France beendet.
Laut Aldag muss Sinkewitz nun womöglich sein komplettes Jahressalär zurückzahlen. T-Mobile gilt als das Radsport-Team mit den härtesten Arbeitsverträgen, in denen hohe Vertragsstrafen bei einem Dopingfall festgeschrieben sind.
fpf/sid/dpa