Tiger Woods: Golfen in einer neuen Dimension - DER SPIEGEL
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Tiger Woods Golfen in einer neuen Dimension

Von "unglaublich" bis "außerirdisch" lauteten die Bewertungen nach Tiger Woods rekordbrechendem US-Open-Sieg. Der Mann ist so weit vorn, er spielt quasi allein - und denkt an früher, als er noch mit seinem Vater über den Platz ging.
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Pebble Beach - Der Zweitplatzierte Ernie Els, den Woods mit sagenhaften 15 Schlägen Vorsprung auf gebührendem Abstand hielt, war vor Bewunderung sprachlos: "Ich weiß nicht, was ich dazu noch sagen soll. Wenn er richtig drin ist, dann haben wir keine Chance. Wie er diese Woche gespielt hat, war nahezu perfekt."

Mit 272 Schlägen (65+69+71+67) schloss Woods mit einem Gesamtergebnis von zwölf unter Par ab. Er lieferte auch am Sonntag die beste Tagesrunde und vergrößerte damit seinen Abstand auf die Konkurrenz noch einmal. "Zweiter bei den US Open ist an sich nicht schlecht. Aber 15 Schläge Rückstand sind wirklich peinlich", meinte der Südafrikaner Els nach der Schlussrunde kleinlaut. Er teilte sich den zweiten Platz mit Miguel-Angel Jimenez aus Spanien.

"Das ist heute ein ganz besonderer Tag. Es ist Vatertag, und ich kann gar nicht ausdrücken, was mein Vater für mein Golfspiel bedeutet", meinte Woods und gab am amerikanischen "Father's Day" die Komplimente an seinen Vater Earl weiter, der ihn schon als Kleinkind zum Golf gebracht hatte.

"Mein Vater hat mich immer mit auf den Platz genommen. Wir haben trainiert und gespielt und hatten eine Menge Spaß zusammen. Das sind die Zeiten, an die man denkt und die man vermisst", sagte der 24-Jährige nach seinem dritten Majors-Triumph. Die ersten beiden waren die Siege beim US Masters 1997 und bei der US-PGA-Championships 1999.

Woods betonte, wie wichtig die innere Ruhe für sein Spiel sei. "Während der ganzen Woche hatte ich dieses Gefühl von Ruhe, das ich lange nicht hatte. Es erinnerte mich an Augusta 1997. Egal, was passierte, ich habe nie meine Konzentration verloren". Beim Masters in Augusta hatte er die Konkurrenz mit einem Vorsprung von zwölf Schlägen deklassiert.

Die Bedingungen in Pebble Beach, die blitzschnellen, ausgetrockneten Grüns, das dichte Rough und der böige Wind, ließen etliche der Weltklassegolfer inklusive Bernhard Langer verzweifeln; für Woods aber waren sie eine ideale Basis für den Erfolg. "Als der Wind immer stärker wurde, habe ich mich gefreut. Da konnte ich meinen Vorsprung durch solides Spiel ausbauen", meinte Woods, der vor Beginn seiner Profikarriere an der Stanford University im nahe gelegenen Palo Alto studierte.

Im Schatten der Lichtgestalt Woods zeigten auch die Europäer auf dem traumhaft gelegenen Platz an der kalifornischen Pazifikküste durchaus gute Vorstellungen. Mit vier Profis vom alten Kontinent unter den ersten Sieben im Endklassement war die Europa-Tour gut vertreten. Überraschend war besonders der solide Auftritt des Engländers Nick Faldo, der seit Jahren gegen ein Formtief ankämpft. Der sechsfache Sieger bei Major-Turnieren landete mit 290 Schlägen (69+74+76+71) auf dem siebten Rang.

Weniger erfolgreich verlief die 16. US-Open-Teilnahme für die deutsche Nummer eins, Bernhard Langer. Nach schwachen Auftaktrunden von 77 und 80 Schlägen musste der 42-jährige Anhausener bereits nach der Hälfte des Turniers die Koffer packen, da er zum zehnten Mal den Cut verpasst hatte. Ohne Kommentar verließ der ehrgeizige Langer die Anlage, auf der er bereits bei seinen ersten US Open 1982 die Qualifikation für die beiden Schlussrunden verfehlt hatte.

Er befand sich allerdings in prominenter Gesellschaft: Auch der Australier Greg Norman und der Schwede Jesper Parnevik verpassten den Cut. Für den ebenfalls vorzeitig ausgeschiedenen Jack Nicklaus war es das letzte "Goodbye": Als 17-Jähriger spielte die inzwischen 60 Jahre alte lebende Golflegende ihre ersten US Open. "Es waren traumhafte Jahre. Aber einmal muss Schluss sein", sagte Nicklaus.

David F. Russell