Thomas Haas "Ich bin nicht geldgierig"
Mainz/Hamburg - Am Samstag hat Thomas Haas im ZDF-"Sportstudio" den Präsidenten des Deutschen Tennis Bundes (DTB), Georg von Waldenfels, scharf angegriffen. "Er ist derjenige", sagte ein sichtlich erregter Haas über von Waldenfels, "der die Summen erfunden hat und dann in die Öffentlichkeit geht."
Nachdem die 23-jährige Nummer eins des deutschen Herrentennis am Freitag den Verzicht auf eine Teilnahme an der Daviscup-Erstrundenbegegnung in Kroatien (8. Bis 10. Februar) bekannt gegeben hatte, klärte Haas im "Sportstudio" über die Gründe auf. Via Leinwand aus seiner Wahlheimat Florida zugeschaltet, sagte der Tennisprofi, er habe Ende vergangenen Jahres beim DTB "nett angefragt" und die Zusage über 25.000 Dollar Zuschuss für die Bezahlung eines Physiotherapeuten bekommen. Dieses Angebot habe von Waldenfels kurze Zeit später jedoch wieder zurückgenommen.
Überzogene Forderungen
"Ich bin nicht geldgierig", verteidigte sich Haas gegenüber dem Vorwurf aus DTB-Kreisen, er habe 100.000 Euro für einen Physiotherapeuten gefordert. "Es geht nicht so weiter, dass der DTB mit mir machen kann, was er will. Ich habe das Gefühl, dass Herr von Waldenfels irgendwie ein bisschen gegen mich ist", so Haas. Der "Bild"-Zeitung sagte Haas, die vom DTB-Präsident genannten Forderungen würden "von vorne bis hinten nicht stimmen".
Waldenfels erklärte seinerseits im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, dass ein Angebot über 25.000 Euro von Seiten des DTB tatsächlich gemacht worden sei, aber nur bei entsprechenden PR-Leistungen des Spielers. Die habe Haas aber sofort und kategorisch abgelehnt. Stattdessen habe sich ein Vertreter der Haas betreuenden Management-Agentur gemeldet, der neben den 100.000 Euro für Physiotherapeut Jürgen Dess auch einen Freiflug für Vater Peter Haas zum Daviscup nach Zagreb gefordert habe. Als dies mit dem Hinweis, es gebe keine Sonderbehandlung für irgendjemanden, abgelehnt wurde, erfolgte am Freitag die Absage via Presseerklärung. Dabei habe Haas dem neuen Daviscup-Kapitän noch am Montag die feste Zusage gegeben, so von Waldenfels.
Dennoch sieht der DTB-Präsident den Bruch zwischen Verband und Deutschlands Nummer eins im Herrentennis nicht als "Wenn wir uns unter vier Augen sprechen, wird das Thema schnell vom Tisch sein", sagte von Waldenfels. Und auch Haas hat seine Bereitschaft längst signalisiert: "Es tut mir sehr weh, dass ich nicht dabei bin. Ich wünsche dem Team viel Glück, dass sie in die nächste Runde kommen und ich dann wieder dabei bin. Und wir irgendwann mal den Davispokal gewinnen können."
Alexander Popp angeschlagen
Das Team bereitet sich währenddessen am Austragungsort Zagreb vor, wo ab Freitag gespielt wird. Neben Rainer Schüttler, Nicolas Kiefer und David Prinosil hat Stich Alexander Popp als Ersatz für Haas nachnominiert. Die Einzel gegen die Kroaten werden aller Voraussicht nach Kiefer und Schüttler bestreiten. Wer neben Prinosil im Doppel zum Einsatz kommt, ist offen.
Ein Fragezeichen steht allerdings hinter dem Haas-Ersatz: Popp musste am Sonntag im Finale des mit 50.000 Dollar dotierten Challenger-Turniers in Lübeck verletzungsbedingt aufgeben. Beim Stande von 2:6 und 0:3 aus Sicht von Popp fiel der Sieg vorzeitig an Raemon Sluiter aus den Niederlanden. Bei Popp wurde eine bereits im ersten Aufschlagspiel erlittene Blockierung im Brustwirbelbereich diagnostiziert. Dennoch wird er am Montag die Reise nach Zagreb antreten. "Ich bin zuversichtlich, dass ich rechtzeitig fit werde und glaube an eine realistische Einsatzchance", so Popp.