Tischtennis: Historischer Abend mit chinesischen Einflüssen - DER SPIEGEL
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Deutscher Tischtennis-Triumph Historischer Abend mit chinesischen Einflüssen

Das deutsche Tischtennis feiert einen historischen Triumph. Zum ersten Mal gewinnen die Männer und Frauen gleichzeitig die Team-EM. Die Männer reagierten routiniert auf ihren Sieg, bei den Frauen stehen drei gebürtige Chinesinnen im Blickpunkt.
Deutsche Tischtennis-Spielerinnen: Debatten um gebürtige Chinesinnen
Deutsche Tischtennis-Spielerinnen: Debatten um gebürtige Chinesinnen

Deutsche Tischtennis-Spielerinnen: Debatten um gebürtige Chinesinnen

Foto: Hans Punz/ dpa
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Hamburg - Timo Boll leidet derzeit an einer Grippe. Deshalb musste die deutsche Tischtennis-Nationalmannschaft bei der EM in Schwechat bei Wien ohne den deutschen Rekord-Europameister auskommen. Doch auch im Krankenstand fühlt sich Boll mit seinem Team verbunden.

Er hat gleich zum Mobiltelefon gegriffen, als die deutsche Mannschaft ihr Finale gegen Griechenland 3:1 gewonnen und damit den sechsten EM-Titel nacheinander sichergestellt hatte. "Er hat mir eine SMS geschickt und freut sich, dass wir es ohne ihn geschafft haben", sagte Dimitrij Ovtcharov, der mit zwei Punkten der Matchwinner in einer überraschend engen Partie gewesen war.

Das Team von Bundestrainer Jörg Roßkopf ist das Gewinnen gewohnt, deshalb feierten die Spieler ihren Triumph eher sachlich und routiniert. "Der Titel ist für uns eine sehr schöne Bestätigung, dass wir viele sehr gute Spieler haben und nicht nur Timo und mich. Wir haben unterstrichen, dass wir ohne Wenn und Aber das beste Team in Europa sind", sagte Ovtcharov.

Das eigentlich Erstaunliche an diesem Abend war nicht der Triumph der deutschen Männer - sondern, dass sich auch die deutschen Frauen den Titel sicherten. 3:1 gewann das Team von Bundestrainerin Jie Schöpp im Finale gegen Rumänien. Es war der insgesamt fünfte Titel für das deutsche Frauenteam, der erste seit 15 Jahren. Damit stellt der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) in der 55-jährigen EM-Geschichte zum ersten Mal beide Sieger-Mannschaften.

"Über die Nominierung entscheidet nicht das Aussehen"

"Wir hatten vorher nicht ausschließen wollen, dass ein solch überragendes Ergebnis möglich sein könnte. Besonders beeindruckend an diesem für das deutsche Tischtennis einmaligen Ergebnis ist die Souveränität und Ausgeglichenheit unserer Mannschaften", sagte Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig.

Der deutsche Doppel-Erfolg von Schwechat erinnert an die chinesische Dominanz im Welt-Tischtennis. Die Chinesen gewinnen bei den Weltmeisterschaft regelmäßig beide Titel. Dazu kommen auch die Einzel-Sieger nur in Ausnahmefällen aus anderen Ländern.

Dazu passt, dass die deutschen Frauen ihren Titel mit Hilfe von drei Spielerinnen gewannen, die in China geboren wurden. Vor der EM gab es in der deutschen Tischtennis-Szene heftige Debatten um den Einsatz von Han Ying, Shan Xiaona und Jiaduo Wu. Der Erfolg in Schwechat ist für Verbandschef Thomas Weikert eine Bestätigung der Politik des DTTB.

Wer nach acht Jahren in Deutschland eingebürgert werder, "hat nicht nur alle Pflichten als deutscher Staatsbürger, sondern auch alle Rechte - also auch für die Nationalmannschaft zu spielen. Über die Nominierung entscheidet letztlich nicht das Aussehen des Gesichts, sondern die sportliche Leistung", hatte Weikert der Zeitung "Neues Deutschland" schon vor dem Finale gesagt.

Auch Bundestrainerin Schöpp ist gebürtige Chinesin. Beim bis dahin letzten EM-Triumph der deutschen Frauen 1998 war sie selbst noch als Spielerin beteiligt gewesen. 15 Jahre danach holten die EM-Neulinge Han Ying (2) und Shan Xiaona (1) die Punkte zum deutschen Sieg gegen Rumänien, Kristin Silbereisen verlor ihr Einzel - am Ende war es eine Niederlage für die Statistik an einem historischen Abend für das deutsche Tischtennis.

buc/sid/dpa